Publikumsrat: ORF-Präsenz in sozialen Medien ...
 
Publikumsrat

ORF-Präsenz in sozialen Medien für Wrabetz "alternativlos"

APA
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz

ORF-Publikumsrats mit Jugendschwerpunkt: 500 Mitarbeiter sollen in den nächsten Jahren für den ORF rekrutiert werden.

Will der ORF für junges Publikum auf lange Sicht relevant bleiben, muss er es auf deren meistgenutzten Plattformen ansprechen und auf die eigenen Kanäle lenken. Das war die Kernaussage des am Donnerstag abgehaltenen ORF-Publikumsrats mit Jugendschwerpunkt. Generaldirektor Alexander Wrabetz bezeichnete die Bespielung sozialer Medien zu diesem Zweck als "alternativlos". Unterdessen wünscht sich die österreichische Bevölkerung mehr Kabarett und Satire im Programm.


"Wir Jugendliche informieren uns über Suchmaschinen, hören Musik auf Spotify und lassen uns von Netflix unterhalten", meinte Elisabeth Kern, Schülervertreterin im Publikumsrat. Als große Chance für den ORF sah sie, dass er nach wie vor Vertrauen und Sicherheit stifte, was mit Hassbotschaften und Falschnachrichten konfrontierte Jugendliche weiterhin suchen würden.

'Der Algorithmus ist ihr Freund'

Warum YouTube dennoch "unangefochtene" Nummer Eins für die Rezeption von Bewegtbild bei 14- bis 29-Jährigen sei, erklärte Irina Oberguggenberger, Sendungsverantwortliche des ORF 1-Jugendmagazins "Fannys Friday". Die Plattform eigne sich gut für Interaktion und biete Inhalte, die für das junge Publikum relevant seien. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen seien sich zudem bewusst, dass ein Algorithmus bestimmt, welche Inhalte sie vorgeschlagen bekommen. "Der Algorithmus ist ihr Freund", so Oberguggenberger.

Die Sendungsverantwortliche hielt fest, dass der ORF bezüglich des gebotenen Inhalts mithalten könne. Tests hätten ergeben, dass "Fannys Friday" auch in einer Umwelt wie YouTube funktioniere und angeklickt werde. Das wesentliche Problem sei, dass man die Inhalte des ORF nicht zielgruppengerecht distribuieren könne.

Wrabetz will 'online-first' und 'online-only'

Der geplante ORF-Player soll Abhilfe verschaffen. Um mit ihm gezielt junge Personen adressieren zu können, braucht es jedoch eine Gesetzesänderung, die es dem ORF erlaubt, Inhalte "online-first" und "online-only" zu verwerten. Auch müsse man Inhalte gezielt auf YouTube, Instagram, TikTok und Co ausstrahlen, um dort Anknüpfungspunkte zu jungen Personen herzustellen und sie anschließend zum ORF zurückzuholen, meinte Lukas Klingan, der in die Erarbeitung des ORF-Players involviert ist.

Die Jugendvertreterin im Publikumsrat, Sophie Matkovits, mahnte, dass nur drei Prozent der Belegschaft im ORF unter 30 Jahre alt sei, aber dennoch Inhalte und Formate für Unter-30-Jährige generiert werden müssten. In etwa 500 Mitarbeiter sollen in den nächsten Jahren rekrutiert werden, sagte ORF-Generaldirektor Wrabetz. Dabei solle auf Alter, aber auch Diversität geachtet werden. Im Gegenzug stehen 800 Pensionierungen bevor.

Erfreut zeigte sich der Generaldirektor darüber, dass die Reichweite des ORF in den sozialen Medien zuletzt "stark zugelegt" habe. Mit dem ZiB-Account des ORF erreiche man auf Facebook täglich 1,2 Millionen Menschen. Auf Instagram sind es 350.000 Personen. Bei den Unter-30-Jährigen sah Wrabetz aber noch "Raum nach oben".

Die österreichische Film- und Serienplattform Flimmit des ORF sei "ein ambitionierter Versuch" gewesen. "Aber wir glauben, dass sie ein interessanter Teil des ORF-Players werden könnte", so Wrabetz. Sie solle in einem nicht frei zugänglichen Teil des Players untergebracht werden.

Andreas Kratschmar, Vorsitzender des Programmausschusses im Publikumsrat, präsentierte eine Studie, die sich mit non-fiktionalen Unterhaltungsangeboten auseinandersetzte. Dabei zeigte sich im Zuge einer für die österreichische Wohnbevölkerung repräsentativen Umfrage, dass vor allem Kabarett, Satire und Comedy hoch geschätzt werden. Die Befragten nutzen den ORF zwar etwas häufiger zu Unterhaltungszwecken als private Sender oder öffentlich-rechtliche deutsche Anbieter. Doch hinsichtlich der Zufriedenheit mit der gebotenen Unterhaltung kann sich der ORF nicht abheben. "Das kann man als Warnsignal sehen", sagte Kratschmar und plädierte für einen strategischen Fokus des ORF auf den Unterhaltungsbereich.

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