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Privatsender orten „Disbalance“ am heimischen Fernsehmarkt

Rundfunk-Plattform offenbarte bekannte Meinungsverschiedenheiten zwischen Privaten und ORF. Kopf weiter gegen Gebührenrefundierung, Private setzen auf Schulterschluss gegen Google

Gebührenrefundierung auf der einen, Werbebeschränkungen auf der anderen Seite: Diskutiert die heimische Fernsehbranche mögliche Anpassungen für eine „neue Rundfunkwelt“, beschränkt man sich hauptsächlich auf bekannte Töne. So auch bei der vom Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) organisierten Rundfunk-Plattform, bei der sich am Mittwoch Privatsendervertreter und ORF am Podium gegenüberstanden. VÖP-Vorsitzender Klaus Schweighofer ortete jedenfalls eine „Disbalance“ des Marktes aus der Sicht der Privaten.


Breitenecker fordert Waffengleichheit


Womit die üblichen Vorwürfe nicht lange auf sich warten ließen. Als „Exzess“ bezeichnete etwa Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker das Vorgehen des ORF beim Rechtekauf kommerziell erfolgreicher Formate. Das gelte es „auf ein Normalmaß zurückzuführen“. Davon abgesehen erhoffe er sich mittel- bis langfristig eine „saubere Trennung“ der Finanzierung, sprich: Werbegelder nur für Private, dafür volle Gebührenentgelte für den ORF. Eine „Waffengleichheit“ sei dann erreicht, „wenn sowohl Private wie der ORF je ihrer Funktionen und Aufgaben entsprechend ausgestattet sind“.


„Mehr wird es nicht geben“


Einer möglichen Fortsetzung der Gebührenrefundierung erteilte unterdessen ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf eine Abfuhr. „Dagegen werde ich mich mit Händen und Füßen wehren.“ Die „Erpressung“ des öffentlich-rechtlichen Senders mit dem Verweis auf die Förderung der heimischen Filmwirtschaft sei nicht länger durchzuhalten. „Auf dem Ohr höre ich nichts“, so Kopf. Stattdessen müsse sich der ORF den neuen Gegebenheiten anpassen, was auch Sparmaßnahmen beinhalte. „Der ORF muss und kann mit diesem Geld auskommen, auch wenn es eine Herausforderung ist. Aber mehr wird es nicht geben.“

Politik ist am Zug



Naturgemäß nichts Positives konnte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz der Idee einer weiteren Reduzierung der Werbemöglichkeiten seines Senders abgewinnen. Das würde auch nicht den heimischen Privaten, „sondern großen deutschen Medienunternehmen2 in die Hände spielen. Diese identifizierte er auch als maßgebliche Konkurrenz und verantwortlich für die Disparität am Rundfunkmarkt. Die Politik sieht er gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, „wenn sie einen starken, öffentlich-rechtlichen Rundfunk will“.

Ist Google der Gegner?


Unterstützung kaum von SPÖ-Klubobmann Josef Cap, der die Bedeutung des ORF für die österreichische Identität hervorhob. Erfreut war Cap angesichts des „offenen und transparenten Lobbyings im familiären Rahmen“ und zeigte sich überzeugt davon, dass sich letztlich eine gemeinsame Linie finden werde. Einstimmigkeit herrschte schlussendlich bei einem anderen Thema: Denn nicht die deutschen Sender, sondern Google & Co seien der wahre Gegner. Man müsse sich hier „grenzüberschreitend mit öffentlich-rechtlichen wie privaten Sender zusammenschließen“, um sich mit dem US-Konzern an einen Tisch zu setzen, so Cap.

Orientierung an gesetzlichen Vorgaben


Auch Breitenecker wünschte sich einen „nationalen Schulterschluss“, der aus seiner Sicht bereits „Common Sense“ sei. „Aber ein Vorgehen ist nur sinnvoll, wenn das duale Rundfunksystem so stark ist, dass beide Säulen bestehen können.“ Das bedeute keine Beschädigung des ORF, wie Breitenecker und Schweighofer gleichermaßen betonten, sondern eine sich an den gesetzlichen Vorgaben orientierende Aufstellung des gesamten Marktes.


(APA)
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