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Presseförderung: Journalismus-Initiativen mit Reformvorschlägen

Mehr Geld und zeitgemäße Kriterien gefordert

Mehrere Journalismus-Organisationen wollen Dynamik in die wieder eingeschlafene Debatte um eine Reform der Presseförderung bringen und haben am Montag ein Forderungspaket präsentiert. Neben einer Erhöhung der Mittel - die in den vergangenen Jahren sukzessive gekürzt wurden - brauche es auch zeitgemäße Schwerpunktsetzungen, so der Grundtenor bei einer Pressekonferenz. Im Mittelpunkt müsse die journalistische Qualität stehen, denn die Presseförderung sei eine "Investition in die Infrastruktur der Demokratie", wie es Matthias Karmasin (Uni Klagenfurt) formulierte.

Erhöhung der Mittel

Der österreichische Presserat, das Kuratorium für Journalistenausbildung, der Presseclub Concordia und das Forum Journalismus und Medien wien (fjum) haben sich zusammengetan und Positionen entwickelt, die sie in die weitere Diskussion einbringen wollen. Jedenfalls brauche es eine deutliche Erhöhung der Mittel, hieß es am Montag. 2012 standen rund 10,8 Millionen Euro zur Verfügung, der Verband Österreichischer Zeitungen wünscht sich 50 Millionen Euro jährlich. Budgetäre Sparzwänge lässt Karmasin nicht gelten: Immerhin würden die Zeitungen knapp 50 Millionen Euro an Werbesteuern abliefern.

Zimmermann schlägt Punkte-System vor

Inhaltlich und strukturell will man "weg vom Gießkannenprinzip" der allgemeinen Vertriebsförderung, einen Schwerpunkt auf Qualität und Vielfalt sowie journalistische Weiterbildung und die Teilnahme am Presserat bzw. die Befolgung des Ehrenkodexes als Voraussetzungen. Außerdem müsse neuen Technologien und neuen journalistischen Praktiken - Stichwort Online-Medien und Datenjournalismus - Rechnung getragen werden. Technisch könnte dies mittels eines Punkte-Systems umgesetzt werden, meinte Concordia-Generalsekretärin Astrid Zimmermann - je mehr Kriterien ein Medium erfülle, desto höher die Förderwürdigkeit.

Ausweitung auf Online-Medien

Im Bereich der Vielfalts-Förderung trat Zimmermann konkret für einen "wettbewerbsneutralen Vertrieb" ein, sprich, gleiche Stückkosten für alle. Die Presseförderung solle im Sinne einer Medienförderung auch auf Online-Medien ausgeweitet werden, ebenso wie zu verstärkende Bemühungen um Medienkompetenzvermittlung.

Warzilek betont Mitgliedschaft beim Presserat

Im Bereich der Qualitätsförderung müsse die Mitgliedschaft beim Presserat ein "entscheidendes Qualitätskriterium" sein, so dessen Geschäftsführer Alexander Warzilek. Weitere Benchmarks sind seiner Ansicht nach unter anderem Redaktionsstatute, Maßnahmen zum Fehler-und Qualitätsmanagement und "Diversity"-Bewusstsein im Umgang mit Minderheiten in der Redaktion.

Wasserbauer: "Förderung von Schulungsmaßnahmen"

In punkto "lebenslanges Lernen" sei der Journalismus als "verantwortungsvoller Beruf" in die Pflicht zu nehmen, führte Elisabeth Wasserbauer vom Kuratorium weiters aus. Es brauche daher eine noch stärkere Förderung von Schulungsmaßnahmen sowie eine Basissubvention für Weiterbildungsinstitutionen.

Laufendes Qualitätsmonitoring


fjum-Geschäftsführerin Daniela Kraus schließlich urgierte mehr Mittel für "projektbezogene Innovationen" und Forschungsförderung. Derzeit gebe es maximal 20.000 Euro pro Projekt, wohl kaum genug für kontinuierliche Ansätze, meinte sie. Zudem trat sie für laufendes Qualitätsmonitoring der österreichischen Medienlandschaft ein, etwa mit einem jährlichen Bericht. Und zu guter Letzt müsse auch die Presse- bzw. Medienförderung selbst regelmäßig einem Monitoring unterzogen werden.

(APA)
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