Presserat: "Krone" und "Kurier" verletzten Id...
 

Presserat: "Krone" und "Kurier" verletzten Identitätsschutz

Österreichischer Presserat
"Kronen Zeitung" und "Kurier" haben mit mehreren Berichten über einen Angeklagten den Identitätsschutz verletzt, indem sie seinen vollen Namen nannten. Das hat der Senat 3 des Presserats in einer aktuellen Entscheidung festgestellt, die am Freitag veröffentlicht wurde.
"Kronen Zeitung" und "Kurier" haben mit mehreren Berichten über einen Angeklagten den Identitätsschutz verletzt, indem sie seinen vollen Namen nannten. Das hat der Senat 3 des Presserats in einer aktuellen Entscheidung festgestellt, die am Freitag veröffentlicht wurde.

In dem Fall ging es um einen steirischen Arzt, der wegen Misshandlung seiner Kinder angeklagt ist.

"Kronen Zeitung" und "Kurier" haben mit mehreren Berichten über einen Angeklagten den Identitätsschutz verletzt, indem sie seinen vollen Namen nannten. Das hat der Senat 3 des Presserats in einer aktuellen Entscheidung festgestellt, die am Freitag veröffentlicht wurde.

In dem Fall ging es um einen steirischen Arzt, der wegen Misshandlung seiner Kinder angeklagt ist. Der Fall erregte große Aufmerksamkeit - auch, weil der Angeklagte der Bruder eines bekannten Politikers ist.

Das allerdings dürfe sich "nicht zu Lasten des Angeklagten auswirken", hielt der Senat fest. Er selbst sei keine allgemein bekannte Person. Der Senat hatte "den Eindruck, dass die Namensnennung in erster Linie deshalb erfolgte, weil der Bruder des Angeklagten in der Öffentlichkeit steht".

Dass das öffentliche Interesse aufgrund schweren Straftaten, die dem Arzt zu Last gelegt wurden, sehr groß war, räumt der Presserat ein. Allerdings bewertete er die strafrechtlich relevanten Vorwürfe "als nicht so schwerwiegend, dass auch der volle Name des Angeklagten angeführt werden darf". Auch die Persönlichkeitssphäre von Angeklagten sei "prinzipiell schutzwürdig", wurde betont. "Die Preisgabe ihrer Identität in den Medien kann zu einer - aus medienethischer Sicht bedenklichen - zusätzlichen 'Prangerwirkung' führen." Die Namensnennung komme einer "zusätzlichen medialen Bestrafung gleich".

Der Senat sah es außerdem "besonders kritisch, dass der früheren Geliebten des Arztes sowohl in der "Kronen Zeitung" als auch im "Kurier" quasi eine Bühne geboten und den von ihr vorgebrachten Vorwürfen sehr viel Raum in der Berichterstattung gegeben wurde". Denn zwischen diesen Vorwürfen und dem laufenden Strafverfahren habe kein Zusammenhang bestanden, die betreffenden Verfahren seien bereits eingestellt.

Berichterstattung "einseitig und unausgewogen"

Diese Berichterstattung über massive Vorwürfe "bis zu Mord" sei "einseitig und unausgewogen" gewesen, "warf auf den Angeklagten ein entsprechend schlechtes Licht" und war eine "klare Persönlichkeitsverletzung": "Die Journalisten hätten die einseitigen Aussagen der früheren Geliebten von vornherein hinterfragen und dies den Lesern auch entsprechend vermitteln müssen." So aber habe es an einer "sachlichen und neutralen Aufbereitung" gemangelt.

Somit stellt der Senat Verstöße gegen Punkt 5 des Ehrenkodex (Persönlichkeitsschutz) fest und forderte die Medieninhaberinnen auf, die Entscheidung freiwillig in den betroffenen Medien zu veröffentlichen. Das Verfahren wurde aufgrund von Mitteilungen mehrerer Leser sowie "aus eigener Wahrnehmung" aufgenommen. Der "Kurier" - der die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkennt - machte von der Möglichkeit, am Verfahren teilzunehmen, Gebrauch. Die "Kronen Zeitung" hat sich dem Presserat bisher nicht unterworfen.
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