ORF-Stiftungsrat: Strategie und Finanzplan be...
 
APA
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz

Der ORF-Stiftungsrat hat am Donnerstag sowohl die Konzernstrategie bis 2025 als auch den Finanz- und Stellenplan 2021 genehmigt.

Mit der "Strategie ORF 2025" werde ein umfassender digitaler Transformationsprozess eingeleitet, hieß es in einer Aussendung des ORF. Künftig werde der ORF gleichberechtigt lineare Channels und non-lineare Plattformangebote "zu einem hybriden Gesamtangebot" kombinieren.

Leitprojekte der Strategie, die von der ORF-Geschäftsführung in enger Abstimmung mit dem Stiftungsrat erarbeitet worden sei, sind der ORF-Player sowie die Weiterentwicklung des ORF-Zentrums zum multimedialen ORF-Mediencampus. Das Campus-Projekt liege trotz Coronapandemie sowohl im Budget- als auch im Zeitplan. Die Rohbauten für den multimedialen Newsroom, Ö1 und Ö3 sind fertiggestellt. Auch die Entwicklung des ORF-Players laufe derzeit mit der Abstimmung des grafischen Designs plangemäß, die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sei allerdings noch offen.

Auf der Gesetzgebungsebene tut sich allerdings derzeit offenbar nicht allzu viel: Laut der Grünen Mediensprecherin Eva Blimlinger werden momentan gar keine Verhandlungen über ein neues ORF-Gesetz geführt. Sie könne auch nicht sagen, wann ein Entwurf vorliegen werde, sagte sie am Donnerstag im Interview mit dem "Horizont". Die Auswirkungen der Coronakrise habe der ORF bisher gut bewältigt, bekräftigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. "Innerhalb weniger Monate konnte der Turnaround 2020 zu einem aus heutiger Sicht ausgeglichenen Ergebnis geschafft werden", wurde er in der Aussendung zitiert.
Die Strategie, die Entlastung des Generaldirektors für das Geschäftsjahr 2019 und der Finanzplan 2021 wurden einstimmig beschlossen. Der Öffentlich-rechtliche plant für kommendes Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis von 0,2 Mio. Euro. Durch die Einsparung von rund 75 Mio. Euro und die Fortsetzung des Strukturreformprogramms könne ein umfangreiches Programmangebot finanziert werden, hieß es.

Dazu zählten die EURO, Olympia, "Starmania 21", österreichische Filme und Serien sowie Investitionen in die Landesstudios, die Finalisierung des Mediencampus und die Entwicklung des ORF-Players. Das Konzernergebnis vor Steuern soll 2021 bei 8,1 Mio. Euro liegen. Der ORF rechnet mit Umsatzerlösen in Höhe von 976,1 Mio. Euro. Die Erlöse aus den Programmentgelten sind mit 646,7 Mio. Euro budgetiert, die Werbeerlöse mit 206,3 Mio. Euro, die sonstigen Umsatzerlöse mit 123,1 Mio. Euro.

Zum Vergleich: Für heuer werden Programmentgelte in Höhe von 644,9 Mio. Euro und Werbeerlöse in Höhe von 200 Mio. Euro erwartet, wie Wrabetz vergangene Woche im Rahmen des Publikumsrats erklärt hatte.

Zur Unterstützung des Sparkurses muss auch im kommenden Jahr der Personalstand auf 2.923 Vollzeitäquivalente weiter reduziert werden. Damit hat das Unternehmen seit 2007 rund 866 Vollzeitstellen bzw. 21,5 Prozent der Belegschaft abgebaut.

"Die Nagelprobe jeder Strategie ist ihre Umsetzung. Im ORF muss dabei das Publikum im Mittelpunkt stehen", betonte ÖVP-Freundeskreisleiter Thomas Zach im Anschluss an die Sitzung gegenüber der APA. Das Spar- und Strukturprogramm der vergangenen Jahre habe gemeinsam mit den Werbeeinnahmen geholfen, das Krisenjahr auch wirtschaftlich zu bewältigen.

Das Strategiepapier gebe gute Antworten auf das Wachsen der IT-Giganten, sagte der von den Grünen entsandte Stiftungsrat Lothar Lockl. Es sei positiv, dass es damit ein klares Bekenntnis zur Digitalisierung gebe. "Natürlich hängt vieles von der Umsetzung ab, aber es ist eine gute Grundlage", sagte Lockl.

Es sei ein gutes Zeichen, dass die Strategie einstimmig auf den Weg gebracht wurde, findet auch SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter Heinz Lederer. Auch er wies darauf hin, dass es nun auf die Umsetzung ankomme, zu der auch die Finanzierbarkeit aller Elemente der Strategie gehöre, bekräftigte er seine Forderung nach einer Gebührenrefundierungsdiskussion.


stats