Presserat verurteilt Suizid-Bericht in "News"
 

Presserat verurteilt Suizid-Bericht in "News"

Österreichischer Presserat

Der Presserat hat einen Bericht über den Selbstmord eines elfjährigen Asylwerbers gerügt. Das Magazin habe nicht die Zurückhaltung in der Suizidberichterstattung geübt, wie sie im Ehrenkodex vorgeschrieben ist.

Durch die sehr genaue Beschreibung sei auch der Persönlichkeitsschutz verletzt worden, befand der Senat 1 laut Aussendung vom Montag. Mehrere Leser hatten sich wegen des Artikels "Warum wollte Wais, 11, sterben?", erschienen im November 2017, an den Presserat gewendet. "News" berichtete darin, wie sich ein elfjähriger Asylwerber in einer Flüchtlingsunterkunft in Baden das Leben genommen hatte. "In der Einleitung wird detailreich geschildert, wie der Verstorbene von seinen Geschwistern aufgefunden worden sei. Es wird unter anderem die genaue Suizidmethode sowie der Zustand der Leiche nach deren Auffinden beschrieben", fasst der Presserat den Sachverhalt zusammen.




Punkt 12 im Ehrenkodex gebietet "Berichterstattung über Suizide im Allgemeinen große Zurückhaltung", wird betont. "Die genaue Beschreibung des Suizidablaufs und des Zustands der Leiche könnten suizidgefährdete Personen zum Anlass nehmen, auf eine ähnliche Art und Weise Suizid zu begehen". Die Autoren des Beitrags hätten die "Gefahr der Nachahmung nicht ausreichend berücksichtigt". Auch "News"-Chefredakteurin Ester Mitterstieler habe in ihrer Stellungnahme im Presserat-Verfahren eingeräumt, dass der Bericht potenziell suizidgefährdete Personen zu Ähnlichem animieren könnte.




Der Senat wies auch darauf hin, "dass bei der vorliegenden Titelgeschichte die redaktionsinternen Kontrollmechanismen versagten". Im Gegenzug fand er auch Positives: In der "News"-Redaktion seien "Gespräche geführt und redaktionsinterne Maßnahmen gesetzt" worden, um die Veröffentlichung von Passagen mit genauer Suizid-Schilderung künftig zu verhindern. Und schließlich begrüßte es der Senat, dass in der Folgeausgabe des Magazins ein Essay einer Gastautorin zum Thema "sensible Medienberichterstattung über Suizide" veröffentlicht wurde.




Die Verlagsgruppe News wurde aufgefordert, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. "News" erkennt die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats an.
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