Radiofrequenz: Erst lesen, dann...
 

Radiofrequenz: Erst lesen, dann...

KommAustria schreibt via Wiener Zeitung eine bundesweite Frequenz für Radio aus - und die Spekulationen schiessen ins Kraut - eine kommentierende Beobachtung von Herwig Stindl.

Der Anlassfall: In der Wiener Zeitung vom 12. August und auf der Homepage der RTR/KommAustria erscheint eine Bekanntmachung der zuständigen Ragulierungsbehörde RTR/KommAustria, in der die „Möglichkeit zur Antragstellung für die Erteilung einer bundesweiten Zulassung zur Veranstaltung von bundesweitem privaten terrestrischen Hörfunk“ fristgesetzt wird.
Vom 16. August bis 25. Februar 2011 können Anträge eingebracht werden (Grundvoraussetzung: Der oder die Veranstalter müssen mindestens 60 Prozent der österreichischen Bevölkerung erreichen).  

Das ist der hochgeschätzten APA einmal mehr eine kühne Spekulation wert: (nachstehend das komplette Zitat, weils so schön skurril ist)

„Österreich könnte demnächst weiteres nationales Privatradio bekommen

Signale vom Markt - Ausschreibung in "Wiener Zeitung" – Bisher nur Kronehit mit bundesweiter Zulassung =

Wien (APA, 12. 08., 11:19 Uhr) - Österreich könnte demnächst ein weiteres bundesweites Privatradio bekommen. Die Medienbehörde KommAustria hat am Donnerstag im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" die "Möglichkeit zur Antragstellung für die Erteilung einer bundesweiten Zulassung gemäß Privatradiogesetz" bekanntgemacht. Bisher war Kronehit der einzige bundesweit aktive Sender, offenbar gibt es nun aber vom Markt Signale für einen Zusammenschluss weiterer Rundfunkveranstalter zu einem österreichweiten Radio, weshalb von der KommAustria die entsprechende Ausschreibung veranlasst wurde.

Der Antrag auf die Erteilung einer bundesweiten Zulassung kann bis 25. Februar 2011 gestellt werden. Inhaber bestehender Privatradiolizenzen und -frequenzen auf regionaler Ebene können ihre Zulassungen in eine gemeinsame Kapitalgesellschaft einbringen. Voraussetzung für die Erteilung der Zulassung durch die Behörde: Gemeinsam müssen die Radiobetreiber über 60 Prozent der österreichischen Bevölkerung erreichen können. Der Mediaprint-Senderverbund Kronehit erhielt seine bundesweite Zulassung nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2004. Bis dahin gab es nur regionale und lokale Privatradiolizenzen. Ab 2011 könnte es nun eine weitere nationale Radioanstalt geben. (Schluss) bru/ks. Zitat Ende.  

Sofort, man möchte sagen, reflexartig, geht durch die Medienseiten und –portale von Medienmarken im Netz und – leider – auch selbsternannten Fachpublikationen der die Multiplikation des von der APA in die Welt gesetzten Rumors, da wäre ein potenter Antragstellervulgo „Signale vom Markt“ im Busch samt der, enenso von der APA meisterlich initiierten Insinuation, die Behörde leiste mit der Ausschreibung Starthilfe. Notorisch genannt werden bei diesen Planspielen Energy & Arabella und diverse Kombinationen der Antenne-Sender-Gruppe (die allerdings in die Styria-Gruppe, die Life-Radio-Gruppe, die Fellner-Gruppe und Eugen Russ Antenne Vorarlberg zerfallen). Welche Statements auch immer die „Informationsdienste“ dazu veröffentlichen – keiner der Beteiligten sagt auch nur irgendwas, ein "Branchendienst" ist ganz beleidigt, dass Radio Energy nicht zurückruft und vermerkt das auch pikiert. 

Leider ist das nicht nur eine Sommerloch-Ente, die Oberflächlichkeit hat das ganze Jahr über Methode (und Lesen oder Clicken bei den – nochmal: Breiten wir den Mantel des Ignorierens über die Spekulanten, hier wird nix verlinkt! – „Textierern“ ist eben nicht in Mode: Wer sich die Mühe macht, die Voraussetzungen der Ausschreibung zu erkunden, wird feststellen, dass unter Abschnitt 8 § 28ff im gültigen Privatradiogesetz turnusgemäß alle zwei Jahre eine solcher Prozess vorgegeben ist.  

Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer nur ganz oberflächlich die faktischen Strukturen der derzeitigen Frequenzverteilung und der dahinter stehenden Inhaber kennt sollte eigentlich wissen, dass die Erlangung einer weiteren bundesweiten Frequenz im derzeitigen Zeitfenster für niemanden in Reichweite ist - ausser es kommt zu einem Verbund/Kauf/Verkauf von/zwischen einem der genannten Veranstalterkreise. Trotz sehr heterogener Performances der Privatradiosender - das steht in einer Dimension, die dann die 60-Prozent-Hürde schafft, so nicht auf der Tagesordnung. (was mit ziemlicher Sicherheit beim nächsten Zeitfenster 2013 ganz anders aussehen könnte).  

Ein Kompliment daher, soweit erfolgt und publiziert, an die befragten aber schweigenden Radiomanager (und die Managerin, die sich gleich verweigert hat, welch Skandal!) – und einmal mehr Rätselraten über die Gedankenlosigkeit von Textierern, die der Schalgzeilenschinderei jede Faktenlage opfern.  
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