Rechte britische TV-Sender: 'Nicht meine Art ...
 
Rechte britische TV-Sender

'Nicht meine Art von Journalismus' - 'GB News' verliert Senderchef

Screenshot: GB News
Hat gut lachen: Das Engagement von Brexit-Befürworter und Populist Nigel Farage markierte eine neue Ausrichtung des Senders GB News.
Hat gut lachen: Das Engagement von Brexit-Befürworter und Populist Nigel Farage markierte eine neue Ausrichtung des Senders GB News.

Senderchef Andrew Neil warf nach Unstimmigkeiten mit den Eigentümern das Handtuch. Der Journalist wollte kein "britisches Fox News." Rupert Murdoch plant Konkurrenzsender.

Er hätte der BBC das Fürchten lehren sollen: Mit großem Interesse der britischen Öffentlichkeit und vor allem der Medienbranche startete am 13. Juni der neue Nachrichtenkanal 'GB News' im Vereinigten Königreich. Nicht nur der Union Jack im Firmenlogo deutete auf die konservative Ausrichtung. Man wolle ein Gegengewicht zur als "woke" und "liberal" wahrgenommenen Medienlandschaft darstellen, hieß es vor dem Sendestart.


Ernst genommen wurde das Projekt vor allem wegen dem Mann, der den Sender seit Monaten aufbaute: Andrew Neil war lange Zeit einer der besten und gefürchtetsten Interviewer bei der BBC und genießt als lanjähriger Chefredakteur der Sunday Times und nunmehriger Vortsandsvorsitzender des konservativen Wochenmagazins The Spectator großen Respekt. Ihm gelang es auch zahlreiche bekannte Journalisten von großen Sendern, wie Simon McCoy von der BBC oder Alastair Steward von ITV, zum neuen Sender zu locken.

Holpriger Start

Doch der Start verlief nicht so wie geplant: Wegen peinlicher technischer Probleme in den ersten Wochen wurde der Sender schnell zum Gespött, die Rekordquoten, die man in den ersten Tagen einfuhr, rasselten bald nach unten. Und Neil nahm nur zwei Wochen nach Senderstart überraschend eine "Auszeit" von seiner Rolle als Sender-Chef und Moderator seines Abendprogramms. Er kündigte an, im September zurückzukehren.

Doch daraus wurde nichts.
Neil ist ausgestiegen und ausgerechnet in der BBC erklärte er am Donnerstagabend, warum: "Es traten immer mehr Differenzen zwischen mir und den anderen Managern und dem Vorstand von GB News auf", sagte Neil in der Sendung "BBC Question Time". Doch anstatt, dass man sich annäherte, seien die Differenzen "größer und größer" geworden: "Ich fand es am besten, dass wenn das der Weg ist, den sie einschlagen wollen, dann liegt es an ihnen. Es ist ihr Geld."

'Nicht meine Art von Journalismus'

Sie, das sind die Eigentümer der All Perspectives Ltd, einer Holding-Gesellschaft hinter der sich der amerikanische TV-Konzern Discovery, die emiratische Investment-Firma Legatum und der britische Millionär und Brexit-Unterstützer Paul Marshall verbergen. Diese wollten offenbar etwas, was Neil vor dem Sendestart klar abgelehnt hat: Eine britische Version des rechten US-Senders Fox News. "Ich habe von Anfang an klar gemacht, dass es keine britische Version von Fox News werden würde. (...) Fox verbreitet Unwahrheiten, Verschwörungstheorien und Fake News. Das ist nicht meine Art von Journalismus. Ich lasse Sie ihre eigenen Schlüsse ziehen, warum ich heute Abend hier (bei der BBC, Anm.) und nicht bei GB News sitze", sagte Neil.

Andrew Neil spricht über seinen Abschied von GB News

Auf einen Richtungswechsel hin zu einer britischen Version von Fox News deutet auch hin, dass zeitgleich mit der "Auszeit" von Neil, der Populist Nigel Farage engagiert wurde und ein GB-News-Mitarbeiter, der sich mit knieenden Fußballern solidarisierte, entlassen wurde.

"Die Differenzen waren so groß, dass die Richtung, in die sie gingen, nicht der Richtung entsprach, die ich skizziert hatte. Es war nicht die Richtung, die ich mir für den Kanal vorgestellt hatte", sagte Neil gestern Abend. Er selbst sei "einzelne Stimme" gewesen: "Ich wünsche ihnen viel Glück, falls es das ist, was sie wollen."

Doch für 'GB News' sind damit die schlechten Nachrichten noch nicht vorbei. Denn Rupert Murdochs News UK, unter anderem Eigentümer des rechten Boulevard-Blattes The Sun und der Times, hat angekündigt, nun doch einen eigenen Sender in Großbritannien zu gründen. Solche Ideen gab es im Murdoch-Imperium schon vergangenes Jahr, doch mit dem Start von GB News wurde Murdoch der Platz im rechten Spektrum offenbar zu eng und so entschoss man sich, das Projekt abzublasen. Ob nun die Schwäche von 'GB News' eine Rolle gespielt hat, ist unbekannt, aber News UK hat seine Pläne reaktiviert und dafür den bekannten wie umstrittenen TV-Moderator Piers Morgan angeheuert. Der neue Sender 'talkTV' soll Anfang kommenden Jahres starten und neben Nachrichten, Debatten auch Sport und Unterhaltungsprogramm senden. "Wir sind bestrebt, Fernseh- und Streaming-Zuschauern eine Auswahl zu bieten und das Beste aus unserem Journalismus auf den Schirm zu bringen", sagte Rebekah Brooks, CEO von News UK, in einer Erklärung am Donnerstag.

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