Privatradios überlegen ORF-Beschwerde
 

Privatradios überlegen ORF-Beschwerde

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Kronehit-Chef Swoboda: "Glaube nicht, dass ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt" - VÖP-Geschäftsführerin Drumm: "Prüfen" Beschwerde bei Medienbehörde

Die Privatsender nehmen sich nun auch das ORF-Radioprogramm vor. Nach dem Entscheid der KommAustria, wonach das ORF-Fernsehen nicht ausgewogen sei, könnte bald der nächste Schritt folgen, wie Kronehit-Chef Ernst Swoboda zu HORIZONT online sagte. "Nach den jüngsten Plänen von ORF-Direktor Karl Amon denke ich, es ist Zeit für eine Radio-Programmbeschwerde bei der KommAustria", so Swoboda. "Ich glaube nämlich nicht, dass der ORF mit seinem Radioangebot in Summe den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt, insbesondere nach der Entscheidung zur TV-Programmbeschwerde - aber ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren. Es ist ja nichts Böses, wenn sich die Medienbehörde das einmal in Ruhe anschaut." Amon hatte in der Vorwoche unter anderem davon gesprochen, der ORF wolle im Radiobereich "Strategien zur Verjüngung und zum Community-Building weiterverfolgen und weiterentwickeln".

Verband prüft

Beim Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) bestätigte man auf Anfrage die Überlegungen. Verbandsgeschäftsführerin Corinna Drumm sagte zu HORIZONT online, man "prüfe" eine etwaige Beschwerde bei der Medienbehörde KommAustria und sammle bereits Daten dafür. Sie verwies auf das Verfahren vor der KommAustria, das den Privaten im Vorjahr dahingehend recht gegeben hatte, dass das ORF-Fernsehprogramm nicht ausgewogen genug sei. "Den gleichen Vorwurf machen wir gegenüber Ö3", so Drumm. "Das wäre ein perfekt positionierter Privatsender, der wenige Inhalte hat, die dem öffentlich-rechtlichen Anspruch genügen." Sie verwies auf die gesetzlichen Regelungen: "Wir glauben, dass er ORF einen klaren öffentlich-rechtlichen Auftrag hat. Und der heißt nicht, uns mit einem kommerziell programmierten Sender Konkurrenz zu machen."

Entsprechende Pläne der Privatsender kursierten bereits zum Jahreswechsel, als der "Standard" darüber berichtete. Die Vorgeschichte: Im Oktober hatte die Medienbehörde überraschend den Privatsendern bei deren Beschwerde recht gegeben und festgestellt, dass das ORF-Programm nicht ausgewogen sei. Beide Parteien riefen daraufhin als nächste Instanz den Bundeskommunikationssenat (BKS) an, der seine Entscheidung bis dato noch nicht getroffen hat.
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