Presserat: ‚Österreich‘ verstößt gegen Presse...
 

Presserat: ‚Österreich‘ verstößt gegen Presse-Ehrenkodex

Persönlichkeitsschutz verletzt

Ein dem Artikel "Polizei warnt vor brutalen 'Bettlern'" beigefügtes Bild, das einen bettelnden Mann zeigt, verstößt laut Senat 1 des Presserats gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse. Erschienen ist das Bild in der Steiermark-Ausgabe der Zeitung "Österreich" vom 12. November 2014.

In dem Artikel wird berichtet, dass ein Mann von zwei Unbekannten, die vor seiner Türe gestanden seien, niedergeschlagen worden sei, da er ihnen kein Geld geben wollte. Er habe sie als zwei Bettler wiedererkannt, denen er an zwei Tagen zuvor Geld gegeben hatte. Laut Bericht warne die Polizei vor Tätern, die sich als Bettler ausgeben und alleinstehende und meist ältere Personen ausrauben. Dem Artikel ist ein Bild beigegeben, das einen Mann zeigt, der neben einer Tür sitzt und bettelt. Das Gesicht des Mannes ist nicht verpixelt. Neben dem Bild steht der Satz "Täter kundschaften ihre Opfer aus". Ein Leser wandte sich an den Presserat und kritisierte, dass es sich hier seiner Ansicht nach um ein "Symbolbild" handle; einen täterrelevanten Zusammenhang zu der Geschichte gebe es nicht.

Nach Auffassung des Senats wurde durch die Bildveröffentlichung der Persönlichkeitsschutz des abgebildeten Mannes verletzt (Punkt 5 des Ehrenkodex). Der Abgebildete hat offenbar mit dem im Artikel beschriebenen Kriminalfall nichts zu tun. Dennoch wird er mit einer Attacke von Bettlern auf einen Mann und mit einer Warnung vor Tätern, die sich als Bettler tarnen, in Zusammenhang gebracht, so der Senat weiter. Auch aus dem Begleittext zu dem Bild könnte man schließen, dass es sich bei dem Abgebildeten um einen Straftäter handelt.

(red)
stats