"Press Freedom Award" für Russland
 

"Press Freedom Award" für Russland

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Albert Rohan mit Preisträgerin Olga Bobrova und Rubina Möhring.© Europäische Kommission (Vertretung Österreich)/APA-Fotoservice/Preiss
Albert Rohan mit Preisträgerin Olga Bobrova und Rubina Möhring.© Europäische Kommission (Vertretung Österreich)/APA-Fotoservice/Preiss

"Reporter ohne Grenzen" vergab die Auszeichnung am internationalen Tag der Menschenrechte im Haus der Europäischen Union.

Am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, wurde der "Press Freedom Award 2010" an die beiden russischen Journalisten Olga Bobrova und Michail Beketow vergeben. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" würdigte in diesem Jahr durch den mit jeweils 4.000 Euro dotierten Preis den "außerordentlichen investigativen Mut und die besondere demokratiepolitische Relevanz" der eingereichten Artikel, wie Albert Rohan, Sprecher der Jury und langjähriger Generalsekretär im österreichischen Außenministerium, unterstrich. Rohan wies auch auf die besonders dramatische Situation für Journalisten in Russland hin: "In den letzten Jahren sind in Russland mindestens 22 Journalisten ermordet worden – 18 dieser Morde sind nach wie vor nicht aufgeklärt."

Auch Beketow, ehemaliger Chefredakteur der Oppositionszeitung "Chimkinskaja Prawda", wurde Opfer eines Anschlags, in dessen Folge er schwer behindert, pflegebedürftig und nicht mehr arbeitsfähig ist. Beketow thematisierte unter anderem konsequent Korruption und Wahlfälschungen im Moskauer Vorort Chimki. Der 52-jährige Preisträger konnte an der Verleihung aufgrund seiner Verletzungen nicht teilnehmen. Ein filmisches Porträt über Beketow von Georg Dox (ORF) war eines der berührenden Highlights der Veranstaltung.

Bobrova ist Redakteurin der Moskauer Zeitung "Nowaja Gazeta", für die auch die 2006 ermordete Anna Politkowskaja geschrieben hatte. Bobrovas thematischer Schwerpunkt ist der Nordkaukasus. Im April 2010 veröffentlichte die "Nowaja Gazeta" Bobrovas Serie "Imarat Kaukasus: Ein Staat, den es nicht gibt", die den inneren Aufbau der im Nordkaukasus operierenden Terrororganisation "Imarat Kaukasus" und die Zunahme extremistischer Kräfte beschreibt.

Rubina Möhring, Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen", begrüßte die Tatsache, dass die Preisverleihung dieses Jahr im Haus der Europäischen Union stattfand, als "wichtiges Signal für die Bewahrung der Medienfreiheit seitens Europa". Möhring gemahnte an die Notwendigkeit des unverminderten Engagements für die Presse- und Meinungsfreiheit: "Werden Journalisten unter Druck gesetzt oder mundtot gemacht, wird die Gesellschaft per se entmündigt."
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