Presserats-Rüge: "Krone" schürt Ressentiment
 

Presserats-Rüge: "Krone" schürt Ressentiment

Artikel über Flüchtlinge hat gegen den Ehrenkodex der heimischen Presse verstoßen

Die "Kronen Zeitung" hat mit einem Artikel über Flüchtlinge gegen den Ehrenkodex der heimischen Presse verstoßen. Mit dem am 4. September erschienen Text "Rauswurf wegen Flüchtlingen" seien Ressentiments geschürt worden, wie der Presserat am Freitag mitteilte. Konkret wurden Gewissenhaftigkeit und Korrektheit in der Recherche vermisst und eine Pauschalverunglimpfung beanstandet.

Im Artikel wurde darüber berichtet, dass der Mietvertrag einer 72-jährigen Mindestrentnerin in Salzburg-Aigen gekündigt beziehungsweise nicht verlängert worden sei, da die Wohnung für Flüchtlinge benötigt würde. Obwohl am Ende des Textes erwähnt wird, dass sie in der Wohnung bleiben könne, erwecke der Großteil des Artikels den Eindruck, dass das Gegenteil der Fall sei. Zudem sei einerseits von einer Kündigung, andererseits von einer Nichtverlängerung des Mietvertrags die Rede, wie auch die Bezeichnungen Flüchtlinge und Asylwerber vermischt worden seien.

Aus Sicht des Presserates erweckt der Artikel bei den Lesern "Ressentiments gegenüber Flüchtlingen, indem ein angeblicher 'Rauswurf' einer Mindestrentnerin aus ihrer Wohnung wegen eines Bedarfs für Flüchtlinge geschildert wird und eine angebliche Geschäftemacherei mit der Unterbringung von Asylwerbern in derartigen Wohnungen in den Bericht eingewoben wird". Darin erkennt der Presserat einen Verstoß gegen den Schutz vor Pauschalverunglimpfung.

Im vorliegenden Fall wurde das Verfahren des Presserats aufgrund von mehreren Lesermitteilungen eingeleitet. Von der Möglichkeit, daran teilzunehmen bzw. eine Stellungnahme abzugeben, hat die Medieninhaberin der "Kronen Zeitung" nicht Gebrauch gemacht. Die "Krone" hat sich bis dato nicht der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserates unterworfen. Im Gegenteil: das Blatt übte in der Vergangenheit immer wieder heftige Kritik am Vorgehen des Selbstkontrollorgans der heimischen Presse.

So bezeichnete erst vor kurzem Hans Peter Hasenöhrl, Chefredakteur der "Salzburg-Krone", den Presserat in einer Antwort auf einen Leserbrief als "unnötig". Dieser bestehe aus "frustrierten früheren Journalisten" und besitze "überhaupt keine Macht". "Seine falschen Urteile, gegen die es wie in Diktaturen keine Berufung gibt, werden vornehmlich in den Konkurrenz-Blättern abgedruckt, um sozusagen die 'Unseriösität' der 'Krone' hervorzuheben." Hasenöhrls Empfehlung an den Leser: "Machen Sie es wie wir und beachten Sie diesen Presserat nicht. Gelegentlich schreibe ich ihm eine Rüge und erhalte eine unverständliche Antwort."
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