ORF-Wahl: kein Hearing, nur Präsentation
 

ORF-Wahl: kein Hearing, nur Präsentation

Die Bewerber um das höchste Amt im ORF sollen einen Tag vor der Wahl des neuen Generaldirektors ihre Pläne vorstellen, eine TV-Übertragung ist geplant.

Der Fahrplan für die Wahl des neuen ORF-Generaldirektors nimmt immer konkretere Formen an: Am Donnerstag kündigte Finanzchef Richard Grasl seine Kandidatur vor dem Stiftungsrat an, er matcht sich damit mit Alexander Wrabetz, der bereits seit 2007 Chef beim Sender ist. Und auch der Ablauf des "Wahlkampfes" ist inzwischen ein wenig klarer: Das von vielen geforderte öffentliche Hearing der Bewerber wird es nun doch nicht geben, stattdessen präsentieren Wrabetz und Grasl ihre Ideen - ohne eine anschließende Fragerunde.

Aus dem Stiftungsrat war zu hören, dass es ein langes Hin und Her beim Thema Hearing gegeben habe. Letztendlich habe man sich für dieses, ein vermutlich weniger umstrittenenes Modell, entschieden. Eine Übertragung im TV bei ORF III ist eingeplant, allerdings noch nicht fix. Im Zuge der Transparenz und der großen öffentlichen Debatte rund um die Wahl ist aber mit einer Ausstrahlung zu rechnen - zumindest per Livestream. Seine Pläne vorstellen darf jeder, der vom Stiftungsrat dazu eingeladen wird. Geplanter Termin für die Präsentation ist der 8. August - also nur einen Tag vor der endgültigen Wahl des neuen oder alten ORF-Chefs.

Sowohl Wrabetz als auch Grasl hatten sich zuletzt für ein öffentliches Hearing ausgesprochen (HORIZONT berichtet). Medienminister Thomas Drozda wies noch am Donnerstag darauf hin, dass es ein solches Hearing wohl eher nicht geben werde. Als Grund führte der Minister aktienrechtliche Gründe ins Feld.

Hoscher sieht "wesentlichen Transparenz-Schritt"

Stiftungsratzsvorsitzender Dietmar Hoscher bestätigte nach der Sitzung des Gremiums, dass es lange Diskussionen rund um ein mögliches Format gegeben habe, das auch den rechtlichen Rahmenbedingungen entspreche. Das nun entschiedene Modell sei "fast einstimmig" beschlossen worden. Hoscher sieht in der Präsentation einen "wesentlichen Transparenz-Schritt" - vor allem im Vergleich zu früheren ORF-Wahlen. 

Neos-Chef Strolz unzufrieden

Bei den Neos ist man überhaupt nicht dieser Meinung. Zwar seien die öffentlichen Präsentationen "ein erster wichtiger Zwischenschritt", so Klubobmann Matthias Strolz. Das sei ihm aber nicht genug. "Obwohl selbst die beiden Kandidaten durchaus bereit gewesen wären, sich einem Hearing zu stellen, sind die Parteipolitik und ihre Freundeskreise in öffentlichen Unternehmen und Institutionen leider immer noch nicht bereit, alte Zöpfe abzuschneiden", so Strolz weiter. 

Endgültige Deadline ist am 1. August

Und auch in Sachen Nachnominierungen gibt es inzwischen eine Entscheidung: Die endgültige Deadline für Kandidaten, die vom Stiftungsrat für den Posten nominiert werden, ist der 1. August um 12 Uhr. Danach geht nicht's mehr. Offiziell endet die Bewerbungsfrist am 28. Juli. Bei ihrer letzten Sitzung gab der Stiftungsrat noch ein Rechtsgutachten in Auftrag, das Klarheit in die Thematik bringen sollte (HORIZONT berichtete).
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