Papst lässt "Titanic"-Titel verbieten
 

Papst lässt "Titanic"-Titel verbieten

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UPDATE: Satire-Magazin will Widerspruch gegen einstweilige Verfügung einlegen - DJV kritisiert die gerichtliche Verfügung als überzogen

Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag eine einstweilige Verfügung gegen das deutsche Satiremagazin "Titanic" erzwungen, weil er sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlt.

Heikle Foto-Montage

Grund dafür ist das aktuelle Titelbild: Es zeigt eine Foto-Montage des Papstes in weißer Soutane mit einem gelben Fleck im Schritt. Darüber steht die Überschrift "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden." Auf der Rückseite der Ausgabe ist zudem ein brauner Fleck am Hinterteil des Gewandes zu sehen, darüber steht "Noch eine undichte Stelle entdeckt." Auf den Arm genommen wird das Kirchenoberhaut wegen der sogenannten Vatileaks-Affäre, die sich um die Veröffentlichung teils brisanter interner Papiere des Vatikans dreht.

Bei Verstoß droht saftiges Ordnungsgeld

Laut einer Sprecherin des Landesgerichts Hamburg dürfe "Titanic" unter Androhung eines Zwangsgeldes die Hefte nicht weiter verbreiten und die Bilder auch nicht im Internet veröffentlichen. Allerdings müssten die bereits an den Handel verschickten Ausgaben nicht zurückgerufen werden. Horizont.net zufolge drohe "Titanic" bei einem Verstoß gegen die einstweilige Verfügung ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro.

"Benedikt muss uns missverstanden haben"

Das Magazin hat bereits reagiert und das Cover auf seiner Website geschwärzt. Auf der Homepage wird nun ein Start-Cartoon mit dem Papst gezeigt. Benedikt XVI. hält darauf zwei spritzende Fanta-Flaschen in den Händen. "Benedikt muss uns mißverstanden haben", erklärte Chefredakteur Leo Fischer. Der Titel zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre ("Vatileaks") feiert und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet hat: "Es ist allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks Fanta ist." Man hoffe nun auf ein persönliches Gespräch mit dem Heiligen Vater, um das Mißverständnis auszuräumen.

Fischer will "notfalls bis zum Jüngsten Gericht ziehen"

Das Satire-Magazin "Titanic" will das Verbot seines Papst-Titelbildes nicht hinnehmen. Noch vor dem Wochenende werde die Anwältin der "Titanic" Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts einlegen, sagte Chefredakteur Leo Fischer der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. "Wir werden sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen und notfalls bis zum Jüngsten Gericht ziehen", so Chefredakteur Leo Fischer am Mittwoch. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, beschied derlei Ansinnen kühl: "Ich sehe dem völlig gelassen entgegen."



Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die gerichtliche Verfügung als überzogen kritisiert. "Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken am Mittwoch. Benedikt XVI. werde von "Titanic" als Sinnbild der "Vatileaks"-Affäre dargestellt. "Das ist legitim", erklärte Konken.



(APA/red)
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