Public Value umfasst nicht nur die Müllabfuhr
 

Public Value umfasst nicht nur die Müllabfuhr

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Debatte über öffentlich-rechtlichen Mehrwert - "Eine Rechtfertigungsstrategie für Gebühren und Defizite"

Im ORF sitzen dem Vernehmen nach vier Leute, die sich mit dem Public Value des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beschäftigen. Doch was macht diesen Begriff aus? Wie sehr definiert er den Grundauftrag eines Senders wie dem ORF? Am "Tag des Qualitätsjournalismus", der am Freitag vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und dem Manstein-Verlag veranstaltet wurde, nahm sich eine prominent besetzte Diskussionsrunde dieses Themas an.

Für den Präsidenten der österreichischen Nationalbank, Claus Raidl, ist der Begriff nicht mehr als "eine Rechtfertigungsstrategie für Gebühren und Defizite", wie er sagte. "Public Value" sei ein Vokabel aus der Wirtschaftswissenschaft, der als Gegenbegriff zum Shareholder Value eingeführt worden sei.

Ursprünglich habe er Bereiche des öffentlichen Interesses umfasst, "zum Beispiel die Müllabfuhr", so Raidl. Medialen Public Value sieht er dann gegeben, wenn es dem Entsender gelingt, "in der Öffentlichkeit Probleme und Bewusstsein für andere Strömungen zu schaffen".

"Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker hält die Erforschung des Public Value überhaupt für "ein Paradebeispiel von Pseudowissenschaft", wie er sagte. "Man kann - ohne polemisch zu sein - sagen, dass der ORF weit davon entfernt ist, mit dem was er macht und Public Value nennt, 600 Mio. Euro Gebührengeld zu rechtfertigen."

Für den ORF selbst bedeutet Public Value nicht nur die Verantwortung, Menschen Informationen in die Hand zu geben, sondern auch die Aufgabe, eine breite Masse zu erreichen. "Es ist uns wichtig, ein Massenmedium zu sein", so ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher. Public Value und Quote sei dabei kein Widerspruch, sondern vielmehr Aufgabe des Senders.

Dem widersprach Martin Blank, Geschäftsführer von Servus TV, massiv. Public Value werde aus dem Grund mit staatlichen Beihilfen, sprich ORF-Gebühren, unterstützt, weil er privatwirtschaftlich nicht erwirtschaftbar sei. "Eine Verknüpfung von Public Value und Quoten darf man nicht als Selbstverständlichkeit akzeptieren", so Blank.

Post-Generaldirektor Georg Pölzl forderte mehr Verantwortung von den Medien ein, gerade in der Wirtschaftsberichterstattung. "Wenn man sehr harte Schnitte setzt, ist man sehr stark auf die Unterstützung von Journalisten angewiesen, die damit auch Meinung machen", sagte er im Hinblick auf die Berichte über Postamtsschließungen, oder aber auch den AUA-Kollektivvertrag.

Andreas Koller, stellvertretender Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten", hält "eine kritische Masse an Journalisten" für notwendig, "um gut recherchierten Journalismus erzeugen zu können". Blank wiederum hält den Zusammenhang zwischen der Größe einer Redaktion und deren Qualität für absurd, wie er sagte.
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