Porträt: ORF-Journalist Hans Bürger wird 60
 
Porträt

ORF-Journalist Hans Bürger wird 60

Screenshot ORF-TVthek
Runder Geburtstag für Innenpolitik-Experte Hans Bürger: "Mein Herz ist in Linz, mein Hirn ist in Wien."
Runder Geburtstag für Innenpolitik-Experte Hans Bürger: "Mein Herz ist in Linz, mein Hirn ist in Wien."

Der bekennende Oberösterreicher leitet seit zwei Jahrzehnten das Innenpolitik- und EU-Ressort der "ZiB". Am Montag, den 18. Juli, feiert er seinen 60. Geburtstag. Das immer schneller werdende Nachrichtengeschäft betrachtet er mit Sorge.

Betont gelassen serviert er dem ORF-Publikum innenpolitische Analysen. Ist die Lage ernst, rückt er auch als Reporter zum Geschehen aus. Hans Bürger leitet seit zwei Jahrzehnten das Innenpolitik- und EU-Ressort der "ZiB". Am Montag, 18. Juli, feiert der stolze Oberösterreicher und stellvertretende ORF-TV-Chefredakteur seinen 60. Geburtstag.

Geboren wurde Bürger am 18. Juli 1962 in Linz, wo er auch ein Studium der Volkswirtschaftslehre absolvierte. Seine journalistische Karriere startete er 1985 als Wirtschaftsjournalist in der Oberösterreich-Redaktion der "Kronen Zeitung". Dort habe er sich auch "irrsinnig wohl gefühlt", wie er in einem Interview mit dem Stadtmagazin "Linza" sagte. Das Problem war aber: Es gab dort keine Fixanstellung für ihn. Seine Mutter habe ihn dann dazu animiert, bei einem ORF-Talentewettbewerb mitzumachen. Am allerletzten Tag bewarb er sich für einen solchen - und wurde eingestellt.

'Mein Herz ist in Linz, mein Hirn ist in Wien'

Seit März 1987 sollte er den ORF bis dato nicht mehr verlassen. Zunächst arbeitete er im Landesstudio Oberösterreich im Aktuellen Dienst, 1993 wechselte er bereits in die Bundeshauptstadt in die Redaktion der "Zeit im Bild 1". Leicht dürfte ihm die Entscheidung nicht gefallen sein. "Gäbe es die 'Zeit im Bild' in Linz, wäre ich sicher in Oberösterreich geblieben. In einem Satz zusammengefasst: Mein Herz ist in Linz, mein Hirn ist in Wien", bekannte Bürger, der in Freundesrunden auch mal die oberösterreichische Landeshymne anstimmt, vor wenigen Jahren. Mit seinem Heimatbundesland verbindet ihn auch seine Leidenschaft für den Zweitligafußballverein FC Blau Weiß Linz, in dessen Kuratorium er als kooptiertes Mitglied tätig ist.

1997 verschlug es ihn für acht Monate als Korrespondent ins ORF-Auslandsbüro in Brüssel. Mit seiner Rückkehr in die "ZiB"-Redaktion lag sein Hauptaugenmerk fortan auf Inlands- und EU-Berichterstattung. 2002 übernahm er die Ressortleitung für die beiden Themenbereiche und gab sie bis heute nicht ab. Gegenüber der APA sprach er vor ein paar Jahren von einem "Traumjob", den er als Innenpolitik- und EU-Ressortleiter der "ZiB" ausübe. "Wenn etwas Großes passiert, kann ich selbst Livereporter sein, für eine Analyse im Studio sitzen, vom EU-Gipfel in Brüssel oder einem Ministerrat berichten. Das sind alles Möglichkeiten, die in der nächsthöheren Funktion de facto weg sind."

Von aggressivem Interview-Stil hält er nichts

Zusätzlich zu dieser Tätigkeit übt er sich als Gastgeber der "Pressestunde", moderiert Diskussionssendungen und führte zweimal - 2015 und 2018 - die ORF-"Sommergespräche". Dabei setzt er als Journalist auf einen freundlichen Ton, fragt aber teils kühne Dinge. So etwa geschehen bei einer "Pressestunde" mit Jörg Haider, als er vom mittlerweile verstorbenem langjährigen FPÖ-Obmann wissen wollte, "ob er ein Trottel ist". Jemanden aggressiv am Beginn eines Interviews reinfahren, sei aber nicht sein Stil. "Damit ist jedes Gespräch kaputt, davon halte ich nichts", so Bürger.

Abseits seines ORF-Jobs betätigt sich der Journalist auch als Autor. Er verfasste mehrere im Wirtschaftsbereich angesiedelte Bücher. Sein mit Kurt W. Rothschild geschriebenes Werk "Wie Wirtschaft die Welt bewegt. Die großen ökonomischen Modelle auf dem Prüfstand" wurde in der Abteilung "Geistes/Sozial-/Kulturwissenschaft" zum "Wissenschaftsbuch des Jahres 2010" gekürt. Im selben Jahr erhielt er auch den "Dr. Karl Renner-Publizistikpreis" für seine journalistische Leistungen.

'Beschleunigungsproblem im Journalismus'

Vollumfänglich zufrieden ist er nicht mit der Richtung, die seine Branche eingeschlagen hat. "Ich glaube, dass wir im Journalismus eher ein Beschleunigungsproblem haben. Ich finde, dass wir Dinge zu schnell hinausposaunen, ohne sie ausreichend zu hinterfragen. Der Journalismus im Großen und Ganzen geht wahnsinnig sorglos mit Informationen um", meinte er einst. Aus der Bahn werfen wird ihn das aber kaum. Ruhe ist erste Bürger-Pflicht.
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