RAI irritiert über ORF wegen Umfrage in Südti...
 

RAI irritiert über ORF wegen Umfrage in Südtirol

Italienischer Rundfunk ortet Konfrontationskurs

Während der ORF mit österreichischen Privatsendern immer wieder im Clinch liegt, sorgt die vermeintliche Unterstützung von privaten Südtiroler Medien durch den ORF beim dortigen öffentlich-rechtlichen RAI-Ableger Sender Bozen für Irritationen. Grund ist eine ORF-Umfrage über die TV-Vorlieben der Südtiroler, die dem Südtiroler Medienunternehmen Athesia als Quelle für Angriffe auf den Sender Bozen diente, wie das Wochenmagazin "FF" berichtet. Beim ORF weist man die Vorwürfe zurück.

Der ORF hatte im Mai eine Umfrage veröffentlicht, wonach die beiden ORF-Programme bei der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol punkto Beliebtheit deutlich besser abschnitten als RAI Bozen. "Südtirol heute" liege demnach bei den Seherzahlen gleichauf mit der RAI-"Tagesschau" und verfüge darüber hinaus über die besseren Imagewerte. Dass darüber auch Südtiroler Medien berichtet hatten, mit denen RAI Bozen im Wettbewerb steht, sorgte dort offenbar für einige Aktivitäten. Macht der ORF gemeinsame Sache mit Südtiroler Privatmedien, und wie konnte eine ORF-interne Studie bei der Athesia landen, fragte man sich laut "FF" beim Sender Bozen. In Bozen hat man diesbezüglich den Tiroler ORF-Landesdirektor Helmut Krieghofer in Verdacht.

Sender Bozen-Belegschaftsvertreter Andreas Feichter wandte sich deshalb vor kurzem sogar an ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. "Mit Befremden, Bedauern und Staunen haben wir die jüngste Umfrage zur Kenntnis genommen, die wir nur als Angriff ihres Hauses auf unser Haus sehen können. Wir hoffen nicht, dass der neue Tiroler Landesdirektor einen neuen Kurs der Konfrontation anstatt der bislang gepflegten Partnerschaft fährt", schrieb Feichter in einem Mail an den ORF-Chef. "Es wäre wirklich kurios und europaweit einzigartig, wenn sich gerade in Südtirol die öffentlich-rechtlichen Anstalten - zur Freude und zum Vorteil der privaten Konkurrenz - bekriegten, anstatt gemeinsam aufzutreten und gemeinsam zu produzieren", so Feichter weiter. Wrabetz habe laut "FF" auf den Hinweis aus Bozen "sauer" reagiert und den Tiroler Landesdirektor Krieghofer deshalb zum Rapport nach Wien beordert.

Im ORF weist man die Kritik der öffentlich-rechtlichen Kollegen aus Südtirol auf zurück. Die umstrittene Umfrage wurde nämlich ganz normal via Aussendung publik gemacht. "Der ORF hat, analog zu einer ähnlichen Studie vor zehn Jahren, eine Umfrage über die Sehergewohnheiten der Südtiroler Bevölkerung in Auftrag gegeben und in einer Aussendung über die für den ORF bzw. 'Südtirol heute' sehr erfreulichen Ergebnisse berichtet", heißt es. "Sachlich und wie in Aussendungen dieser Art üblich, wurden dabei auch entsprechende abgefragte Werte der 'Tagesschau' von RAI Bozen verglichen, dem neben 'Südtirol heute' einzigen relevanten TV-Qualitätsmedium in Südtirol. Diese gängige Praxis der Kommunikation von Umfrage-Ergebnissen kann schon deshalb nicht als 'Angriff' verstanden werden, weil der ORF seit Jahren ein freundschaftliches und überaus konstruktives Verhältnis mit den Kolleginnen und Kollegen der RAI Bozen pflegt, das auch in Zukunft Bestand haben soll und wird."

(APA)
stats