Presserat: 'Best of Böse'-Satire ist medienet...
 
Screenshot HORIZONT
Das Cover des satirischen 'Falter'-Jahresrückblicks.
Das Cover des satirischen 'Falter'-Jahresrückblicks.

Im vergangenen Dezember hat der 'Best of Böse'-Jahresrückblick der Wochenzeitung 'Falter' für Aufregung gesorgt, der HORIZONT berichtete. Der Österreichische Presserat erklärte die Montage mit dem Titel 'geilzeit' nun als medienethisch zulässig.

Auf dem Bild sind Kurz und dessen Lebensgefährtin Susanne Thier mit neugeborenem Kind als Josef und Maria zu sehen. Darüber hinaus sind zwei Politiker als Hirten dargestellt. Der Begleittext lautet: "Die Liebe Familie". Der Presserat hielt in einer Aussendung zunächst fest, dass die Presse- und Meinungsfreiheit bei Satire und Karikatur besonders weit auszulegen sei. Dennoch gebe es Grenzen wie die Menschenwürde einer Person zu beachten.

Mit dem Titel "geilzeit" werde auf das Magazin "Freizeit" der Tageszeitung Kurier, "der der Falter offenbar eine besondere Nähe zu Sebastian Kurz zuschreibt", als auch das "Geilomobil" aus dem Wiener Wahlkampf 2010 angespielt, so das Selbstkontrollorgan. "Die liebe Familie" beziehe sich wiederum nicht nur auf die junge Familie Kurz, sondern auch auf die Gruppe junger Männer, die als "türkise Familie" bezeichnet werden. "Die Bildveröffentlichung ist eine Persiflage darauf, dass vor allem familiäre Gründe (und nicht belastende Chatnachrichten) für den Rückzug aus der Politik ausschlaggebend gewesen seien", interpretierte der Presserat.

Zu prüfen galt es, ob Thier auf diese Art und Weise in den politischen Diskurs miteinbezogen werden durfte. Die Darstellung mit entblößter Brust weise im Kontext mit der Überschrift "geilzeit" einen sexualisierten Gehalt auf, womit ein Eingriff in die Privatsphäre vorliegen könnte. Zwar übte Thier selbst keine politische Funktion aus, doch war sie während der politischen Tätigkeit von Kurz in den Medien präsent - etwa bei Wahlkampfveranstaltungen an seiner Seite oder nachdem ihre Schwangerschaft bekannt gegeben worden war. "Folglich nahm Thier am öffentlichen Leben teil, und die Beziehung mit Kurz wurde für die politische Erzählung des Politikers eingesetzt", hielt der Senat 1 des Presserats fest und maß diesem Umstand entsprechendes Gewicht hinsichtlich seiner Entscheidung bei. Zudem sei für die Betrachter:innen erkennbar, dass es sich um eine Montage handle.

Der Presserat anerkannte den Umstand, dass der Falter mehrere die Montage scharf kritisierende Leserbriefe veröffentlichte. Allerdings hätten sowohl Chefredakteur Florian Klenk als auch Herausgeber Armin Thurnher auf die "umfangreiche, mit Argumenten untermauerte Kritik der Öffentlichkeit differenzierter reagieren" können, merkte das Selbstkontrollorgan kritisch an.
"Ob die Satire als gelungen einzustufen ist und ob es sinnvoll war, die Lebensgefährtin des eigentlichen politischen Akteurs in den Mittelpunkt der Bildkomposition zu rücken, sind Geschmacksfragen, für die die Senate des Presserats nicht zuständig sind", wurde abschließend festgehalten. Fest stehe, dass nach Abwägung aller Aspekte der Beitrag medienethisch zulässig sei.
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