Presserat vorerst für tot erklärt
 

Presserat vorerst für tot erklärt

VÖZ und Journalistengewerkschaft konnten sich bezüglich der Reform der Selbstkontrolle nicht einigen.

Der Österreichische Presserat hört in seiner derzeitigen Form zu existieren auf. Der Verband Österreichischer Zeitungen und die Journalistengewerkschaft, die gemeinsam mit dem Presseclub Concordia und dem Zeitschriftenverband die Trägerverbände des Presserats stellen, sind bezüglich der Zukunft des Organs zur Selbstkontrolle der Journalisten zu keiner Einigung gekommen. Damit wird die vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am 27. Dezember 2001 erfolgte Aufkündigung des Presserats mit 30. Juni 2002 rechtswirksam.
Der VÖZ wollte den Presserat reformieren, da er die Situation, dass „Vertreter von Verbänden über journalistische Arbeit und journalistisches Verhalten urteilen", für unbefriedigend hält. Der VÖZ schlug vor, dass künftig jede Zeitung mit zwei Stimmen (einem Verlegervertreter und einem von der Redaktion gewählten Vertreter) in einem neu zu gründenden Verein Österreichischer Presserat vertreten sein sollte. Die bisherigen Trägerverbände sollten ein Drittel aller Sitze in der Generalversammlung einnehmen.
Die Journalistengewerkschaft hat diesen Vorschlag nicht akzeptiert. „Der gewerkschaftliche Alleinvertretungsanspruch für journalistische Vertreter bringt die Presseratsreform zum Scheitern", heißt es seitens des VÖZ. „Uns stört, dass das ein Versuch der Verleger ist, die Gewerkschaft hinauszudrängen", argumentiert Franz C. Bauer, Chef der Journalistengewerkschaft. Vor allem verstehe er nicht, dass sich die Verleger hier „so einmischen", da der Presserat ein Selbstkontrollorgan der Journalisten sei. Die Verleger hätten sich „selbst demaskiert“, da gleichzeitig bei der letzten Tarifrunde das Verhandlungskomittee der Unternehmer gefordert hätte, dass Verschlechterungen bei den Tarifen künftig auf Betriebsebene oder mit den betreffenden Journalisten verhandelt werden könnten. Beides ist für Bauer inakzeptabel.
Die Gewerkschaft will den Presserat am Leben erhalten und „alles tun um das zu gewährleisten". Der VÖZ will vorerst von der Gründung eines Presserats im Alleingang absehen, „um die Türen für ernsthafte Bemühungen um eine Reform des Presserats nicht zuzuschlagen.“

(juju)

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