ORF-Standort: Kein Antrag - vorerst
 

ORF-Standort: Kein Antrag - vorerst

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UPDATE: Sommer-Abkühlphase - Wrabetz will noch einmal über Neubau in St. Marx diskutieren - Danach "endgültiger Standortvorschlag" an Stiftungsrat

Die ORF-Standortfrage zieht sich weiter. Generaldirektor Alexander Wrabetz will offenbar doch erst im Juli seinen endgültigen Vorschlag dem Stiftungsrat vorlegen. Das geht zumindest aus einem Schreiben an die Gremienmitglieder hervor, aus dem die APA in der Nacht auf Dienstag zitierte. Demnach schreibt Wrabetz, dass eine Übersiedelung des ORF an einen neuen Standort aus strategischen Gründen sinnvoll und vorteilhaft sei, der ORF-Chef will aber die Thematik vor einer endgültigen Entscheidung nochmals mit dem obersten ORF-Gremium diskutieren.

"Auf Basis der Diskussion im Finanzausschuss bzw. Stiftungsrat werde ich einen endgültigen Standortvorschlag vorlegen", so Wrabetz. Damit würde der vorsorglich eingerichtete "Nottermin", der 12. Juli, für den Beschluss im Stiftungsrat schlagend werden.

Wrabetz hatte sich gegenüber den Räten zuletzt für eine Übersiedelung nach St. Marx ausgesprochen. Allerdings will der ORF-Chef einen solchen Schritt nur mit einer breiten Mehrheit im Stiftungsrat wagen, die ihm derzeit fehlt. Dazu kommt, dass die eigens eingerichtete Arbeitsgruppe Standort des Stiftungsrates, eine Art Unterausschuss für diese Frage, den Dienst quittierte, was dieses Ansinnen nicht leichter machen dürfte: Die ORF-Geschäftsführung habe "trotz mehrfacher Aufforderungen durch das Plenum des Stiftungsrates und die Arbeitsgruppe keinen begründeten Standortvorschlag unterbreitet. Die vorgelegten Zahlen waren nach Ansicht der Arbeitsgruppe weder schlüssig noch vergleichbar", hatte der Ausschuss öffentlich erklärt. 

Der Umzug nach St. Marx ist ein dezidierter Wunsch der mächtigen Wiener SPÖ, für deren Stadtentwicklungsgebiet "Neu Marx" der ORF ein zentraler Baustein ist. Entsprechend wurden immer wieder Spekulationen darüber laut, inwieweit es dahingehende Absprachen rund um die Wiederwahl von Wrabetz im vergangenen Sommer gab.

Abkühlphase über Sommer?

"Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Neubau, eine Neu-Aufstellung des ORF, viele Vorteile bieten kann. Ich habe aber in den vergangenen Tagen und Wochen auch viele Gespräche mit Stiftungsräten zum Thema geführt, in denen klar wurde, dass es derzeit keine breite Mehrheit für einen Neubau gibt", sagte Wrabetz am Dienstag zur APA. Diese ortete bereits eine "Abkühlphase" über den Sommer. In diesem Szenario würde der ORF-Chef noch bis zum September Zeit haben, genügend Stimmen für das Umzugsprojekt zu sammeln.
 

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