Radiotest: Klatsche für Kronehit?
 

Radiotest: Klatsche für Kronehit?

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Radio bleibt auch im 1. Halbjahr mit (fast) 80 Prozent Tagesreichweite stärkstes Medium – Verschiebungen gibt´s nur en detail: Kronehit (aber auch ORF-Ö3) verlieren, Privatsender holen in der „Kernzielgruppe“ 14-49 Jahre weiter auf

Klatsche für Kronehit? Naja, „Verlierer“ sehen anders aus, aber: In der aktuellen Ausgabe des Radiotest 1. Halbjahr 2015 gibt es – alle Hörer ab 10 Jahre, Montag bis Sonntag – auf Basis des Indikators „statistisch signifikant“ im Vergleich zum Halbjahr 2014 einen großen „Verlierer“: Das nationale Privatradio Kronehit büßt exakt einen Prozentpunkt Reichweite ein und erreicht im 1. Halbjahr „nur mehr“ 11,6 Prozent der österreichischen Radiohörer. Am ewigen Marktbegleiter und der Benchmark im österreichischen Radiomarkt, ORF-Ö3, kann´s nicht wirklich liegen – Ö3 verliert 0,8 Punkte und erreicht Montag bis Sonntag im 1. Halbjahr 2015 35,7 Prozent der Österreicher ab 10 Jahre.

Statistisch signifikant im Plus im Hörermarkt ab 10 Jahre sind die RMS-TopKombi der Privatsender in Tirol (plus 3,6 Punkte auf nunmehr 34,4 Prozent Reichweite in Tirol), der private Regionalsender Antenne Vorarlberg im westlichsten Bundesland (plus 3,4 Punkte auf nunmehr 22,3 Prozent) und der steirische private Lokalsender Welle 1 Graz (plus 0,5 Punkte auf 0,7 Prozent Tagesreichweite in der Steiermark).

Im umkämpften Wiener Radiomarkt – als einzigem Bundesland – muss Kronehit mit Minus 2,2 Prozentpunkten auf nunmehr 9,0 Prozent Reichweite bei den Hörern ab 10 Jahre ein statistisch signifikantes Minus hinnehmen. ORF-Ö3 ist in Wien mit 28 Prozent (+0,1 Punkt) stabil, die Privaten in der RMS-TopKombi - wiewohl 88,6 Der Musiksender, und Energy, zulegen können, sind in Wien bei den Hörern ab 10 Jahre mit 25,5 Prozent Reichweite (Minus 2,1 Punkte, vor allem Kronehit), in der Defensive.

Hörermarkt ab 10 Jahre – „alle Hörer“

Der Hörermarkt ab 10 Jahre („alle Hörer“) ist vornehmlich die Benchmark für die öffentlich-rechtliche Radioflotte des ORF: 79,8 Prozent der Österreicher ab 10 Jahre – das sind 6,045 Mio. Personen - geben im 1. Halbjahr 2015 an, „gestern“ (bezieht sich auf den Wochenschnitt Montag bis Sonntag) Radio gehört zu haben (das sind 0,9 Prozentpunkte weniger als im Vergleichszeitraum). Für die Hörerschaft ab 10 Jahre ist die „Sieben“ in der Geschichte des Radiotest seit 1999 ein Novum (wiewohl die Grundgesamtgesamtheit der Österreicher ab 10 Jahre mit 7,575 Millionen Personen – 22.000 mehr als 2014 - einmal mehr Rekordniveau erreicht).

Deshalb „nur“ 79,8 Prozent respektive im obenstehenden Titel „fast“ 80 Prozent. Und nachfolgend nur als Nebeneinanderstellung, nebenbei: Auf Basis „Österreicher ab 14 Jahre“ geben laut Mediaanalyse 2014 81 Prozent an, „gestern“ Radio gehört zu haben – 69 Prozent hatten „gestern“ eine Tageszeitung in der Hand, ebenso 69 Prozent geben an, „gestern“ „im Internet“ (was immer dort auch treibend – meistgenannt ist nach wie vor „E-Mail“) gewesen zu sein – und 64 Prozent haben ferngesehen. Aber das gehört zum Gattungsmarketing der Medien-/Werbeträger-Gruppen, nicht per se zum Radiotest.

