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Presserat verzeichnet Anstieg medienethischer Verstöße

"Kronen Zeitung", "Österreich" und "Kleine Zeitung" führen die Statistik an

In einer Pressekonferenz am Freitagvormittag veröffentlichte der Österreichische Presserat Zahlen zu den medienethischen Verstößen in österreichischen Printmedien im Jahr 2012. Gegenüber dem Jahr 2011 wurde ein starker Anstieg von 80 auf 145 beanstandete Fälle festgestellt. 2011 wurden davon 9 Fälle vom Presserat als tatsächliche medienethische Verstöße geahndet, 2012 waren es 11. Aufgeschlüsselt nach Tageszeitungen heißt das:

"Kronen Zeitung" 16 Fälle (4 vom Presserat geahndete Verstöße)
"Österreich" 15 (2)
"Kleine Zeitung" 15 (0)
"Heute" 12 (2),
"Der Standard" 11 (1)
"Kurier" 7 (0)
"Die Presse" 5 (0)
"Salzburger Nachrichten" 5 (0)
"Tiroler Tageszeitung" 4 (0)
"Zur Zeit" 2 (1)

Alexander Warzilek vom Presserat bezeichnete die Zahlen als "deutliche Steigerung gegenüber 2011", sagt aber auch, dass man dies nicht als rasanten Verfall der Branche werten sollte. Denn 2012 sei der Presserat einfach sichtbarer geworden. Auch Oscar Bronner, der neue Präsident des Presserates, meinte: "Der Presserat ist bei den Leserinnen und Lesern bekannter geworden und wird von ihnen stärker genützt. Von den 145 Fällen des Jahres 2012 gingen 138 auf Eingaben von außen zurück." Was Warzilek aber auch bestätigte: Im Vergleich zum Ausland, vor allem Deutschland, ist die Zahl der Fälle doch signifikant hoch.

Änderungen im Ehrenkodex


Besonders Aufsehen erregende Fälle 2012 waren etwa ein Live-Ticker des Online-News-Portals oe24.at vom Begräbnis eines ermordeten Jungen, die Verwendung des Begriffs "Neger" für straffällig gewordene schwarze Asylwerber oder die Forderung in einer Kolumne, den Chefredakteur des "Kurier" durch einen "Hegeabschuss" abzusetzen.

Die Senatsvorsitzenden Andrea Komar und Peter Jenn orten verschiedene Problemfelder, darunter von Medien eingerichtete Diskussionsforen zu Suiziden, in denen es teilweise sehr heftig hergehe. Auch kämen Verstöße gegen Persönlichkeitsrechte und die Intimsphäre, auch bei Verstorbenen, öfter vor - genauso wie die unzureichende Kennzeichnung von durch Dritte bezahlte Artikel.

Der Presserat wies zudem auf zwei Änderungen im Ehrenkodex hin, die einerseits die Zurückhaltung bei der Berichterstattung über Suizide fordern und andererseits bei der Finanzberichterstattung verdeckte Recherchemethoden sind "in Einzelfällen gestattet, wenn es um besonders große öffentliche Interessen geht.

Der Tätigkeitsbericht des Presserates findet sich zudem ab sofort online (PDF).
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