Populismus, Libertismus oder Pseudodemokratie...
 

Populismus, Libertismus oder Pseudodemokratie?

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Medientage 2013: Am ersten Tag diskutierte das dichtbesetzte Podium über die Verflechtung von Medien, Politik und Wirtschaft, den Umgang mit der Digitalisierung und den angeblich inhaltsleersten Wahlkampf aller Zeiten

Anschließend an die Rede des ehemaligen bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber widmete sich das Podium in Saal Eins der Interaktion zwischen Medien, Politik und Wirtschaft. Gibt es eine offene Gesellschaft? Sind die selbsternannte vierte Gewalt sowie die Politik mittlerweile längst der Wirtschaft hörig? Dazu diskutierten unter der Moderation von Ronald Barazon Wolfgang Fellner von der Mediengruppe Österreich, Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes, Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft, Franz Schellhorn von der Agenda Austria, Ursula Simacek von respACT und der Generaldirektor der Casinos Austria, Karl Stoss.

Hier die wichtigsten Statements:

Wolfgang Fellner (Mediengruppe Österreich):

„In Richtung Vielfalt entwickeln sich die Medien sehr positiv, wenn man bedenkt, dass vor zehn Jahren alles von der Kronen Zeitung und vom ORF beherrscht war.“

„So sehr ich die Arbeit des ORF schätze: Das immense staatliche Geld-Doping halte ich nicht für richtig.“

„Wir stehen am Beginn einer neuen Medienwelt. Die Digitalisierung wird die Medien und die Politik verändern und die Frage, die wir uns künftig stellen werden müssen ist: Lenkt das Internet die Wirtschaft?“

„Die Verlage haben für lange Zeit das Internet verschlafen, einfach weil wir so ein reguliertes Land sind.“

"Der Wahlkampf war ein Wahlkampf der alten Medien, Plakat und Fernsehen und das teilweise mit einer Extremreduzierung auf den Blödheitsfaktor 200."


Brigitte Jank (Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien und Obfrau des Wiener Wirtschaftsbundes):

„Eine gute wirtschaftliche Basis ist die Voraussetzung für gute politische Entwicklungen.“

„Ich denke nicht, dass wir das Internet verschlafen haben, im Gegenteil: man wollte doch so rasch wie möglich dabei sein, ohne sich zu überlegen, wie man sich positionieren möchte.“

„Wir sind komplett gesteuert – aber das wollten wir und damit müssen wir leben. Und einige leben davon sehr gut.“


Sebastian Kurz (Staatssekretär für Integration):

„Ich finde es sehr zu begrüßen, dass die Politik das Internet nutzt und sich dieses als neuen Kanal zu Nutze macht, sofern das authentisch passiert.“

„Es gibt kein Monopol mehr auf Information oder darauf, Information zu generieren.“

„Manche der Wahlkampfdiskussionen waren inhaltlich platter, als manche Schuldiskussionen, die ich erlebt habe.“  


Andreas Mailath-Pokorny (Stadtrat für Kultur und Wissenschaft):

„Allein ein Hashtag auf Twitter ermöglicht es binnen kürzester Zeit, eine Massenbewegung loszutreten. In den Sechzigerjahren ging man auf die Straße, heute reicht ein solcher Hashtag. Das ist schon ein enormer Kulturwandel.“

„Es braucht ein vernünftiges öffentliches Regelwerk, was die Medien anbelangt.“

„Man muss sich überlegen, wofür man Geld verlangt. Im Kino, im Theater zahlen wir alle ganz selbstverständlich, warum dann nicht auch für Onlinemedien? Andernfalls hat man in ein paar Jahren niemanden mehr, der das alles produzieren will.“

„Es ist doch immer dieselbe Kritik von einem angeblich so schlechten und inhaltslosen Wahlkampf. In Wahrheit hatte doch jeder eine Plattform, sich mitzuteilen, die wichtigen Dinge wurden diskutiert. Im Prinzip war es zu viel, quasi eine tägliche Überdosis Politik.“


Franz Schellhorn (Agenda Austria):

„Ich finde schon, dass die Wirtschaft vom Journalismus ausreichend begleitet wird.“

„Der Wahlkampf war beängstigend inhaltsleer.“


Ursula Simacek (respACT):

„Vertrauen in Politik, Medien und Wirtschaft ist unheimlich wichtig.“

„Im Wahlkampf wurde zu wenig über Inhalte gesprochen, vor allem über übergreifende Themen wie die Bildungspolitik. Jeder Bürger muss sich neben den Wahlkampfduellen im TV auch über andere Medien informieren, um sich ein Bild zu machen.“


Karl Stoss (Generaldirektor der Casinos Austria):

"Es fällt mir schwer, den Zwangsbeitrag für den ORF zu leisten."

"Das Internet kennt keine nationalen Grenzen, daher kann es nur eine gesamteuropäische Regelung geben."

"Ich finde den Wahlkampf tatsächlich pseudodemokratisch und ein Kasperltheater, vor allem da nur die parlamentssitzenden Parteien eingeladen wurden und nicht alle. Wäre man wirklich demokratisch, hätte man alle auf die Bühne bitten müssen."
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