ORS kritisiert Handy-TV-Bieterverfahren
 

ORS kritisiert Handy-TV-Bieterverfahren

Michael Wagenhofer, Chef der ORF-Sendertechniktochter ORS, hält den Start von DVB-H zur EURO 2008 inzwischen für "unwahrscheinlich".

Der Start des mobilen Fernsehangebots DVB-H rechtzeitig zur Fußball-Europameisterschaft wird immer unwahrscheinlicher, glaubt jedenfalls Michael Wagenhofer, Geschäftsführer der ORF-Sendertechniktochter ORS. "Da hätte man schon vor Weihnachten mit den Vorbereitungen beginnen müssen", nun scheine allenfalls ein "eingeschränkter Betrieb" - also ein weiterer Testbetrieb - möglich, sagte Wagenhofer im Gespräch mit der APA.

Der Hintergrund: Am 4. Februar findet die erste mündliche Verhandlung der Bieterkonsortien um den Betrieb des Handyfernsehens DVB-H vor der Regulierungsbehörde RTR statt; die ORS ist bisher - aufgrund von vermuteten Mängeln innerhalb ihrer Bewerbung - nicht geladen. Die RTR hatte die fehlenden Verträge mit Programmaggregatoren bemängelt. "Wendet man eine derart strenge Gesetzesauslegung auf alle Bewerber an, dann bekommt keiner den Zuschlag", ärgert sich da Wagenhofer. Sollte die ORS aus dem Bietverfahren ausgeschlossen werden, schließt Wagenhofer nicht aus, das Gesetz anzufechten. Ursprünglich hatte die ORS die Mobilkom und T-Mobile Austria bei ihrer Bewerbung mit an Bord. Die beiden Telekom-Unternehmen verließen das Bieterkonsortium allerdings kurz vor Ende der Bewerbungsfrist. Knackpunkt sei die Risikoverteilung gewesen. Die Telekom Austria hat sich nun selbstständig beworben.

Der ORS-Chef Wagenhofer appelliert nun an Mobilfunker und Programmanbieter, an einem Strang zu ziehen, statt sich in einem vermutlich Jahre dauernden Rechtsstreit zu bekämpfen. Der Rundfunkregulierungsbehörde riet er zu einer Neuausschreibung der Lizenz oder dazu, die Möglichkeit für Nachbesserungen nach Zuschlagvergabe einzuräumen. DVB-H mache nur mit einem wirtschaftlich tragfähigem Konzept Sinn, bei dem möglichst viele Mobilfunker an Bord sind, um "die kritische Masse" zu erreichen. "Entweder hier gibt es eine breite Beteiligung, oder das wird nichts." Laut Wagenhofer habe keiner der Bewerber ein derart breit gestütztes Konzept eingereicht. Die Stärke der ORS-Bewerbung sieht er gerade im Fehlen der Programmaggregatoren, weil dadurch kein Mobilfunker bevorzugt werde. Auch für die Programmanbieter sei das ORS-Konzept lukrativ, weil sie - im Gegensatz zum ursprünglichen Vorhaben der ORF-Sendetechniktochter - vorerst nichts für die Verbreitung ihrer Sender zahlen müssen. Darüber hinaus verfüge die ORS, die auch die österreichweite Versorgung von terrestrischem Digital-Fernsehen (DVB-T) abwickelt, über ein vorhandenes Netz. Aus dem Rennen sieht sich Wagenhofer daher noch lange nicht. Man führe derzeit "mit allen" Gespräche.

(jed)

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