Pro und Contra: Virtual Reality – gekommen, u...
 

Pro und Contra: Virtual Reality – gekommen, um zu bleiben? #1

Elena Kibrik

Vom Eintauchen in virtuelle Realitäten - Kommentar von Thomas Seifert, Chefredakteur-Stellvertreter bei der "Wiener Zeitung" und Leiter EU bei der "Welt".

Schon wieder etwas über Flüchtlinge. Das Thema: ein Ausschaltimpuls, eine Einladung zum Überblättern, zum weiterzahlen. Wissen wir schon, haben wir schon zigmal gelesen, kennen wir. Dankeschön. Es reicht.

Das Dumme ist nur: Das Thema verlangt nicht weniger Aufmerksamkeit, sondern mehr. Es reicht eben nicht.

Darum haben wir dieses Thema für die erste 360°-Videostory der „Wiener Zeitung“ gewählt. Mit der neuen Technologie 360°-Video lässt sich ein neuer Erzählstil kreieren, eine bestimmte Erzähltemperatur einstellen und ganz unaufgeregt kann das Thema an das Publikum herangetragen werden. Es gibt keine Stakkato-Schnittfolgen, keine rasanten Kamerafahrten und hektischen Zooms oder Schwenks und es liegt auch keine Klangtapete schwer und bombastisch über der Szenerie. Es ist das ruhige Erzählen, es ist das Sich-Zeit-Lassen und Subtilitäten-Für-Sich-Sprechen-Lassen, was den Reiz des neuen Mediums ausmacht. 

Ein Team der Wiener Zeitung und der VR-Spezialisten von VRisch.com haben für unser VR-Projekt „360° eXodus“ tagelang im Libanon und Wien gedreht, in der Postproduktion wurden die Bilder mehrerer synchron laufender Kameras von den Spezialisten von Vrisch.com zu einem 360°-Rundumvideo zusammengefügt, es wurden mehrere Story-Konzepte entwickelt und auch wieder verworfen, Off- und Synchronstimmen eingespielt und ein Intro- und Outro-Instrumentalstück in die Tonspur eingemischt.

Die Technologie entwickelt sich rasant. Die New York Times hat kürzlich damit begonnen, täglich eine VR-Story zu produzieren. Im journalistischen Bereich eignet sich 360°-Video besonders für Reportagen und für optisch opulente und spektakuläre Szenerien und Raumerfahrungen und dort, wo es darum geht, Nähe herzustellen.

Der Reiz unseres Projekts lag nicht zuletzt in der Zusammenarbeit mit der Caritas, die das Material im Rahmen der Jugendarbeit der Young Caritas einsetzen will. Besonders eine jüngere, technologie-affine Zielgruppe steht 360°-Videos aufgeschlossen gegenüber – das Publikum bleibt länger dran und taucht tiefer in die Materie ein, als das bei herkömmlichem Video-Material der Fall wäre.

Fazit: Virtual Reality ist sicherlich gekommen, um zu bleiben.

Am 2. Jänner lesen Sie die Gegenposition von Alessandro Reitano, Vice President Sports Production bei Sky Deutschland.

[Thomas Seifert]
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