Presserat musste sich 2014 mit deutlich mehr ...
 

Presserat musste sich 2014 mit deutlich mehr Fällen befassen

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Das Selbstkontrollorgan griff insgesamt 238 Fälle auf und registrierte 35 Verstöße gegen den Ehrenkodex der Österreichischen Presse

Der Österreichische Presserat musste sich 2014 mit deutlich mehr Fällen und medienethischen Verstößen beschäftigen: Das Selbstkontrollorgan griff insgesamt 238 Fälle auf und registrierte 35 Verstöße gegen den Ehrenkodex der Österreichischen Presse. Die meisten Verfahren betrafen die Verletzung von Persönlichkeitsrechten sowie Diskriminierungen, wie der Presserat bei seiner Jahresbilanz mitteilte.

Spitzenreiter in Sachen unethischer Berichterstattung war 2014 die "Kronen Zeitung" mit 16 Verstößen. Dahinter reihten sich die Gratiszeitungen "Österreich" mit elf und "Heute" mit fünf Verstößen ein. Die rechtsnationale Zeitschrift "Zur Zeit" brachte es mit rassistischen Diskriminierungen auf zwei Abmahnungen durch den Presserat. "Falter", "Vice" sowie "Floridsdorfer Bezirkszeitung", "Journal Graz" und "Meine Südsteirische" haben laut Presserat je einmal gegen den Ehrenkodex verstoßen.

Dass die Zahl der anhängigen Fälle von 155 im Jahr 2013 auf aktuell 238 gestiegen ist, führt Presserats-Präsidentin Astrid Zimmermann auf "die höhere Sensibilität bei den Lesern und eine höhere Bekanntheit und Anerkennung des Presserats" zurück. Die Zahl der vom Presserat aufgezeigten Verstöße hat sich gegenüber 2013 - damals gab es 16 Verstöße - bei höherer Fallzahl mehr als verdoppelt.

"Krone", "Österreich" und "Heute" haben auch 2014 den Presserat ignoriert und die Teilnahme an Verfahren verweigert, berichteten Presserats-Geschäftsführer Alexander Warzilek und Senatsvorsitzender Peter Jann. Einen besonders krassen Fall unethischer Berichterstattung ortete der frühere EuGH-Richter Jann bei der Gratiszeitung "Heute". Diese hatte über einen von seinem Besitzer in der U-Bahn getretenen Hund berichtet und danach Leserreaktionen bzw. Postings zu einer Slideshow auf seiner Online-Seite aufbereitet. Dabei wurde mehr oder weniger die öffentliche Hinrichtung des Hundebesitzers gefordert. "Das geht zu weit", so Jann.

Ein auffallend schwerer Fall von Verletzung der Persönlichkeitsrechte war laut Warzilek die Veröffentlichung eines Videos, in dem eine angetrunkene FPÖ-Lokalpolitikern am Heimweg zu sehen war und das von den Gratisblättern "Österreich" und "Heute" online veröffentlicht wurde. Kritik übte Warzilek auch an der Suizidberichterstattung mancher Medien: "Leider Gottes kommt es hier immer wieder zu Grenzüberschreitungen. Bei einigen Medien hat es einen richtigen Dammbruch gegeben."

Als Beispiel nannte Warzilek den Selbstmord eines jungen Mannes, der von einem Haus sprang. Die "Krone" brachte dazu ein Bild vom Sprung sowie ein Foto des Toten nach dem Aufprall. "Eine Persönlichkeitsverletzung, die bei der Familie für viel zusätzliches Leid gesorgt hat." Der Presserat griff den Fall von sich aus auf und mahnte die Boulevardzeitung ab. Die Familie dankte dem Gremium für diese Entscheidung. Warzilek rief in Sachen Suizidberichterstattung wegen der Nachahmungsgefahr einmal mehr zu Zurückhaltung auf.

Wegen des gesteigerten Aufkommens an Beschwerden und Lesermitteilungen wird zusätzlich zu den bisher zwei Senaten des Presserats nun ein dritter Senat eingerichtet. Den Vorsitz übernimmt dort die ehemalige Höchstrichterin und Hypo-Kommissionsleiterin Irmgard Griss. Im Herbst feiert der Presserat übrigens seinen fünften Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums findet am 8. und 9. Oktober in Wien eine Konferenz der Europäischen Presseräte statt.
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