Presserat rügt "Heute" wegen Foto von ermorde...
 

Presserat rügt "Heute" wegen Foto von ermordeter Israelin

Heute
Der Österreichische Presserat hat die Gratiszeitung "Heute" wegen der Veröffentlichung des Fotos einer ermordeten Jugendlichen bei der Gay-Parade in Jerusalem gerügt
Der Österreichische Presserat hat die Gratiszeitung "Heute" wegen der Veröffentlichung des Fotos einer ermordeten Jugendlichen bei der Gay-Parade in Jerusalem gerügt

Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz und die Intimsphäre des Opfers, das an den Folgen der Attacke starb

Der Österreichische Presserat hat die Gratiszeitung "Heute" wegen der Veröffentlichung des Fotos einer ermordeten Jugendlichen bei der Gay-Parade in Jerusalem gerügt. Auf dem Bild, das Anfang August in "Heute" veröffentlicht wurde, war zu sehen, wie ein jüdischer Extremist einer 16-jährigen Schülerin ein Messer in den Rücken sticht.

Der Presserat sah darin einen Verstoß gegen den Persönlichkeitsschutz und die Intimsphäre des Opfers, das an den Folgen der Attacke starb. "Heute"-Chefredakteur Christian Nusser hielt laut Presserat in einer Stellungnahme fest, dass das Bild, das den Messerstich zeigt, weltweit in allen relevanten Medien in Print, TV und Online veröffentlicht worden sei. Nusser verglich das Foto mit den Aufnahmen eines erschossenen Polizisten rund um den Terroranschlag auf das Satiremagazins "Charlie Hebdo". Der Presserat sah im Abdruck dieses Bildes auf der Titelseite des Nachrichtenmagazins "profil" wegen des öffentlichen Interesses keinen Verstoß.

Dem "Heute"-Chefredakteur sei zwar darin zuzustimmen, dass grundsätzlich ein öffentliches Interesse an Berichten über eine Messerattacke durch einen jüdischen Extremisten besteht, so der Presserat. Beim vorliegenden Bild gehe man jedoch davon aus, dass die Persönlichkeitsinteressen der verstorbenen Schülerin gegenüber dem Informationsinteresse der Allgemeinheit überwiegen. Zudem betonte das Selbstkontrollorgan, dass es sich bei dem Opfer der Straftat um eine Jugendliche handelt. Der Ehrenkodex für die österreichische Presse schreibe vor, dass vor der Veröffentlichung von Bildern und Berichten über Jugendliche, die Frage eines öffentlichen Interesses daran besonders kritisch zu prüfen ist.

Der Presserat bewertete die Veröffentlichung deshalb als Eingriff in die Menschenwürde und die Intimsphäre. Dieses Ergebnis stehe auch im Einklang mit der Bewertung der Veröffentlichung des Bildes des toten Polizisten beim "Charlie Hebdo"-Angriff. In diesem Fall habe der Presserat betont, dass die Veröffentlichung des Bildes wegen der außergewöhnlichen Dimension des Terrorakts ausnahmsweise gerechtfertigt erscheint. Die Terrorattacke in Paris erreichte ein anderes Ausmaß als die Attacke des jüdischen Extremisten. Hinzu kommt, dass das Opfer kein erwachsener Polizist ist, sondern eine 16-jährige Privatperson.
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