Rassismusvorwürfe: "TT"-Entschuldigung
 

Rassismusvorwürfe: "TT"-Entschuldigung

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In einer Reportage über einen Lokalbetreiber aus dem nordafrikanischen Staat gerieten Titel und Vorspann zu einer Mischung aus Stereotyp und Vorverurteilung. Die Zeitung gibt den dagegen Protestierenden recht und entschuldigt sich.

Die "Tiroler Tageszeitung" sieht sich wegen eines äußerst ungünstig formulierten Berichts über einen marrokanischen Lokalbetreiber mit Rassismusvorwürfen konfrontiert und hat sich am Montag dafür öffentlich entschuldigt. Stein des Anstoßes waren Titel, Untertitel und Vorspann einer sonst recht harmlosen Story über einen Zuwanderer, der sich durch die Armut zum Unternehmer hochkämpfte: "Der Marokkaner, der mit Bier und Toast statt Drogen handelt", lautete der Aufmacher. "Nordafrikaner haben in Innsbruck eigentlich nur zwei Alternativen: dealen oder Gefängnis. Doch es gibt Ausnahmen." Der Einstiegssatz der Reportage über den aus Marokko nach Innsbruck ausgewanderten Abd Allah Fatihi lautet so: "Er verkauft Bier statt Haschisch, Toast statt Kokain,..."

"Proteste berechtigt"

Im Internet setzte es einen wahren Orkan an Protesten, vor allem über soziale Medien. Am Montag folgte eine offizielle Entschuldigung der "TT", deren Chefredaktion online schrieb: Die Proteste seien berechtigt, "denn die ursprüngliche Intention des Artikels, ein positives Beispiel für die gelungene Integration eines Ausländers darzustellen, wurde durch eine unglückliche, völlig inakzeptable Wortwahl in Titel und Vorspann zunichte gemacht". Es sei eine Tatsache, "dass seit nunmehr zehn Jahren eine kleine Gruppe von Menschen aus den nordafrikanischen Ländern in Innsbruck mit Drogen handelt und durch entsprechende Begleitkriminalität auffällt. Entsprechende Gerichtsprozesse und Verurteilungen belegen das." Allerdings: "Titel, Vorspann und die ersten Sätze im TT-Artikel vom Sonntag rücken jedoch alle Nordafrikaner in dieses kriminelle Eck. Das ist erstens eine unzulässige Verallgemeinerung und gibt zweitens nicht die Meinung der Redaktion der Tiroler Tageszeitung wider." Man ziehe die Aussagen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück.
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