Printgipfel '09: 'Das wird ein harter Ritt'
 

Printgipfel '09: 'Das wird ein harter Ritt'

Zeitungspanel im Zeichen der Kooperationen: Wirtschafts- und Strukturkrise, hohe Logistik- und Personalkosten zwingen zum Umdenken.

Dort, wo es Sinn macht, heißt es jetzt kooperieren - darüber war sich die versammelte Verlegerrunde auf dem Podium des Printgipfels einig. Denn Struktur- und Wirtschaftskrise, hohe Druck- und Vertriebskosten ebenso wie hohe Personalkosten in den Redaktionen und Druckereien machen den Verlegern das Leben schwer.

"In Zeiten sinkender Erlöse ist auch das Bündeln redaktioneller Kräfte einer der wichtigsten Schritte", meint etwa Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Berliner Zeitung. Dem kann Hermann Petz, CEO der Moser Holding (MoHo), nur zustimmen. Gleichzeitig müssten die Regionalmedien von Styria Media Group und MoHo, auch nach der geplanten Fusion "regionalen und lokalen Mehrwert" bieten. Petz führte schließlich einige Überlebensstrategien für Print am Beispiel Regionalmedien ins Treffen: Eine "Zweikanal"-Strategie (Print und Online) müsse selbstverständlich gefahren werden, Konvergenzen gelte es zu nützen und Kostenoptimierungen zu forcieren. Letztere habe die Tiroler Tageszeitung heuer bereits "hinter sich gebracht" und 10 Millionen Euro eingespart. Außerdem seien dringend neue Bezahlmodelle für Journalisten notwendig, sagt Petz, der betont, dass die geplante Fusion von Styria und Moser Holding weniger von Synergie-Effekten im redaktionellen Bereich, als viel mehr von Optimierungsinteressen im Bereich Druck und Vertrieb getrieben sei.

Da das Angebot von "Heute" in den Bereich "Entertainment" führe - Herausgeberin Eva Dichand bezeichnet das Blatt auch als "Reichweiten-Jumbo", der von Handelswerbung lebe - seien "nicht so teure Journalisten nötig" wie bei Qualitätszeitungen. Ebenso wenig müsse sie sich in Zeiten wie diesen über hohe Vertriebskosten den Kopf zerbrechen. Der große Vorteil der Gratiszeitungen sei es, dass diese "erst in den vergangenen zehn Jahren groß geworden sind und aus den Fehlern der anderen gelernt haben", hält Dichand weiter fest. Am meisten liegen ihr jedoch die Gehälter der Drucker im Magen. Dichand spricht von "jährlichen Durchschnittsgehältern in der Höhe von 100.000 Euro" - ein Kostenblock, der bei weitem über den Personalkosten für Journalisten liege und höher sei, als man bei Journalistengehältern "je einsparen könnte", so Dichand.

"Das veränderte Medienkonsumverhalten kann man nicht aufhalten", gibt sich indes Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger einsichtig. Qualität koste eben Geld und "wir müssen uns Geschäftsmodelle überlegen, um den Kunden auch weiterhin das beste Angebot bieten zu können." Zum Thema kostenpflichtige Nachrichteninhalte sagt Kralinger: "Wenn wir online jemals Paid-Content machen wollen, dann müssen wir auch im Web Qualität bieten!" Zunächst müsse der "Konvergenzgedanke" in die Redaktionen gebracht werden, dann habe Qualitätsjournalismus auch weiterhin Zukunft, glaubt er. Vorkötter ergänzt: "Die Kostenlos-Kultur im Web haben wir Verleger selbst geschaffen. Wir müssen uns überlegen, wieviel die Kunden bereit sind, für unsere journalistischen Leistungen zu bezahlen." Für ein erfolgreiches Paid-Content-Modell brauche es eine "konzentrierte Aktion der Verlage", die er "einfach nicht sehe".

Die Verlage müssen umdenken, meint wiederum Marianne Dölz, Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt. "Werbekunden wollen keine Anzeigen kaufen, sondern Erlöse erzielen." Die Verlage sähen sich aber immer noch zuwenig als "Problemlöser" für ihr Werbeklientel. Aufgrund des zunehmenden Drucks seitens der Kunden - Stichwort Rabatt- und Zugabenpolitik - sieht Dölz "keine Entspannung" für die Verlage, die vordergründig als "Lieferanten" und weniger als "Partner" gesehen würden. Dölz: "Wir müssen in Qualität und Individualisierung investieren - das wird ein harter Ritt."
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