PR-Ethik-Rat rügt “Krone bunt“
 

PR-Ethik-Rat rügt “Krone bunt“

Stein des Anstoßes ist eine ungekennzeichnete aber offenbar bezahlte 32-Seiten-Beilage kurz vor der Wahl in Wien.

Der PR-Ethikrat bekrittelt, dass eine 32-Seitige Beilage mit dem Titel "Eine Stadt zum Verlieben", die am 19. September - also kurz vor der Wien Wahl - in der "Krone bunt" erschien, nicht als bezahle Kooperation gekennzeichnet wurde. Dem freiwilligen Selbstkontrollorgan der heimischen PR-Branche liegen Unterlagen vor, die belegen, dass der Druckkostenbeitrag 30.000 Euro netto je Doppelseite und Unternehmen betragen hätte: In der Beilage präsentieren die zwölf Unternehmen mit Standort Wien ihre Pläne für die Zukunft – und damit die Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Wien. Den Schluss der Beilage bildet ein vierseitiges Interview mit Bürgermeister Michael Häupl unter dem Titel “Der Wähler soll auf Nummer sicher gehen“, in dem der Bürgermeister sein Konzept für die Stadt darlegt.

Bei der Beilage “Wirtschaftsstandort Wien“ fehlt - so der PR-Ethikrat - jede Kennzeichnung nach § 26 Mediengesetz. Dies wäre umso auffälliger weil andere  – ähnlich gelagerte – Seiten in derselben Ausgabe klar als “entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnet wären, so das Kontrollorgan. Die Beilage erschien am 19. September 2010 – also drei Wochen vor der Gemeinderatswahl in Wien am 10. Oktober 2010.

In seiner Sitzung am 16. November 2010 ist der PR-Ethik-Rat zu folgendem Schluss gekommen: "Es ist gängige Praxis und legitim, dass Medien so genannte Sonderwerbeformen anbieten und Unternehmen von diesen Gebrauch machen. Gesetzwidrig ist es jedoch, bezahlte Kooperationen nicht ordnungsgemäß zu kennzeichnen. Die ungekennzeichnete Beilage “Wirtschaftsstandort Wien“ ist geeignet, die Leser zu täuschen – insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Beilage kurz vor der Gemeinderatswahl erschienen ist. Der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations stellt fest, dass die Medieninhaberin der 'Krone bunt' und Dr. Christoph Dichand als für die Umsetzung Verantwortlicher die Bestimmungen des Mediengesetzes über die Kennzeichnungspflicht entgeltlicher Veröffentlichungen missachtet haben. Der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations spricht deshalb gegen die Medieninhaberin der “Krone bunt“ und Dr. Christoph Dichand eine öffentliche Rüge aus." - so die Aussendung des PR-Ethik-Rates.

Den Branchenusancen entsprechend geht der PR-Ethik-Rat davon aus, dass bezahlte Produkte wie die gegenständliche Beilage allen Beteiligten vor Drucklegung zur Freigabe vorgelegt werden. Der Rat ermahnt alle an dieser Beilage beteiligten Unternehmen und PR-Verantwortlichen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und appelliert darüber hinaus an die gesamte Branche, auch selbst aktiv dazu beizutragen, dass Medienkooperationen ordnungsgemäß gekennzeichnet und die Branchenkodizes eingehalten werden. Die Glaubwürdigkeit der gesamten Kommunikationsbranche stehe  auf dem Spiel.

Der im Herbst 2008 von den Branchenverbänden Public Relations Verband Austria (PRVA), der Agenturengruppe PR Quality Austria (PRQA) und dem Verband für integrierte Kommunikation (VIKOM) gegründete Österreichische Ethik-Rat für Public Relations ist ein freiwilliges Selbstkontrollorgan der österreichischen PR-Branche. Unter dem Vorsitz von emer. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang R. Langenbucher gehören dem Rat insgesamt 11 Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft an. 

Weitere Informationen unter http://www.prethikrat.at.
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