ORF1 fliegt zum Mars
 
ORF/Thomas Ramstorfer
Dokumentation
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Der TV-Sender will nach einem ‚schwierigen Jahr‘ mit mehr Programm-Innovationen punkten. Channelmanagerin Lisa Totzauer gibt Einblick in Strategien und Pläne.

Ein neuer Serien-Montag mit den ORF-Eigenproduktionen „­Walking on Sunshine“ und „­Wischen ist Macht“, der näher rückende Start der „Dancing Stars“ und eine „Mars-Expedition“ mit Hanno Settele als Reiseleiter. Im zuletzt mit Quotensorgen kämpfenden ORF1 stehen in den kommenden Wochen Programm-Innovationen an, die dem jünger ausgerichteten der beiden großen ORF-TV-Kanäle neuen Schwung verleihen sollen. Channelmanagerin Lisa ­Totzauer plant, wie sie im HORIZONT-Gespräch verrät, im neuen Jahr auch weiter und „sehr geballt auf die Entwicklung neuer Produkte“ zu setzen. Aber sie gesteht auch ein: „2019 war ein sehr schwieriges Jahr – was wir immer gewusst haben, weil im Vergleich zu 2018 weniger Großereignisse am Programm standen und die amerikanischen Serien in der Daytime weiter an Reichweite verloren haben.“

Porträt
ORF/H. Leitner
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Der Marktanteil von ORF1 sank auf 9,1 Prozent im Gesamtpublikum, der Zielgruppenwert bei zwölf- bis 49-jährigen Sehern ging auf 11,2 Prozent zurück. Das am Vorabend neu gestartete und mittlerweile auf zehn Minuten verkürzte „Magazin 1“ trug seinen Teil dazu ebenso bei wie die missglückte Feuerwehr-Show „Feuer und Flamme“, die ORF-interne, aber ungenannt bleiben wollende Kritiker als eine „marktforscherische Kopfgeburt“ bezeichnen.

Hirscher kostet 0,9 Prozentpunkte

Totzauer bleibt dennoch zuversichtlich: „Gerade der Dezember hat uns gezeigt, dass neue Produkte in der Kernzone – wie der satirische Jahresrückblick oder die neue Show ,Fakt oder Fake‘ – gut funktionieren.“ Warum es im Vergleich zum Dezember 2018 dennoch ein Minus bei den Marktanteilen gab? Totzauer erklärt dies unter anderem mit dem „­Hirscher-Effekt“. Allein die nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher nun weniger konsumierten Übertragungen vom Skiweltcup hätten mit einem Minus von 0,9 Prozentpunkten auf die ORF1-Gesamtquote durchgeschlagen.

Im Gegensatz zum Vorjahr, als „kurzfristige Werbeeinbrüche die Finanzplanung besonders schwierig machten“, könne man heuer auch im zweiten Halbjahr 2020 Programm-Innovationen finanzieren. „Im Show-Bereich sind wir ganz intensiv dran, haben hier einige Ideen – ob sich auch neue Fiction noch in diesem Jahr ausgeht, ist offen.“ ORF-Chef Alexander Wrabetz sprach in dem Zusammenhang jüngst von einem „musiknahen Event-Format“. Schon für das erste Quartal geplant: ein neues Info-Magazin am Hauptabend von ORF1.

Totzauers Sorgenkinder im Programm stehen freilich auf noch nicht so sicheren Beinen. „Q1 – das Quiz“ mit Oliver Polzer sieht sie „in einer Phase, wo es sich einpendelt“. Es brauche eben Zeit, bis sich die Sendung in den Sehgewohnheiten verankere. Aber: Totzauer sieht bei einem Seherschnitt von knapp über 100.000 auch Potenzial für weitere Formate diesen Zuschnitts. Das nun verkürzte „­Magazin 1“ habe seine Marktanteile sogar um zwei Prozentpunkte gesteigert. „Das ist sehr gut für die kurze Zeit.“

Als Erfolg kann man dagegen die ­Reportage-Schiene „Dok1“ am Donnerstag-Hauptabend werten. Die ­Eigenproduktionen darunter ­holen im Schnitt 250.000 Seher bei 14 ­Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. Einer der Protagonisten der Reihe, Hanno Settele, darf deshalb bereits im März mit einem neuen Fünfteiler auf den Schirm. In „Auf zum Mars“ soll ­Österreich, so die Ausgangslage, eine Kolonie auf dem Mars ­besiedeln. Der Bundespräsident in Person von ­Christoph Grissemann beauftragt Settele, jene Dinge zu finden, die ­Österreich ausmachen und mit auf den roten Planeten sollen. Daraus ergäben sich, so Totzauer, „lustige, aber im Hintergrund ernste Fragen zum Selbstverständnis des Landes: Was soll mit, und was bleibt hier? Schnitzel oder Sachertorte? Rapid oder ­Austria? Und: Müssen die Sozialpartner unbedingt mit an Bord?“

Wieder ,ZIB‘ auf zwei Kanälen?

Weniger humorvoll lief zuletzt die ­Dikussion über die Zukunft der ORF1-Information ab. Dort hatte ORF-Chef Wrabetz einen Teil der Mannschaft zurück nach ORF 2 beordert – und eine Durchschaltung der „ZIB 1“ wieder auf zwei ORF-Kanälen angeregt. Zum intern kontrovers diskutierten Thema will Totzauer nichts sagen. Nur so viel: „Grundsätzlich habe ich mit dem Generaldirektor vereinbart, dass es dazu keinen Kommentar von mir gibt.“

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