,Qualität in den Vordergrund‘
 

,Qualität in den Vordergrund‘

Alfred Grinschgl, Privatradio-Pionier und RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Rundfunk, im Interview

Der Medien-Zukunftspreis ist eine Initiative des Manstein Verlages. Begleitet wird sie vom Zukunftsforum, dessen Teilnehmer in dieser Interviewserie zu Zukunftsthemen der Branche zu Wort kommen.

HORIZONT: Die Medienwelt ist einem tief greifenden Wandel unterworfen – was brauchen Medienmacher heute mehr denn je, um auch in Zukunft ­erfolgreich zu sein?


Alfred Grinschgl: Zwei Dinge sind besonders wichtig: Erstens permanente und nachhaltige Aus- und Fortbildung in Medienfragen. Zweitens wäre es ganz wichtig, wenn Medienmacher die neuen Entwicklungen in vielen Teilen der Welt kennenlernen würden, zum Beispiel nicht nur in den USA, sondern auch in China, Japan und Indien.


HORIZONT: Und wie lautet hier Ihr persönlicher Befund? Ist davon ausreichend vorhanden?


Grinschgl: Ausbildungsmöglichkeiten gibt es recht viele, andererseits sind das die ersten Ressourcen, bei denen Medienmanager zu sparen beginnen. Außerdem kenne ich recht wenige Medienmacher, die ein Sabbatical Year zum Studium in anderen Ländern verwenden.


HORIZONT: Innovation wird oft nur als Optimierung des Althergebrachten missverstanden. Wie definieren Sie persönlich Innovation, insbesondere bei Medien?


Grinschgl: Zum Altherbrachten: Althergebrachtes ist nicht immer schlecht, und zweitens entwickeln sich die Zeiten viel langsamer, als viele Kollegen immer meinen. Grundsätzlich meine ich, dass eine gute, sinnvolle, erfolgreiche, zukunftsträchtige Innovation davon abhängt, ob das Publikum eine solche Innovation wirklich haben will. Es geht um die Interessen des Publikums und nicht primär um technische
Vor­gaben.


HORIZONT: Innovation braucht auch Raum zur Entwicklung. Für welche ­regulatorischen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Initiativen plädieren Sie im Sinne der Medienzukunft?


Grinschgl: Da kommt wahrscheinlich eine saublöde Antwort von mir, weil ich meine, dass wir medienpolitische Innovationen sicher nicht durch regulatorische Rahmenbedingungen und gesetzliche Initiativen herbeiführen können. Innovative Geschichten, wie der Garagen-Start von Google und anderen tollen Innovationen, ereignen sich am besten abseits der Regulierung. Und auch gesetzliche Initiativen haben damit wenig zu tun.


HORIZONT: Die Zukunft der Medien hängt sehr stark auch vom kreativen Nachwuchs ab. Wie kann es Medienunternehmen gelingen, kreatives ­Talent für sich zu begeistern?


Grinschgl: Kreatives Talent? Meiner Meinung nach begeistert einen ein Beruf dann, wenn man an der Aufgabe Freude hat und wenn das Gehalt einigermaßen stimmt. Die Gehälter stimmen bei vielen jungen Medienmitarbeitern überhaupt nicht. Da denke ich an Praktikanten, die bei manchen Tageszeitungen null Euro erhalten sowie an die Honorarempfänger von Ö1 …


HORIZONT: Im Gefüge aus Auftraggeber, Agentur und Medium geht es vielfach nur mehr um die günstigsten Konditionen. Wie lassen sich quali­tative Gesichtspunkte in der Media­planung in den Fokus rücken?


Grinschgl: Leider haben die qualitativen Gesichtspunkte stets mit Geld zu tun. Insofern hätte ich die Anregung, dass von staatlichen Fördersystemen, für Printmedien wie für den Rundfunk, stets besondere Qualitätskri­terien in den Vordergrund gerückt ­werden.


HORIZONT: Welche internationalen Medienunternehmen und/oder -projekte sind für Sie persönlich zukunftsweisend?


Grinschgl: Hier denke ich insbe­sondere an Medienunternehmen aus den Vereinigten Staaten, die Filme und ­Videos zeitversetzt jederzeit ­online anbieten. Die Verbreitung in Europa ist noch eher marginal, sie wird aber in den nächsten Jahren deutlich ansteigen, zum Beispiel durch Netflix.


HORIZONT: Was kann eine Initiative wie der Medien-Zukunftspreis tatsächlich für einen Beitrag für die gesamte Branche leisten?


Grinschgl: Es geht um die Awareness, also darum, dass der Medien-­Zukunftspreis, der ja auch ein Qualitätspreis ist, diese Qualität der Öffentlichkeit sowie auch im Bereich der überhand nehmenden Finanzer in den Medienunternehmen bewusst macht.


HORIZONT: Wie definieren Sie die Zukunftsvision für die RTR?


Grinschgl: Wir als RTR-GmbH stehen für Wettbewerb und Vielfalt und wollen auch in den nächsten Jahren eine ­stabile Marke und ein korrektes Unternehmen für unsere Partner, wie auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben.

Die gesamte HORIZONT-Interviewserie mit Mitgliedern des Zukunftsforums finden Sie hier - sie wird laufend erweitert.
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