Prognose für das Lesen: Eindeutig positiv
 

Prognose für das Lesen: Eindeutig positiv

Die Kulturtechnik des Lesens wird überleben, Print ist aber von Online nicht mehr loszukoppeln.

Die gute Nachricht zuerst: Beim Arbeitskreis VI der Österreichischen Medientage zum Thema "Kein Ladenschluß für Print – Renaissance des Lesens" stellen alle am Podium vertretenen Medienmacher der Zukunft des Lesens eine eindeutig positive Prognose aus. Die schlechte Nachricht: Die Kulturtechnik Lesen ist, zumindest bezogen auf die Zeitung, laut österreichischer Mediaanalyse eindeutig rückläufig. Wie Diskussionsmoderator Dr. Franz-Ferdinand Wolf, Geschäftsführer des Tele-Kurier, in seiner Einleitung erklärte, ist die Zahl der Zeitungsleser in Österreich in den letzten zwei Jahren um 1 Prozentpunkte gesunken und liegt im 1. Halbjahr 2001 bei 75,1 Prozent. Bei den 14- bis 19-Jährigen ist der Wert mit 68,4 Prozent noch niedriger.



Eugen Russ, Geschäftsführer des Vorarlberger Medienhauses, sieht für die Zeitung dennoch eine "gute Ausgangslage" und setzt auf Innovation. Russ hat vor 12 Jahren damit begonnen, "die ganzen Vorarlberger Nachrichten (VN) zu einer jungen Zeitung" zu machen und die Jugend wesentlich in den Vordergrund zu stellen. Mit Erfolg: Die Reichweite der VN unter 14- bis 19-Jährigen hat sich von 56,4 Prozent im Jahr 1989 auf 84,2 Prozent im Jahr 2000 gesteigert. Außerdem setzt Russ auf zusätzliche Services. Mit 1036 hallo! ist das Vorarlberger Medienhaus zum nationalen Telefonanbieter geworden, was immerhin von 50 Prozent der VN-Abonnenten genutzt wird. Sein Ziel: "Das VN-Abonnement soll mehr Geld einbringen als man dafür ausgeben muss!"

Dr. Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der Styria Medien AG, hält die Vorschläge von Russ "für tragfähig und vorbildlich", warnt aber davor, Lesen mit Print gleichzusetzen. Die Zeitung ist für Pirker nicht mehr losgekoppelt von Online zu denken, wiewohl Pirker meint, dass "die These, dass Online der Mittelpunkt unseres Handelns wird, nicht zu halten ist." Eine Gefahr sieht Pirker in einer Spaltung in eine Informationselite und eine breite Unterhaltungsmasse. Pirker fürchtet, dass "Print bei den Gebildeten eine Renaissance erlebt, aber bei der Masse die Kulturtechnik Lesen verwahrlost." Eine der Herausforderungen der Zukunft wird laut Pirker darin liegen, im Verteilungskampf des Medienbudgets" bei den Konsumenten zu reüssieren.



In der "Rückeroberung der Inhalte" liegt laut Tagesspiegel-Geschäftsführer Dr. Joachim Meinhold für Printmedien die Chance, die Akzeptanz bei den Lesern zu bewahren und zurückzuerobern. "Schnelle Medien treiben den Qualitätszeitungen die Leser zu", meint Meinhold, der es mit seinem Tagesspiegel als eines der wenigen Blätter am Berliner Zeitungsmarkt geschafft hat, in den letzten Jahren an Reichweite zuzulegen. Von einer Verschleuderung der Hefte, um Reichweiten zu gewinnen, hält Meinhold nichts. "Information ist das Geld wert und muss verpreist werden. Verschenkte Exemplare haben den Niedergang des Marktes nicht aufgehalten", meint der Blattmacher. "Ohne Vertrieb wird es mit der Renaissance von Print sicher nichts", so Meinhold.



Als Podiumsvertreter aus der Tourismus-Branche richtet Österreich Werbung-Geschäftsführer Dr. Arthur Oberascher eine Aufforderung an die Blattmacher. Oberascher: "Wir wünschen uns Partner, die Spezialisten in integrierter Kommunikation sind."

(juju)

Die Horizont-Bildergalerie zu den Österreichischen Medientagen finden Sie auf www.onlinephoto.at, fotografiert von Peter Svec.

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