Radiotest: Junge Radiohörer lassen Federn
 
Radiotest

Junge Radiohörer lassen Federn

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Die Tagesreichweiten der heimischen Radios bleiben laut Radiotest stabil, bei den 14- bis 49-Jährigen sind aber Rückgänge zu verzeichnen.

Ungefähr gleich viele Hörer, die ihren Radio-Programmen intensiver lauschen: Das ist auf den ersten Blick das Ergebnis des Radiotests 2020/2, der die Hörerzahlen des zweiten Halbjahres 2019 und des ersten Halbjahres 2020 erhebt. Insgesamt ist die Tagesreichweite aller erhobenen Radios nämlich im Vergleich zur vorjährigen Erhebung mit 76,2 Prozent stabil geblieben (Radiotest 2019/2: 76,9 Prozent). Gleichzeitig ist aber die durchschnittliche Hördauer von 195 auf 200 Minuten gestiegen.

Ö1 gewinnt, Ö3 verliert

Kalt-warm gibt es für den ORF: Bei den Radios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steigerte sich Ö1 von 9 Prozent signifikant auf 10 Prozent Tagesreichweite (+ 1 Prozentpunkt). Die nationale Reichweite von Ö3 sank hingegen signifikant von 32,9 auf 31,9 Prozent fiel (-1 Prozentpunkt). Damit steht der Sender nicht allein da, mussten sowohl die RMS-Top-Kombi (26,6 Prozent) als auch Kronehit (9,6 Prozent) bei der nationalen Tagesreichweite Federn lassen. Die signifikanten Verluste ändern freilich nichts daran, dass Ö3 weiterhin der meistgehörte Radiosender des Landes bleibt. Selbst die traditionell starken ORF-Regionalsender kommen mit 29,7 Prozent nationaler Tagesreichweite nicht an jene des Erfolgssenders heran. Nur beim Marktanteil muss sich Ö3 (31 Prozent MA) seinen regionalen Schwestern (35 Prozent MA) geschlagen geben.

Stabile Tagesreichweiten in der Altersgruppe 10+ haben die heimischen Radiosender vor allem älteren Semestern zu verdanken, denn die 14- bis 49-Jährigen scheinen etwas weniger radiobegeistert zu sein. Die Tagesreichweite der Radios fiel in dieser Zielgruppe von 72,7 um 2,1 Prozentpunkte signifikant auf 70,6 Prozent. Auch die durchschnittliche Hördauer sank von 179 auf 177 Minuten. Das traf vor allem die Privatsender: Während die Tagesreichweite der ORF-Radios bei den 14- bis 49-Jährigen stabil blieb, verloren die Privatradios insgesamt 1,9 Prozentpunkte, die RMS-Top-Kombi 2,2 Prozentpunkte – mit immer noch 33,5 Prozent Tagesreichweite. Kronehit sank österreichweit von 16,6 auf 14,4 Prozent Tagesreichweite und musste auch in Wien und Oberösterreich signifikant Federn lassen.

Wer hingegen bei den Jungen zulegen konnte, konnte letztlich auch in der Gesamtreichweite gewinnen: So konnte sich Antenne Kärnten bei den den 14- bis 49-Jährigen um 6,6 Prozentpunkte auf 37,1 Prozent Reichweite im Bundesland steigern, was sich auch in der Altersgruppe 10+ mit einem Plus von 4,6 Prozentpunkten niederschlägt. Kärnten bleibt ohnehin fleißigstes Radiohörerland Österreichs: Mit 83,6 Prozent ist die Tagesreichweite im südlichsten Bundesland so hoch wie sonst nirgends. Die Kärntner hören auch am längsten zu: Mit 250 Minuten haben sie die längste durchschnittliche Hördauer aller Bundesländer und liegen 50 Minuten über dem nationalen Schnitt.

In Oberösterreich konnte sich das regionale ORF-Radio signifikant auf 27,4 Prozent steigern – der stärkste Zuwachs aller ORF-Programme. In Salzburg wiederum konnte sich FM4 in der werberelevanten Zielgruppe von 3,8 Prozent auf sieben Prozent Reichweite kräftig steigern, was sich auch positiv auf die Tagesreichweite 10+ auswirkt.

Hörfaule Wiener

Wien bleibt hingegen weiter Schlusslicht bei Tagesreichweiten. Mit 63,7 Prozent unterbietet man den nationalen Schnitt deutlich, bei den 14- bis 49-Jährigen sind es gar nur 55,4 Prozent. Hier erreicht auch ­Wolfgang Fellners in der zweiten Jahreshälfte gestartetes Radio Austria seine höchsten Reichweiten: Mit 1,7 Prozent ­Tagesreichweite ist Wien vor Niederösterreich (1,5 Prozent ­Tagesreichweite) wichtigstes Bundesland für den Sender. Das westlichste Bundesland bewegt sich in Sachen Tagesreichweite langsam, aber stetig auf Wien zu: In der Altersgruppe 10+ liegt die Tagesreichweite der Radios im Ländle nur mehr bei 76 Prozent, bei den 14-bis 49-Jährigen ist man unter die 70-Prozent-Marke gerutscht.

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