Presserat: Germanwings Co-Pilot durfte genann...
 

Presserat: Germanwings Co-Pilot durfte genannt werden

Flickr/Eddie
Beim Absturz einer Germanwings-Maschine im März kamen alle 150 Insassen ums Leben.
Beim Absturz einer Germanwings-Maschine im März kamen alle 150 Insassen ums Leben.

Namensnennung des Co-Piloten in Ordnung, entscheidet der Presserat. Fotos von trauernden Angehörigen verstoßen dagegen gegen den Ehrenkodex

Der Presserat hat sich ausführlich mit der Germanwings-Katastrophe aus dem März beschäftigt und stellt nun fest: Die Namensnennung des Co-Piloten, also jenes Mannes, der den Absturz nach derzeitigem Stand der Kentnisse bewusst herbeigeführt hat, war rechtens. Der Grund: Der Fall sei "in seiner Art und Dimension außergewöhnlich", daher gebe es einen erweiterten Spielraum für die Berichterstattung. Hinzu kommt die Tatsache, dass die französische Staatsanwaltschaft den Namen des Co-Piloten auf einer Pressekonferenz nannte. "Spätestens ab diesem Zeitpunkt betrachtet es der Senat als legitim und vom Informationsinteresse der Allgemeinheit gedeckt, die Identität des Verdächtigen auch in den Medien bekannt zu geben."

Eine Verletzung des Ehrenkodex sieht der Presserat allerdings in der Veröffentlichung der Bilder von trauernden Angehörigen, hier werde der Persönlichkeitsschutz der abgebildeten Personen nicht eingehalten. "Die Angehörigen der Opfer befanden sich in einer psychischen Ausnahmesituation. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Flughäfen, wo die Fotos entstanden sind, öffentlich zugängliche Orte sind", so der Presserat in einer Aussendung. Es bestehe kein öffentliches Interesse an der Abbildung der trauernden Angehörigen, Fotografen und Redakteure müssten in solchen Fällen zurückhaltend agieren.  

Den Ehrenkodex verletzt haben unter anderem "Heute", "heute.at", die "Kronen Zeitung", "Österreich", "oe24.at" und die "Wiener Zeitung". Besonders scharf kritisiert der Presserat "oe24.at", wo man in einer Slide-Show ausschließlich trauernde Angehörige zeigte. Auch "kleinezeitung.at", die "Salzburger Nachrichten" und "salzburg.com" verstießen gegen den Ehrenkodex (nicht schwerwiegend), die beiden letztgenannten Medien erklärten aber in einer Stellungnahme gegenüber dem Presserat, dass sie in Zukunft genauer auf den Schutz der Angehörigen achten wollen.
stats