Radiogipfel: "Der gottverdammte junge Konsume...
 

Radiogipfel: "Der gottverdammte junge Konsument"

Johannes Brunnbauer
"Wir müssen mit unseren Inhalten dem Publikum so begegnen, dass es nicht lange suchen muss", sagt Monika Eigensperger, FM4-Senderchefin und ORF-Radiodirektorin.
"Wir müssen mit unseren Inhalten dem Publikum so begegnen, dass es nicht lange suchen muss", sagt Monika Eigensperger, FM4-Senderchefin und ORF-Radiodirektorin.

Monika Eigensperger (FM4), Daniela Linzer (Kronehit) und VÖP-Vorsitzender Christian Stögmüller (Life Radio) diskutieren im Rahmen der Österreichischen Medientage über die Positionierung der Radiosender im neuen Audio-Ökosystem.

Moderiert von RTR-Pressesprecher Andreas Kunigk, eröffnet die in den letzten Jahren häufig propagierte "Renaissance des Audio" eine hitzige Debatte rund um die Zukunft des Radios. "Sexy Geräte aus den USA" bezeichnet Monika Eigensperger sprachgesteuerte Systeme, die auch hierzulande wachsende Beliebtheit erfahren. Konsumenten erwarten zeit- und ortsunabhängige Abrufbarkeit. Diesem "Special Interest" muss man in Österreich noch gerecht werden, erklärt die FM4-Senderchefin.  Dabei spielt auch die nächste Mobilfunkgeneration 5G eine Rolle, wodurch das Publikum den Content "diskriminierungsfrei" und über verschiedene Plattformen abrufen kann, so Eigensperger. 

Obwohl man in Österreich die meisten technischen Entwicklungen nicht beeinflussen kann, müssen sich die heimischen Radiosender diesen Herausforderungen – sowohl linear als auch non-linear – stellen und die Entwicklung alternativer Technologien vorantreiben. Diesen Standpunkt vertritt Christian Stögmüller, Vorsitzender des Board Radio im Verband Österreichischer Privatsender (VÖP). Vor allem in den "Radioplayer" setzt der Geschäftsführer von Life Radio Hoffnung. Trotzdem dürfen Entwicklungen, wie Alexa und Co., nicht unterschätzt werden: Laut Daniela Linzer konsumieren bereits 15 Prozent der digitalen Kronehit-Hörer über Amazons Smart-Speaker. "Wir müssen etwas anbieten, bei dem der Konsument mit partizipieren und interagieren kann, das erwarten vor allem junge Menschen", erklärt die stellvertretende Kronehit-Programmdirektorin weiter. Gleichzeitig sei Musik ein Rohstoff, der zu fairen Koniditionen angeboten werden müsse. Dies müsse politisch auch auf europäischer Ebene thematisiert werden.

Nach wie vor erreicht in Österreich die "alte Tante Radio – wie kein anderes Medium – die Menschen. Hierzulande haben alleine am gestrigen Tag 72 Prozent aller Menschen Radio gehört – und das über drei Stunden im Durchschnitt. Gleichzeitig gab es 400.000 Sessions über die App", erklärt Monika Eigensperger. Diesen freien Zugang müsse man bewahren. Trotzdem gäbe es noch "diesen gottverdammten jungen Konsumenten, mit der Idee, sich keinen Radio zu kaufen", wie Christian Stögmüller den Entwicklungsprozess mit einem Augenzwinkern beschreibt. Dies gilt es zu antizipieren und möglichst selbst in die Hand zu nehmen. 

[Peter Saxer]

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