ORF unter Preisdruck der Privaten
 

ORF unter Preisdruck der Privaten

Der ORF präsentierte am Dienstag, 8.09. die Programmvorhaben 2009/2010 – viel Sport, neuer Heinzl-Vorabend auf ORF 1, Eigenproduktionen laufen langsam an – HORIZONT sprach mit ORF-Enterprise Chef über „seine“ Highlights – und die Marktentwicklung.

Am Dienstag, 8. September, bat der ORF zum Saisonauftakt zur Programmpräsentation – und Top-Spot-Verleihung – in die Malersäle im Wiener Arsenal. Das Booklet zur Programmpräsentation 2009/2010 umfasst 124 eng beschriebene Seiten und listet die Höhepunkte, Schwerpunkte und möglichen Innovationen – Stichwort Eigenproduktionen – des öffentlich-rechtlichen Senders am Vorabend der parlamentarischen ORF-Enquete am 17. September und dem kommenden novellierten ORF Gesetz bis 11. November auf.



HORIZONT fragte ORF Enterprise Chef Walter Zinggl als Vermarkter nach seinen Highlights und den Schwerpunkten der Vermarktungsaktivitäten – und Zinggl schickt gleich einmal voraus, dass – Stichwort Reality-Formate, wie sie ORF Generaldirektor Alexander Wrabetz im HORIZONT-Interview angekündigt hatte (siehe HORIZONT 24-2009 vom 24. Juni 09) sich zwar in dieser Programmpräsentation so nicht finden – aber… „Es wird an sehr Vielem gearbeitet“.



Olympia, Fußball WM, Ski



Naturgemäß sieht Zinggl als Vermarkter die Sport-Events 2010 als Assets des ORF – die Olympischen Winterspiele in Vancouver – 12 bis 28. Februar („Durch die Zeitverschiebung im ORF in der Primetime!“) – und die Fußball WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli – „Gleiche Zeitzone!“) sind zwei Großereignisse, auf die sich der ORF-Chefvermarkter so richtig freut.



Gesichert sind von den 64 Spielen der Fußball WM mindestens 46 für den ORF, im Dezember wird sich mit dem Mit-Rechteinhaber RTL nach der Auslosung entscheiden, wie es rechtemäßig weitergeht.



Bereits am 24. Oktober startet mit dem Skiweltcup eine weitere „Bank“ für den Vermarkter Zinggl – und dazu zählen auch dank Morgenstern & Co die Vierschanzentournee (ab 29. Dezember) und das Fliegen am Kulm (8. Bis 10. Jänner). Schon am 30. Oktober startet „Das Rennen“ mit Werbeliebling Armin Assinger auf der Planai in Schladming – „hat Potential wie ,Das Match´ vor der Euro 2008“.



Stichwort Fußball: Die Europaleague ist eine Entscheidung der Sportredaktion, kein weiterer Kommentar. In einem Punkt ist sich Zinggl aber sicher: „Aus Sicht des Vermarkters wollte ich für den Mittwoch auf ORF 1 ein verlässliches, stark männerlastig positioniertes  Programmangebot – und ich denke, die gesamte Champions-League bis zum Finale wird das auch bringen“.



Heinzl ante portas



Im Juni hatte General Alexander Wrabetz angekündigt, sich besonders um ORF 1 zu kümmern – nun setzt er den Coup, Society-Star-Moderator Dominic Heinzl ab Jänner zum ORF zu holen. Heinzl soll, so Zinggl, „zumindest Montag bis Freitag“ am Vorabend ORF 1 bespielen. Das lässt Zinggl frohlocken: „Mit ,Anna und die Liebe´ und dem Heinzl-Format werden wir auf ORF 1 ein sehr starkes Angebot am Vorabend bis 20.00 Uhr machen können!“



Nicht erst im Jänner, sondern schon am Freitag, den 11. September geht Manuel Horeth mit „Der Mentalist“ auf Sendung – und Walter Zinggl sagt ganz ruhig „ich will den Tag nicht vor dem Abend loben – aber was ich bisher gesehen habe, fühlt sich sehr gut an!“



Denn die am Dienstag präsentierten Programmstrukturen, so Zinggl, wären ja nicht das letzte Wort zur kommenden Saison – da 2010 im Frühjahr bis Sommer durch Sport-Großereignisse geprägt sei, würden Programmüberlegungen á la Fortsetzung von Starmania oder Dancing Stars noch nicht fixiert. „Noch besser werden ist nie verboten“, hält Zinggl den Programmplanern am Küniglberg die Tür weit offen.



Der starke Juli – Trendwende?



Im Juli wies Werbebeobachter Focus Media Research der ORF-TV-Werbung erstmals in diesem Jahr ein positives Brutto-Ergebnis mit nominell plus 3,8 Prozent aus (die Privaten Marktbegleiter erzielten nominell plus 10,9 Prozent).



Zinggl analysiert trocken: „Was ich schon bei unserem letzten Gespräch (HORIZONT 18-2009 im Mai, Anm. d. Red.) angemerkt habe, ist positiv eingetreten: Es sind schlagartig mit Beginn des dritten Quartals Budgets freigegeben worden. Heute Ende des Quartals kann ich sagen – auch der August war sehr gut, der September dürfte ebenso gut werden. Aber: Frag´ nicht nach dem vierten Quartal, da ist noch vieles offen“. Erst nach Buchungseröffnung am 15. September könne er mehr sagen – „wobei Entwarnung zuviel gesagt wäre, aber es geht seit Jahreshälfte definitiv aufwärts“.



Zur Situation am Werbemarkt sagt  Zinggl. „Die Situation ist doch die: Innerhalb der letzten Jahre haben die Privaten Fensteranbieter ihre technische Reichweite verdoppelt und, wenngleich bei weitem nicht so stark, auch Seher dazugewinnen können. Sie haben ihre Preise dieser höheren Leistung jedoch praktisch nicht angepasst“ – woraus folge, dass für ein Elektronik-Budget von bereits 250.000 bis 300.000 Euro, das noch vor wenigen Jahren ins Radio geflossen wäre, bereits (Privat-) TV-Flights zu rechenbaren Leistungswerten buchbar seien.



„Die Steigerung der technischen Reichweite der Fenster-Sender hält deren TKP bei ca. 35 Prozent des Durchschnitts der ORF-TV-Werbung – und das trotz einer 15prozentigen Preissenkung im ORF-TV von 2008 auf 2009“ Wobei diese Entwicklung, berichtet Zinggl, bereits auf den Werbeträger durchschlage, der noch Ende 2008 als möglicher Krisengewinner – Stichwort schnell, preiswert, abverkaufsorientiert – gehandelt wurde: „Nicht nur Ö3 leidet unter dem Druck des viel zu billigen Privatfernsehens, auch die RMS spürt das.“



Fazit Zinggl: „Es ist schon sehr heftig, was sich da abspielt!“
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