ORF-Wahl: Wrabetz schießt scharf gegen Mitbew...
 
Screenshot HORIZONT
Wrabetz nutzte Oe24.TV und das Interview von Niki Fellner als Wahlkampfplattform.
Wrabetz nutzte Oe24.TV und das Interview von Niki Fellner als Wahlkampfplattform.

Größte Teile der Bewerbung Weißmanns seien aus der 'Strategie 2025', die Wrabetz mit Stiftungsräten ausarbeitete, wörtlich abgeschrieben, als 'Abteilungsleiter' erfülle er nicht die Anforderung der Ausschreibung. Dessen Besetzung als Chef des 'Players' sei ein Fehler gewesen.

Der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat am Mittwochabend bei "Fellner! LIVE" auf oe24.tv scharf gegen seinen Mitbewerber bei der anstehenden ORF-Wahl, Vizefinanzdirektor Roland Weißmann, geschossen. Weißmann erfülle als "Abteilungsleiter" nicht die Anforderung der Ausschreibung, meinte er. Die redaktionelle Unabhängigkeit sieht er unter seinem Konkurrenten in Gefahr.


Die Chancen seien für ihn gut, erneut gewählt zu werden, wenngleich er mit dem "Kandidaten von Fleischmann" (Anm. Gerald Fleischmann, Kanzlerbeauftragter für Medien) einen "harten Gegner" habe, sagte Wrabetz und verwies auf ein besonderes Jahr samt Diskussionen über ÖBAG-Bestellungen. Ob Roland Weißmann, der als ÖVP-Wunschkandidat gilt, der Thomas Schmid des ORF ist? "Das würde ich nicht sagen. Bei Thomas Schmid haben Ausschreibung und sein Qualifikationsprofil zusammengepasst. Jetzt kann man sagen: Wie ist die Ausschreibung zustande gekommen? Aber bei der ORF-Ausschreibung ist es klar, dass Roland Weißmann, der ein ordentlicher Abteilungsleiter ist, zum Beispiel die ausgewiesene Erfahrung in der Unternehmensführung bis jetzt nicht hatte. Insofern kann es dann sein, wenn er gewählt würde, dass seine Qualifikationen für diese Ausschreibung geringer wären als jene von Schmid bei der ÖBAG", sagte Wrabetz.

Größte Teile der Bewerbung Weißmanns seien aus der "Strategie 2025", die Wrabetz mit Stiftungsräten ausarbeitete, wörtlich abgeschrieben. Unterscheiden würden sich Wrabetz und Weißmann in Bezug auf die redaktionelle Unabhängigkeit: "Gibt es weiter eine kritische Information und weitgehend redaktionelle Freiheit wie bei mir, oder verspricht man sich, stärker auf diese Redaktionen und ihre Arbeit zugreifen zu können? Das ist der Unterschied. Das steht in keinem Programm, aber es ist die Realität", so Wrabetz.

Ein "deutliches Signal" wäre nach den Angriffen der ÖVP auf die Justiz, stärkeren Druck auf die Medien auszuüben. "Es hat noch nie einen Mann wie den Medienbeauftragen im Kanzleramt gegeben, der über alle Medienbudgets, Medienförderungen und letztlich auch im Detail über alles, was beim ORF passiert, entscheiden kann. Das ist schon eine Machtzusammenballung, die möglicherweise verleitet, Dinge zu tun, die nicht richtig sind. Deswegen hoffe ich noch, dass man seitens der Türkisen sagt, die ihnen nahestehenden Stiftungsräte sollen einfach ihre Entscheidung so treffen, wie es für das Unternehmen am besten ist", sagte Wrabetz und betonte, dass es besser wäre, zu einer geheimen Abstimmung im Stiftungsrat zurückzukehren, damit ein "gewisser Freiraum" gegeben wäre.

'Ein lieber, netter Kollege'

Vor einer Übernahme durch Roland Weißmann habe jedoch niemand Angst. "Er ist ein lieber, netter Kollege, der sich immer bemüht, ausgleichend zu sein", meinte der ORF-Generaldirektor. Mit Sorge blickt er aber auf die Gesamtentwicklung des Unternehmens und die Führungsebenen darunter. Befragt zu eigenen Fehlern, nennt Wrabetz die Tatsache, dass er Roland Weißmann 2020 zum Player-Projektmanager gemacht habe "in der Hoffnung, dann kriegen wir das Gesetz, das wir brauchen, und es geht etwas weiter". Das sei aber nicht eingetreten. Sein Nachsatz: "Mir wäre aber auch nichts anderes eingefallen."

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