Polit-Interviews nur Entertainment?
 

Polit-Interviews nur Entertainment?

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"Ziel ist es, Quote zu bringen"

Mit den Sommergesprächen landete der ORF diesen Sommer einen Quotenhit und die Inhalte sowie die Art der Gesprächsführung wurden breit diskutiert. Darauf bezugnehmend wurde im Rahmen der Österreichischen Medientage am Podium besprochen, wie und in welchen Formaten Journalisten gecoachte Politiker überhaupt noch zum Reden bringen können.

Josef Kalina (Unique Relations) in Bezug auf die Sommergespräche: "Für mich ist klar, dass das die Armin-Wolf-Show ist - so war das auch vom ORF geplant und so hat das auch funktioniert", und weiter: "Ziel ist es, Quote zu bringen." Josef Pröll (Leipnik, Lundenburger Invest) hält das Konzept für interessant: "Politik besteht ja auch aus der Persönlichkeit", und stellt die Frage in den Raum, warum sich diese Gespräche immer auf Gewinner und Verlierer zuspitzen müssen. Laut Kalina ist eben das der Grund, weshalb die Menschen einschalten: "Sie erwarten sich Gladiatorenkämpfe."

Pröll appellierte für mehr Distanz zwischen Politik und Medien, da dies die Qualität fördern würde. "Wenn man das politische Interview stärken will, muss das auf einer professionellen Distanzebene funktionieren." Kalina meinte, dass Interviews im Fernsehen eine Art von Unterhaltungs-Show sein müssen: "Wenn man ein breites Publikum erreichen will, muss es ein Format wie jenes mit Armin Wolf sein." Ihm zufolge gibt es zwei grundlegende Regeln für Polit-Interviews: "Man muss dabei sein und man muss freundlich sein."

Armin Wolf (ORF): "Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass es ein Machtkampf zwischen Politiker und Moderator sein muss. Der Zuseher soll nach der Sendung mehr über den Gesprächspartner oder das Thema wissen. Die Sommergespräche haben sehr wohl politischen Wert - ich denke schon, dass man viel über Politik gelernt hat." Pröll äußerte die Sorge, dass die wirkliche politische Situation in den Hintergrund rücke, wenn Entertainment stärker in den Vordergrund komme. Renate Grabner ("der Standard") erklärte, dass Interviews für die Darstellung von Politikern sehr wichtig seien und sachliche Inhalte Priorität haben sollten.

Abschließend betonte Kalina, dass die Qualität von Interviews von der Vorbereitung abhänge. Weiters bedürfe es an Freundlichkeit und Kompetenz, um authentisch zu wirken. Außerdem sei die Präsenz im TV unerlässlich. Pröll appellierte für mehr Distanz zwischen Politik und Medien, da dies die Qualität fördern würde. "Wenn man das politische Interview stärken will, muss das auf einer professionellen Distanzebene funktionieren." Wolf: "Ich bin sehr für Distanz. In einer Demokratie müssen sich Politiker durch Kommunikation legitimieren. Dazu sind Interviews da."
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