Also zurück zum Radiotest: Fast unverändert in Relation zueinander, aber mit Bewegung, zeigen sich im „dualen“ Radiosystem in der aktuellen Standortbestimmung ORF und Private zueinander: 65,6 Prozent der Österreicher ab 10 Jahre hören täglich eines der ORF-Radios (Minus 1,4 Prozentpunkte); 35,7 Prozent hören ORF-Hitradio Ö3 (minus 0,8 Prozentpunkte) und 30,3 Prozent eines der neun Regionalradios (Minus 1,3 Prozentpunkte).

ORF-FM4 steigert sich um 0,4 Punkte auf 3,9 Prozent nationale Reichweite; der werbefreie Kultursender ORF-Ö1 erreicht 8,3 Prozent (Minus 0,3 Punkte). Die Privaten in der nationalen Kombi des Audiovermarkters RMS-Austria kommen im Tagesschnitt bei allen Österreichern ab 10 Jahre auf 28,5 Prozent Reichweite (Minus 0,3 Punkte).

193 Minuten täglich

Mit den erwähnten Ausnahmen sind diese Ergebnisse statistisch nicht signifikant – für den Hörermarkt ab 10 Jahre kann auf Basis der aktuellen Zahlen wohl von den vielzitierten „stabilen Verhältnissen“ gesprochen werden, wenngleich die Schwankung von Kronehit und die Schwankung unter die 80 Prozent in dieser Halbjahresaufnahme eine marginale Reichweiten-Delle zeigt. Die jedoch in Sachen Hördauer kompensiert wird: Mit 193 Minuten täglich hören die Österreicher ab 10 Jahre um zwei Minuten täglich länger Radio als im Vergleichszeitraum 2014. Nach „Marktanteilen“ – ist gleich Hördauer, in Prozent zu den Tagesminuten ausgedrückt – lauten 73 Prozent (ein Punkt weniger) entfallen auf die 12 ORF-Radios, 24 Prozent (unverändert) auf die Privaten.

Fortsetzung auf Seite 2: Der für die Werbewirtschaft relevante Hörermarkt der 14- bis 49jährigen im Radiotest 1. Halbjahr 2015.

Fortsetzung von Seite 1:

Interessant in Sachen demografische Entwicklung: Die Gruppe der 14- bis 49-Jährigen ist – im Gegensatz zu „alle Hörer ab 10 Jahre“ - um 162.000 Personen kleiner geworden: Die Grundgesamtheit sind nunmehr 4,097 Mio. Österreicher zwischen 14 und 49 Jahre.

Hörermarkt 14 bis 49 Jahre – die „Kernzielgruppe“ vulgo „Werberelvante“

In der von der Werbewirtschaft meist nachgefragten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hören täglich von Montag bis Sonntag 78,8 Prozent oder 3,228 Mio. Personen Radio – ebenso wie in der Hörerkategorie 10+ sind das knapp unter einem Prozentpunkt weniger Gesamt-Hörer-Reichweite als im Vergleichszeitraum.

Streng nach der statistischen Signifikanz betrachtet, gibt es in der „Kernzielgruppe“ im Halbjahresvergleich nur zwei Veränderungen, und die sind beide ein Plus: In Salzburg legt Welle1 Salzburg um 3,6 Prozentpunkte auf nunmehr 10,2 Prozent Landesreichweite zu; Radio Energy Salzburg wächst um 2,7 Punkte auf nunmehr 7,7 Prozent.

Alle weiteren Ergebnisse liegen innerhalb der Schwankungsbreite:

Die ORF-Radios erreichen zusammen täglich 60,8 Prozent (Minus 1,2 Punkte) – ORF-Hitradio Ö3 ist und bleibt in der „Kernzielgruppe“ mit 44,5 Prozent der stärkste Einzelanbieter (Minus 0,8 Punkte). Der Jugendkultursender ORF-FM4 legt um 0,7 Punkte auf nunmehr 6,2 Prozent nationale Reichweite bei den 14- bis 49-Jährigen zu – der (werbe-, aber nicht Patronanzen- Sponsoring-freie Kultursender ORF-Ö1 verliert um 0,5 Punkte auf 4,8 Prozent).

