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Radiotest: Die korrigierten Werte für 2015 sind da

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Die korrigierten Zahlen beziehen sich vorerst nur auf das Jahr 2015.
Die korrigierten Zahlen beziehen sich vorerst nur auf das Jahr 2015.

Landesweit betragen die Abweichungen bis zu fünf Prozentpunkte. In den Bundesländern fallen die Verwerfungen teils noch deutlich höher aus.

Die vom durchführenden Institut GfK Austria "geglätteten", also falschen Werte zum Radiotest im Zeitraum von 2011 bis 2015 werden nun nach und nach korrigiert. Heute wurden die berichtigten Werte für das erste und zweite Halbjahr 2015 ausgesendet.

Bei den Reichweiten im ersten Halbjahr 2015 zeigt sich bei den Marktanteilen (Personen 14-49 Jahre, Montag - Freitag), dass Ö3 mit fünf Prozentpunkten (41 statt 36 Prozent) zu viel bewertet wurde, während die RMS Top drei Prozentpunkte (33 statt 36 Prozent) zu wenig ausgewiesen bekam. Kronehit kommt, wie schon bei den damals veröffentlichten Zahlen, auf zwölf Prozent.

Im zweiten Halbjahr 2015 waren die falschen Werte nicht mehr so stark abweichend: Bei den Marktanteilen (Personen 14-49 Jahre, Montag - Freitag) wurde Ö3 mit zwei Prozentpunkten (40 statt 38 Prozent) zu viel bedacht, die RMS Top bekam drei Prozentpunkte (32 statt 35 Prozent) zu wenig. Kronehit steht mit 13 statt 12 Prozent hier nun besser da als ursprünglich.

Der ORF Gesamt wurde sowohl im ersten als auch im zweiten Halbjahr bei den Marktanteilen bei den 14 bis 49-Jährigen mit vier Prozentpunkten zu viel bewertet (64 statt 60 Prozent). Dadurch war auch das Medium Radio zu hoch bewertet: Statt 211 wurden im ersten Halbjahr 2015 "nur" 195 Minuten Radio gehört. Im zweiten Halbjahr blieben von 210 immerhin noch 202 Minuten übrig.

Auch bei den Tagesreichweiten gab es entsprechende Abweichungen zugunsten der ORF-Radios. So erreichte Ö3 im ersten Halbjahr 2015 bei den 14- bis 49-Jährigen zwischen Montag und Freitag eigentlich 41,9 Prozent Reichweite - statt der früher ausgewiesenen 46,4 Prozent. Insgesamt wurden die ORF-Radios mit sechs Prozentpunkten zu hoch bewertet. Die RMS Top kann davon aber so gut wie nicht profitieren und liegt laut den bereinigten Daten nun bei 39,3 Prozent Tagesreichweite (plus 0,1 Prozentpunkt). Beim zweiten Halbjahr fallen die Verwerfungen etwas niedriger aus, aber auch hier wurden die ORF-Radios in der Vergangenheit mit 3,9 Prozentpunkten zu hoch bewertet. 

Die Marktanteile in den Bundesländern

Besonders stark sind die Unterschiede von richtigen und früher veröffentlichten Daten in den Bundesländern. So lag Ö3 in Wien im ersten Halbjahr 2015 ursprünglich bei 35 Prozent Marktanteil - die korrigierten Zahlen weisen allerdings nur noch 28 Prozent aus. Ö1 wiederum gewinnt laut den neuesten Daten einen Prozentpunkt hinzu und steht nun bei fünf Prozent. Großer Gewinner sind nun aber die RMS-Radios, die auf 44 (statt 39) Prozent kommen. Vor allem profitiert haben Radio Ö24, Radio Arabella, Radio Energy und 88.6. Kronehit verliert sogar einen Prozentpunkt und steht nun bei 13 Prozent. Im zweiten Halbjahr wurden in Wien sowohl ORF als auch RMS mit jeweils einem Prozentpunkt zu viel ausgewiesen.

