Professionelle Kommunikation und politische G...
 

Professionelle Kommunikation und politische Glaubwürdigkeit?

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Wir erleben immer mehr mediengecoachte Politiker – Experten gehen der Frage nach, ob das zum Erfolg notwendig ist

Am ersten Tag der Österreichischen Medientage gehen Peter Filzmayer vom Institut für Strategieanalyse, Andreas Koller (Salzburger Nachrichten), Peter Köppl (Mastermind Public Affairs Consulting) und Yussi Pick (Pick & Barth und Autor des Buches „Das Echo-Prinzip) der Frage nach, wann ein Politiker heutzutage noch authentisch ist und was das in Zeiten der Neuen Medien überhaupt bedeutet. Moderiert wird das Podium von PRVA-Präsidentin Ingrid Vogl.

"Jeder im TV ist inszeniert"

Kritiker sprechen von einer zunehmenden Inszenierung, die Inhalte blieben im Hintergrund. Gerade dieser aktuelle Wahlkampf kennzeichne sich durch sehr viele TV-Konfrontationen und fördere so eine Entpolitisierung. Filzmayer: „Teilweise ist das wirklich so. Man muss jedoch unterscheiden zwischen einer professionellen Vorbereitung, die noch Inhaltsbezug hat und einer reinen Inszenierung ohne Inhaltsbezug, da kann die Wirkung ganz anders sein als es die Politiker es glauben.“ Koller wirft ein, dass nunmal alles und jeder – gerade im TV – inszeniert ist, auch die Journalisten und Moderatoren. „Das Problem ist, dass in diesem Wettlauf, die Politiker eindeutig die besseren Karten haben, da sie besser ausgerüstet sind als wir Journalisten, denn sie können wochenlang trainieren“, so Koller. Somit hätten sie ein Know-how, dass die wenigsten Journalisten haben – dadurch werde der Blick hinter die Kulissen erschwert. Koller ergänzt: „Hier liegt dann das Problem, wenn Journalisten Haltungsnoten an Politiker vergeben. Wir müssten also ein Model entwickeln, das auch den Journalisten trainiert.  

Demokratie und Inszenierung

Demokratie und Inszenierung seien schon immer Hand in Hand gegangen, heute hätten wir lediglich andere Mittel, ist sich Köppl sicher. „Wir nähern uns immer mehr einem Politainment und Politiker müssen sich unserer Medienlogik unterordnen, denn wie spannend wäre es, die Spitzenkandidaten völlig untrainiert zu erleben?“, so Köppl. Das würde nämlich nicht in unsere Art der Medienrezension passen. Bei Online-Kanälen ist dies – nach Pick – etwas anders. „Gerade in Online Kanälen wird ja immer gepriesen, dass Authentizität das Allheilmittel sei, aber das ist es natürlich nicht“, so Pick. Gerade bei untrainierten Politikern wie Frank Stronach merke man das. „Er hat sich zu Beginn des Wahlkampfes vermutlich relativ wenig trainieren lassen, später merkte man schon einen Unterschied.“ Bei Online-Auftritten könne man aber nicht von einer Inszenierung der Politker sprechen, eher davon, dass die gezielt geschult werden, so Pick weiter.

Was Filzmaier etwas betroffen mache,sei der Trend der Politiker, lieber zum Publikum als zum direkten Gesprächspartner zu sprechen. „Politiker sind schon so trainiert und gezwungen, sich immer ans Publikum zu wenden, weil das sind die Wählerstimmen, das ist die Mehrheit. Diese Dauerbeobachtung, dieser dauernde Öffentlichkeitsdruck, der prägt die Politiker.“Wo sich das Podium einig war: Man darf ein Maximalausmaß von Inszenierung nicht überschreiten und ein Minimalausmaß von Inhalt nicht unterschreiten. „Alles andere wäre von uns gelogen, sonst könnte man die Wahlprogramme ja einfach allen Österreichern zusenden und Experten ein erklärendes Begleitbuch schreiben lassen. Das tun wir aber nicht, weil wir die Inszenierung ja auch wollen, dass es Ausreißer gibt ist jedoch unbestritten“, so Filzmayer.

Sei, wie du bist

Was das Verhalten der Politiker zusätzlich beeinflusse, sei das dritte Publikum, das sich etabliert hat. Wir sprechen von Twitter als Echtzeit-Kommentartool. „Natürlich verändert dies das Verhalten der Politiker, es handelt sich um einen Diskurs, der früher noch am Küchentisch stattgefunden hat und zu einem öffentlichen wurde“, so Pick. Ingrid Vogl fragt Yussi Pick, was er denn einem Politiker raten würde. „So sein, wie man ist.“
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