Für die Privaten in der RMS-Kombi geht es mit 37,1 Prozent Reichweite (Plus 0,5 Punkte) aufwärts – Kronehit muss, nach etlichen Halbjahren Wachstum, mit nunmehr 17,2 Prozent nationaler Reichweite bei den 14- bis 49-Jährigen einen Dämpfer hinnehmen (Minus ein Punkt – das allerdings liegt innerhalb der statistischen Schwankungsbreite! Und, das sei der Vollständigkeit herausgehoben: Im Burgenland steigt Kronehit bei den „Werberelevanten“ um 3,8 Punkte auf 25,7 Prozent landesreichweite).

Im Match um den dichtbesetzten Wiener Radiomarkt behaupten in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen die Privaten via RMS-Top-Kombi mit 31,8 Prozent Reichweite (-0,1 Punkt) ihre Position vor ORF-Ö3 mit nunmehr 31,0 Prozent (-0,2 Punkte). Stärkster Wiener Privat-Sender bei den „Werberelevanten“ bleibt Kronehit (13,4 Prozent, -2,1 Punkte) vor Radio Energy (10,3 Prozent, +0,3 Punkte), 88,6 Der Musiksender (7,6 Prozent, +1,8 Punkte), Radio Arabella (5,4 Prozent, +0,5 Punkte), Superfly (3,2 Prozent, -0,2 Punkte) und einem erstarkenden Radio Ö24 (2,1 Prozent, +0,9 Prozentpunkte).

In den Bundesländern fallen – zu den beiden genannten „Gewinnern“ im „statistisch-signifikant-Score“ Welle1 Salzburg und Radio Energy Salzburg - der Sprung von 88,6, Der Musiksender in gleich allen drei Bundesländern Wien (plus 1,6 Punkte auf 7,6 Prozent Reichweite), Niederösterreich (plus 0,3 auf 7,1) und im Burgenland (plus 0,4 auf 6,1), der Antenne Steiermark (plus vier Punkte auf nunmehr 27,4 Prozent), Antenne Salzburg (plus 1,5 Punkte auf 15,5 Prozent) sowie Antenne Vorarlberg (plus 3,1 Punkte auf 28,0 Prozent) bei den Privaten auf; die Lokalsender Soundportal und Welle 1 Graz in der Steiermark, LoungeFM und Arabella in Oberösterreich legen allesamt an Hörerreichweite bei den „Werberelevanten“ zu.

Mit 190 Minuten täglich hört die „Kernzielgruppe“ der 14- bis 49-Jährigen im 1. Halbjahr 2015 vier Minuten länger Radio als im Vergleichszeitraum – 64 Prozent entfallen auf die ORF-Radios (zwei Punkte minus), 33 Prozent (Plus ein Punkt) auf die Privaten.

Fazit zum Radiotest 1. Halbjahr 2015: Bei allen Hörern ab 10 bleibt die Relation Öffentlich-Rechtlich zu Privaten fast gleich, bei der „Kernzielgruppe“ holen die Privaten – trotz einer Schwäche von Kronehit – weiter auf.

Über den Radiotest

In rund 13.000 Telefoninterviews erhebt Marktforscher GfK halbjährlich die Tagesreichweiten der terrestrisch verfügbaren österreichischen Radios (mit einigen wenigen Ausnahmen wie beispielsweise radio klassik (vormals Stephansdom) oder den nicht-kommerziellen lokalen Anbietern). Relevant für das Sendermarketing sind die Gesamtreichweiten und Marktanteile auf Tagesbasis – für den Werbemarkt und Media-Planung und –Einkauf sind die Viertelstundenreichweiten entscheidend.

Zu den Detail-Daten siehe bitte die Präsentationen von RMS-Austria und ORF Enterprise.

Eine ausführliche Nachlese zum aktuellen Radiotest gibt es in der HORIZONT-Ausgabe 31/2015, die am 31. Juli erscheint.
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