Presserat verurteilt OÖN für Scheidungs-Beric...
 

Presserat verurteilt OÖN für Scheidungs-Berichterstattung

Österreichischer Presserat

Die Zeitung berichtete über Details des Scheidungsverfahrens und ließ damit das öffentliche Interesse hinter sich.

Der Senat 3 des Presserats gab einer Beschwerde einer Betroffenen zu dem Artikel „Marchtrenker feiert Ende seiner Ehe mit Scheidungsparty für 350 Gäste“, erschienen in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ vom 29.09.2017, sowie dessen Onlineversion statt.

Im Artikel wird über eine vom Ex-Mann der Beschwerdeführerin geplante „Scheidungsparty“ berichtet. Dabei habe es Trennungszeugen und eine „Scheidungsurkunde“ gegeben. Zur Feier seien 350 Leute eingeladen gewesen und das Event sei tagelang Gesprächsthema im Ort gewesen. Der Ex-Mann kommt im Artikel an mehreren Stellen zu Wort. In seinen Zitaten geht er unter anderem auf die Schuldfrage und die Anwaltskosten ein.

Der Senat hielt fest, dass es sich bei einer Feier anlässlich einer Scheidung mit 350 Gästen in einer Kleinstadt um ein ungewöhnliches Ereignis handelt. Ein neutraler Bericht im Lokalteil einer Tageszeitung ist daher aus medienethischer Sicht unbedenklich. Im Artikel wurde dem Ex-Mann der Beschwerdeführerin als Veranstalter der „Scheidungsparty“ jedoch breiter Raum gegeben, seine Sicht der Dinge zu schildern. Er wurde mit einigen Aussagen zur Ehe und zur Scheidung zitiert, die mit der Scheidungsparty selbst nichts zu tun haben und daher auch vom öffentlichen Interesse an der Berichterstattung über die Feier nicht erfasst sind.

Die Beschwerdeführerin wird im Artikel zwar nicht namentlich genannt. Da ihr Ex-Mann darin jedoch mit Bild und Namen vorkommt und die „Scheidungsparty“ in Marchtrenk für entsprechendes Aufsehen gesorgt hat, war sie für viele Leser aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bzw. aus der Region trotzdem klar zu erkennen. Der Senat stellte fest, dass der vorliegende Artikel gegen die Punkte 5 (Persönlichkeitsschutz) und 6 (Intimsphäre) des Ehrenkodex verstößt. Die Medieninhaberin der OÖN wurde dazu verpflichtet, die Entscheidung zu veröffentlichen.

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