In Niederösterreich wurden die ORF-Radios im ersten Halbjahr mit drei Prozent Marktanteil zu viel ausgewiesen, im zweiten Quartal waren es sogar vier Prozentpunkte. Der RMS Top fehlen in beiden Halbjahren drei Prozentpunkte. Stark die Abweichung auch im Burgenland: Im ersten Halbjahr wurde der ORF hier mit sieben Prozentpunkten zu viel ausgewiesen und kommt nun noch auf 69 Prozent. Der RMS Top fehlen eben diese sieben Prozentpunkte. Stark profitieren konnten laut den richtigen Zahlen nun Kronehit und 88.6 (je plus drei Prozentpunkte). Im zweiten Halbjahr tendiert die Abweichung gegen null. 

In Salzburg lagen die ORF Radios bei den Marktanteilen im ersten Halbjahr 2015 sogar acht Prozentpunkte unter den früher veröffentlichten Zahlen. Vor allem Radio Salzburg wurde zu stark ausgewiesen und holt bei den 14- bis 49-Jährigen jetzt nur noch 14 statt 20 Prozent. Die RMS Top gewinnt laut aktualisierten Zahlen zwei Prozentpunkte hinzu. 

Es geht aber auch richtig kompliziert: In Tirol (mit Osttirol) erreichte Ö3 im ersten Halbjahr 38 (statt 42) Prozent Marktanteil. Im zweiten Halbjahr lag man dann laut früheren Zahlen bei 42 Prozent - richtig sind allerdings 45 Prozent. Insgesamt haben die ORF-Radios aber in beiden Halbjahren von den falschen Zahlen profitiert - und die Radios der RMS Top wurden zu niedrig ausgewiesen (je drei Prozentpunkte). 

Vorarlberg: 15 Prozentpunkte zu viel für ORF, Antenne Vorarlberg neuer Marktführer

Die größten Verschiebungen gibt es in Vorarlberg. Hier kommt der ORF nur noch auf 54 statt 67 Prozent - minus 13 Prozentpunkte. Die GfK wies demnach unter anderem sieben Prozentpunkte für Radio Vorarlberg und fünf Prozentpunkte für Ö3 zu viel aus. Die RMS Top gewinnt laut den neuesten Zahlen kräftig dazu und steht nun bei 36 statt 25 Prozent. Mit Abstand größter Profiteur ist Antenne Vorarlberg, das nun 29 statt 18 Prozent Marktanteil erreicht. Im zweiten Halbjahr waren die Abweichungen noch größer: Die ORF-Radios verlieren nach den aktualisierten Zahlen 15 Prozentpunkte, die RMS Top gewinnen 12 Prozentpunkte hinzu. Damit wechselt in Vorarlberg bei den 14- bis 49-Jährigen übrigens auch die Marktführerschaft. Diese hatte, zumindest in Halbjahr zwei, Antenne Vorarlberg inne. 

Ö3 und Antenne Steiermark nahezu gleichauf

Ebenfalls stark betroffen ist die Steiermark. Hier wurden den ORF-Radios im ersten Halbjahr 2015 drei Prozentpunkte (Mo-Fr, 14-49) zu viel zuerkannt, den Radios der RMS Top drei Prozentpunkte zu wenig. Kronehit verliert hier nach den neuesten Zahlen von elf auf neun Prozent, Antenne Steiermark hingegen steigt von 21 auf 26 Prozent. Im zweiten Halbjahr kommt Antenne Steiermark sogar auf 31 (statt 25) Prozent - und liegt damit nur noch ganz knapp hinter Ö3, das laut den aktualisierten Daten auf 32 (statt 37) Prozent kommt. 

In Kärnten (ohne Osttirol) sind die Verwerfungen nicht ganz so groß, aber auch vorhanden: Im ersten Halbjahr 2015 kommt der ORF nun auf 68 Prozent Marktanteil und gewinnt damit immerhin ein Prozentpunkt dazu. Dieser Gewinn geht allerdings auf das Konto von Radio Kärnten, denn für Ö3 wurden früher zwei Prozentpunkte zu viel ausgewiesen. Die RMS Top verliert laut den bereinigten Daten um zwei Prozentpunkte und steht nun bei 28 Prozent. Ein völlig anderes Bild zeichnet das zweite Halbjahr: Hier steht der ORF nun bei 63 (statt 68) Prozent, die RMS Top bei 36 statt 31 Prozent. Dieser Zugewinn geht vor allem auf das Konto von Antenne Kärnten, das nun 26 Prozent Marktanteil erreicht und damit um vier Prozentpunkte besser ausgewiesen wird als früher. 

