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Oscars mit Überraschungssiegern und Abfuhr für Netflix

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Lediglich in den Darstellerkategorien fiel das Urteil der Academy-Jury einigermaßen berechenbar aus. "Parasite" wurde zum überraschenden Abräumer.
Lediglich in den Darstellerkategorien fiel das Urteil der Academy-Jury einigermaßen berechenbar aus. "Parasite" wurde zum überraschenden Abräumer.

Überraschende Sieger hat die 92. Oscar-Verleihung in der Nacht auf Montag gebracht. So wurde mit "Parasite" erstmals ein nicht englischssprachiger Film auch bester Film des Jahres. Auch abseits der Königskategorie blieben die Favoriten oft auf der Strecke - vielleicht auch, weil die Academy-Mitglieder ein Statement im Kampf von Netflix gegen klassische Filmstudios setzen wollten.

Mit insgesamt 24 Oscar-Nominierungen hatte Netflix dieses Jahr jedes andere Filmstudio und klassische Verleihstrukturen endgültig überrundet. Allein zehn davon waren auf Martin Scorseses "The Irishman" entfallen. Am Ende blieb kein einziger davon übrig. Für "Marriage Story" mit sechs Nominierungen konnte zumindest Laura Dern den Preis als beste Nebendarstellerin mit nach Hause nehmen. Überhaupt waren die Schauspielkategorien noch am ehesten jene, bei denen erwartete Favoritinnen und Favoriten punkten konnten: Joaquin Phoenix ("Joker") und Renée Zellweger ("Judy") wurden für ihre jeweiligen Titelrollen ausgezeichnet, Brad Pitt wurde für "Once Upon A Time In Hollywood" zum besten Nebendarsteller gekürt.

Quentin Tarantinos Trash-Ode an das alte Hollywood hätte theoretisch ganz nach dem Gusto der wahlberechtigten Academy-Mitglieder sein müssen und war mit zehn Nominierungen ebenfalls einer der Favoriten. Am Ende blieb jedoch neben der Trophäe für Pitt nur noch die für das beste Szenenbild. Auch "1917" konnte von seinen zehn Nominierungen zwar drei in Preise verwandeln, jedoch ausschließlich in technischen Kategorien (beste Kamera, bester Ton, beste visuelle Effekte). "Joker" als der absolute Spitzenreiter unter den Nominierten mit elf Chancen konnte neben dem Hauptdarstellerpreis just ein zweites Mal in jener Kategorie punkten, wo er selbst Außenseiter war: in der Kategorie Filmmusik, wo alle Wetten auf John Williams' Score für den Abschluss der "Star Wars"-Saga liefen.

Die filmemacherischen Königskategorien konnte "Parasite" von Bong Joon-ho alle für sich reklamieren: Neben der Auszeichnung als bester Film des Jahres, und darüber hinaus als bester fremdsprachiger Film des Jahres, gingen auch die Oscars für die beste Regie und das beste Drehbuch nach Korea. Das Favoritensterben zog sich durch bis in die Spezialkategorien. Entgegen der oftmaligen Oscars-Gesetzmäßigkeit, gemäß der diese Kategorien zu "Trostpreisen" für vielfach nominerte, aber ansonsten leer ausgegangene Produktionen werden, setzte sich hier "Le Mans 66" ("Ford vs. Ferrari") durch: Mit dem Preis für den besten Schnitt und den besten Tonschnitt konnte der Rennfahrerfilm hier zwei seiner vier Nominierungen umsetzen. Insgesamt sprachen erste Resümees des Preis-Abends in Branchenmedien von einem Umbruch und Paradigmenwechsel. Das Paradigma, dass Hollywood keine Sympathien für Streaming-Studios hegt, blieb indes in Stein gemeißelt.

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