ORF-Stiftungsrat: Budgetfragen und ein Fahrpl...
 

ORF-Stiftungsrat: Budgetfragen und ein Fahrplan für den "Player"

ORF / Thomas Ramstorfer
"ORF Gremiensitzungssaal", Im Bild: Der Gremiensitzungssaal des ORF im ORF-Zentrum, Wien. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich im Zusammenhang mit oben genannter Sendung oder Veranstaltung des ORF bei Urhebernennung. Foto: ORF/Thomas Ramstorfer. Anderweitige Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606
"ORF Gremiensitzungssaal", Im Bild: Der Gremiensitzungssaal des ORF im ORF-Zentrum, Wien. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich im Zusammenhang mit oben genannter Sendung oder Veranstaltung des ORF bei Urhebernennung. Foto: ORF/Thomas Ramstorfer. Anderweitige Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606

In seiner letzten Sitzung 2019 beschloss das oberste Aufsichtsgremium des ORF das Budget 2020. Über die mittelfristige Finanzvorschau bis 2024 war man sich nicht wirklich einig. Ebenfalls ein Streitpunkt: der Status der Digitalisierung im ORF und dort der für 2020 geplante ORF-Player.

Vorweihnachtlicher Friede herrschte nicht unbedingt bei der finalen Sitzung des ORF-Stiftungsrates diesen Donnerstag im sechsten Stock des ORF-Zentrums am Küniglberg. Dazu gingen die Ansichten zwischen ORF-Geschäftsführung und Teilen des Stiftungsrates zu sehr auseinander. Konfliktpunkt war die mittelfristige Finanzvorschau bis ins Jahr 2024, für die Thomas Zach, seines Zeichens Chef des "ÖVP-Freundeskreises" im Stiftungsrat, wenige Tage zuvor, im Finanzausschuss, noch Überarbeitungen eingefordert hatte.

Konkrete Zahlen gefordert

Die mittelfristige Finanzvorschau müsse noch überarbeitet werden "in Hinblick auf Effizienzsteigerungen", meinte Zach auch heute. Die Konzentration aller Unternehmensteile am Medienstandort Küniglberg sei ein Anlass, "noch einmal Abläufe zu durchleuchten". Zach erwartet sich einen Bericht darüber in der nächsten Stiftungsratsitzung im März, dann mit "Zahlen unterlegt".

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hingegen sah die mittelfristige Finanzvorschau schon fertig in Zahlen gegossen. Bis 2024 wolle man schließlich weitere 112 Millionen Euro einsparen. Vor Journalisten hinterfragte Wrabetz, ob der Punkt jedes Mal auf der Tagesodnung stehen müsse. Zach wiederum kommentierte nach der Sitzung, man habe "ein bisschen gerittert".

977 Millionen Umsatz geplant

Beim aktuellen Budget fürs Jahr 2020 war man sich dagegen zu 100 Prozent einig. Dieses wurde vom Stiftungsrat einstimmig genehmigt. Der ORF plant demnach wieder mit einem operativ ausgeglichenen Ergebnis, das 0,2 Mio. Euro betragen soll. Insgesamt rechnet der ORF mit Umsatzerlösen von 977,6 Mio. Euro und liegt damit unter dem Budget für 2019 (991,1 Mio. Euro). Die Werbeeinnahmen werden mit 210,8 Mio. Euro deutlich unter Plan für heuer (226,7 Mio. Euro) budgetiert. Mehr Geld gibt es dafür aus den Gebühren, die Erlöse aus dem Programmentgelt sollen auf 647,2 Mio. Euro steigen, das sind um 8,6 Mio. Euro mehr als für 2019 geplant.

Wrabetz ging am Rande der Sitzung auch auf Pläne ein, die Hauptnachrichtensendung "ZiB 1" wieder auf beiden TV-Kanälen durchzuschalten. "Derzeit ist die ZiB 1 nur mehr 18 Minuten lang, längere Elemente wie Interviews gehen sich schwer aus." Die Verlagerung des Sports nach ORF 1 sei eine Überlegung. Insgesamt wolle man die "ZiB 1" neu denken, auch weil die Vorabend-Reform in ORF 1 "nicht geglückt ist". Bis Jänner sei hier mit Ergebnissen zu rechnen.

"Die Kritik bleibt"

Letztes Thema im Stiftunsrat war ein Fahrplan für die Digitalisierung und dort der ORF-Player. Wrabetz kündigte für 2020 die Umsetzung erster Module wie den "Social Program Guide" an, zudem ein Soundmodul und das 24/7-Streaming aller ORF-Programme. Starttermin: im September. Ein eigener Sportscreen soll bereits zu den Olympischen Spielen in Tokio im Sommer online gehen. Einen "Big Bang" werde es beim Player jedenfalls nicht geben, die einzelnen Module - insgesamt zehn - würden nach und nach starten.

Stiftungsrat Thomas Zach geht aber auch das zu langsam. Er sagte: "Die Kritik bleibt. Ich sehe eine mangelnde Umsetzug, das Projekt muss mit noch größerer Dynamik vorangetrieben werden, es darf keine weitere Zeit verschwendet werden. Bei dem Thema ist das Tempo besonders wichtig." Wrabetz sieht den Ball freilich bei der Politik: "Jetzt ist die nächste Regierung am Zug", diese müsse ein ordentliches Digitalisierungspaket schnüren.

Den neuen Geschäftsführer für den ORF-Player will Wrabetz bis zum nächsten Stiftungsrat im März bestellen. 20 spannende Bewerbungen habe es gegeben. Als aussichtsreicher Kandidat dafür gilt der derzeitige ORF-Chefproducer Roland Weißmann.

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