Vier Prozentpunkte zu viel wurden dem ORF im ersten Halbjahr in Oberösterreich ausgewiesen, jetzt sind es noch 58 Prozent. Im zweiten Halbjahr waren es immerhin zwei Prozentpunkte zu viel. Hier profitiert, in beiden Halbjahren, Kronehit, das nun um zwei Prozentpunkte steigt und mit 17 bzw. 18 Prozent Marktanteil ausgewiesen wird.

Wie hoch ist der Schaden?

Wie die APA am Freitag berichtet, könnte durch die manipulierten Radiotest-Daten in den vergangenen Jahren ein Schaden von 20 Millionen Euro entstanden sein. Das Werbevolumen auf dem österreichischen Radiomarkt beträgt etwa 100 Millionen Euro. Ein Prozent Marktanteil macht demnach eine Million aus. Allein 2015 könnten demnach drei bis vier Millionen beim ORF statt bei den Privatsendern gelandet sein. Nach bisherigen Infos sollen die Manipulationen zumindest bis ins Jahr 2011 zurückreichen. Kronehit-Chef Ernst Swoboda sagt: "Ich schätze das Volumen wird irgendwo bei 15 bis 20 Millionen sein, um das die Privatsender geschnalzen worden sind, und die der ORF zu viel bekommen hat."

Die heimischen Privatsender wollen nun die eigentlich ihnen zustehenden Werbegelder für die nicht ausgewiesenen Marktanteile zurück haben. "Wir werden selbstverständlich Schadenersatz fordern. Primär von der GfK, aber ich lasse auch gerade prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, sich das direkt vom ORF zu holen. Der ORF hat unsere privaten Kontakte, Leistungen verkauft und daher hätten wir gerne, was er als Kaufpreis dafür bekommen hat. Das ist ein ganz simpler zivilrechtlicher Zugang", so Swoboda. In der Juristensprache ist von einem ungerechtfertigten Verwendungsanspruch durch den ORF die Rede. Dieser gilt unabhängig von der Schuldfrage. "Darüber werden wir mit dem ORF reden müssen und vielleicht nicht nur reden."

Wie korrekt sind die korrigierten Zahlen? 

Der ORF äußerte am Freitag derweil Zweifel über die Richtigkeit der nun von der GfK korrigierten Zahlen. "Auch der nun vorliegende Datenbestand lässt erhebliche Zweifel offen, ob die nun auch korrigierten Werte die Marktverhältnisse korrekt abbilden", so das Unternehmen in einer Aussendung. Da sie aber ohne Alternative seien, werde der ORF vorerst auf Basis dieser Daten seine Sender vermarkten. Unverständnis äußerte der ORF über den neuen VÖP-Vorsitzenden und Kronehit-Chef Ernst Swoboda, der sich zuletzt regelmäßig zum Radiotest geäußert hat. "Völlig unverständlich ist für den ORF die heutige Entgleisung des neuen VÖP-Präsidenten Ernst Swoboda. Die Skandalisierung durch Swoboda dient jedenfalls nicht dem Ziel, das Vertrauen im Markt zurückzugewinnen, sondern offensichtlich nutzt er seine neue Position als VÖP-Präsident dazu, Politik gegen den ORF zu machen. Das ist schärfstens zurückzuweisen." Man sei weiterhin für eine "volle Aufklärung der Sachlage" so der ORF. 

Sämtliche Radiotest-Zahlen von 2011 bis 2015, auch die jetzt aktualisierten Daten für das vergangene Jahr, werden nun noch einmal von einem Revisionskomitee überprüft, das GfK und die Auftraggeber des Radiotests eingerichtet haben (HORIZONT berichtete). 

Lesen Sie zu diesem Thema auch die aktuelle HORIZONT-Covergeschichte.

Hier alle alten und neuen Radiotest-Zahlen für 2015 (Montag bis Freitag)
Personen ab 10 Jahre (PDF)
Personen 14-49 Jahre (PDF)
Personen ab 35 Jahre (PDF)

Hier alle alten und neuen Radiotest-Zahlen für 2015 (Montag bis Sonntag)
Personen ab 10 Jahre (PDF)
Personen 14-49 Jahre (PDF)
Personen ab 35 Jahre (PDF)
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