Presserat: Verfahren gegen "Heute"
 

Presserat: Verfahren gegen "Heute"

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Grund: Verunglimpfung und Diskriminierung von Muslimen

Der Senat 2 des Presserats hat in seiner Sitzung am Montag ein "selbstständiges Verfahren" gegen die Tageszeitung "Heute" eingeleitet. Anlass war ein Artikel vom 7. Dezember über einen Mordfall in Klagenfurt. Darin wurde der mutmaßliche Täter jener Sorte Mann zugerechnet, "die zum Glück eher hinterm Halbmond lebt. In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf. Partnerinnen betrachten sie als Besitz. Macht sich der selbständig, sind sie im Stolz verletzt und drehen durch."

Laut einer Aussendung werde der Senat in seiner Sitzung am 15. Jänner 2013 überprüfen, ob diese Passage Muslime verunglimpft und diskriminierend ist. "Heute" habe nun die Möglichkeit, innerhalb von zwei Wochen Stellung zu nehmen. Der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats habe sich "Heute" bisher nicht unterworfen, hieß es.

In dem Verfahren werde auch die Entschuldigung des "Heute"-Chefredakteurs Christian Nusser bewertet. Dieser entschuldigte sich im Rahmen einer Aussendung und erklärte: "Wir haben in der Vergangenheit gegen jede Form des Rassismus angekämpft und werden das auch in Zukunft tun." In der Printausgabe fiel die Entschuldigung laut dem Senat weniger deutlich aus - dort wurde in erster Linie auf das Engagement von "Heute" im Integrationsbereich hingewiesen.

Insgesamt wandten sich 66 Leser an den Presserat. Das ist die bisher größte Anzahl von Mitteilungen zu einem Medienbericht. Seit seiner Wiedergründung vor zwei Jahren hat der Presserat insgesamt 222 Fälle behandelt.
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