ORF will sich an Privat-TV beteiligen
 

ORF will sich an Privat-TV beteiligen

Beim ersten Panel der Medientage sind sich Medienmacher und -politiker ob des nötigen Ausmaßes von Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk uneins.

Dass der öffentliche-rechtliche Rundfunk in einem Markt mit nur drei Millionen TV-Haushalten nicht ausschließlich über Gebührengelder finanzierbar ist, will der ORF-Finanzdirektor Dr. Alexander Wrabetz betont wissen. Schließlich geht es beim ersten Panel der Östereichischen Medientage um die Frage "Wieviel Werbung braucht der öffentlich-rechtliche Rundfunk?" Auch für den privaten Konkurrenten, ATVplus-Chef Franz Prenner, sind zusätzliche Werbebeschränkungen für den Küniglberg nicht die Lösung. Sondern: Es gelte, den Küniglberg programmlich zu beschränken. Derzeit decke der Öffentlich-Rechtliche "alles ab, was abzudecken ist" - "da wird es ein Privater extrem schwer haben." Eine andere Lösung hat sich da Wrabetz ausgedacht: Der ORF könnte sich an österreichischen Privatsendern beteiligen. Ein Vorschlag, der sofort die am Panel teilnehmenden Medienpolitiker auf den Plan ruft. "Ein duales System unter der Schirmherrschaft des ORF gibt es nicht", kontert ÖVP-Mediensprecher Dr. Wilhelm Molterer. SPÖ-Mediensprecher Dr. Josef Cap will gleich gar nicht an den Erfolg von österreichischem Privatfernsehen glauben: "Dafür ist der Markt zu klein." Und auch der Grüne Mediensprecher Stefan Schennach sieht die Entwicklung von Privat-TV um zehn Jahre zu spät. Dabei brauche der ORF Konkurrenz "wie einen Bissen Brot". Eine Ansicht, die der Chef des Bezahlfernsehens Premiere, Dr. Georg Kofler, nur teilen kann: "Haben Sie Mut zum Wettbewerb", fordert der ehemalige Kirch-Manager speziell die österreichische Politik auf. Den Start von ATVplus bezeichnet Kofler als "wirklich mutige unternehmerische Initiative. Das hätte ich mich nicht getraut."

Für stärkere Beschränkungen des ORF treten indes die Vertreter der heimischen Werbefenster auf deutschen Privaten ein: Nicht unbeschränkt sollte der Küniglberg auf den Werbetopf zugreifen dürfen, sagt Dr. Walter Neuhauser vom IP Network. Und SevenOne Media Austria-Chef Mag. Markus Breitenecker nennt die ORF-Werbepraxis gar "unkontrolliert". RTR-Chef Dr. Alfred Grinschgl sieht hier zwar in Zukunft noch Notwendigkeit zusätzlicher Einschränkungen - "aber nicht jetzt". Derzeit gelte es, die Einhaltung der vorhandenen Einschränkungen effizienter zu kontrollieren. Und FPÖ-Mediensprecher Dr. Hans Kronberger fordert, dem ORF bei der Verwaltung der Gebühren stärker auf die Finger zu schauen.

(jed)

Die Foto-Galerie zu den Medientagen gibt es unter www.onlinefoto.at.

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