Publikumsrat: Trotz Corona: ausgeglichenes Er...
 
Publikumsrat

Trotz Corona: ausgeglichenes Ergebnis für den ORF

APA
Alexander Wrabetz: "Mit den hohen Zuschauerzahlen ist auch das Vertrauen der Werbewirtschaft rascher zurückgekommen, als wir angenommen hatten."
Alexander Wrabetz: "Mit den hohen Zuschauerzahlen ist auch das Vertrauen der Werbewirtschaft rascher zurückgekommen, als wir angenommen hatten."

Bei der finalen Publikumsratssitzung für dieses Jahr kündigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz schwarze Zahlen für 2020 an. 10,8 Millionen Euro weniger Werbeerlöse als vorgesehen, 2,3 Millionen weniger Programmentgelte als budgetiert.

Der ORF rechnet damit, das heurige Jahr trotz der Coronakrise ausgeglichen abzuschließen. "Wir haben ein extrem schwieriges Jahr, das durch die Coronasituation geprägt war", sagte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei der Publikumsratssitzung am Donnerstag. Dennoch könne aller Voraussicht nach ein positives Ergebnis erzielt werden.


Es habe sich ausgezahlt, dass der ORF seit dem ersten Lockdown ins Programm investiert habe. "Mit den hohen Zuschauerzahlen ist auch das Vertrauen der Werbewirtschaft rascher zurückgekommen, als wir angenommen hatten", sagte Wrabetz. Erwartet wird, dass der ORF 2020 (ohne Tochterunternehmen) mit 15,4 Millionen Euro vor Steuern abschließt. Damit würde er 300.000 Euro unter Plan liegen. Das Ergebnis des ORF-Konzerns vor Steuern wird mit 22,5 Millionen Euro prognostiziert - das sind 300.000 Euro mehr als im Finanzplan für 2020 ursprünglich vorgesehen. Die Programmentgelte sollen bei 644,9 Millionen Euro liegen, das wären 2,3 Millionen Euro weniger als budgetiert. Erwartet werden außerdem Werbeerlöse in Höhe von 200 Millionen Euro, das wären 10,8 Millionen Euro weniger als vorgesehen.

Auch der Finanzplan für 2021 sieht aufgrund des Sparprogramms in Höhe von 75 Millionen Euro ein ausgeglichenes Ergebnis vor. Dennoch werde es "hohe Investitionen ins Programm geben", versicherte Wrabetz. Das Standortprojekt liege im Plan, auch der Player sei budgetiert. "Es ist ein großer Wurf, der in der Umsetzung ambitioniert ist", so der Generaldirektor.
Derzeit wird am Strategiekonzept bis 2025 gearbeitet. Es soll nächste Woche dem Stiftungsrat vorgelegt werden, kündigte Wrabetz an. Kernherausforderung sei die "Plattformchallenge", also die Frage, was der ORF den internationalen Konzernen entgegensetzen kann, betonte er einmal mehr. Grundprinzip sei "ein User-zentrierter Ansatz".

33,1 Prozent Marktanteil - ein Plus von 1,3 Punkten

In Bezug auf die Marktanteile werde ORF 2 das beste Jahresergebnis seit fünf oder sechs Jahren erreichen. ORF1, der auf viele sportliche Großereignisse verzichten musste, die auch durch Höhepunkte wie "Dancing Stars" nicht kompensiert hätten werden können, sei schwächer. Bei ORF III seien die Marktanteile in allen Bundesländern gestiegen. Die gesamte ORF-Gruppe liege im bisherigen Jahr 2020 bei einem TV-Marktanteil von 33,1 Prozent, im Vergleichszeitraum 2019 waren es laut Wrabetz 31,8 Prozent.

Ausschussvorsitzender Kratschmar berichtete dem Plenum aus dem Programmausschuss. Dort habe Programmdirektorin Kathrin Zechner die Linie ausgegeben, dass es nach einem Jahr der dichten Information auch verstärkt um Unterhaltung und Erholung gehen müsse. Auch ORF-2-Channelmanager Alexander Hofer habe erklärt, dass es nach dem sehr infolastigen Jahr 2020 darum gehe, den Unterhaltungsbereich zu stärken. ORF1 will laut Kratschmars Bericht aus dem Ausschuss die Zielgruppe der "Hedonisten", die unter anderem an Kabarett interessiert seien, verstärkt bedienen. "Es gibt keine Änderungen beim Schema, aber es findet ein programmlicher Schwenk Richtung Unterhaltung und Erholung statt", fasste Kratschmar seinen Eindruck aus dem Ausschuss zusammen.

Auch die Berichterstattung über den Terroranschlag in Wien war Thema bei der via Skype abgehaltenen Sitzung des Publikumsrats. Der ORF hätte noch rascher live in die Berichterstattung einsteigen können, meinte Wrabetz. "Da ist manchmal auch ein Mut zur Lücke gut", sagte er. Auch wenn man kein komplettes Bild der Lage habe, müsse man in solchen Situationen noch schneller auf Sendung gehen - natürlich ohne sich Spekulationen hinzugeben.

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