ORF-Standort: Arbeitsgruppe in der Krise
 

ORF-Standort: Arbeitsgruppe in der Krise

UPDATE: Kulovits-Rupp kritisiert "Stimmungsmache" - Dienstniederlegung wird von Mitgliedern nicht ausgeschlossen: "Sind am Scheideweg angelangt"

Der Stiftungsrats-Arbeitsgruppe zum ORF-Standort könnte der Geduldsfaden reißen. Die Arbeitsgruppe des obersten ORF-Gremiums, die ursprünglich gemeinsam mit der ORF-Geschäftsführung die Entscheidung für den künftigen Standort des öffentlich-rechtlichen Senders vorbereiten und eine klare Empfehlung an den ORF-Stiftungsrat abgeben sollte, könnte laut APA ihren Dienst quittieren.

Wie einige Mitglieder der Standort-Arbeitsgruppe demnach vor Sitzungsbeginn am Montagnachmittag erklärten, herrsche im Zusammenhang mit dem Vorgehen der ORF-Spitzen in Sachen Standort Enttäuschung über die Informationspolitik, die widersprüchlichen Berechnungen sowie den Zeitpunkt ihrer Übermittlung. "Wir sind an einem Scheideweg angelangt", erklärte ein Mitglied dazu auch im Gespräch mit HORIZONT online vor der Sitzung.

Die Räte kritisieren, dass ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit einer klaren Willensbekundung noch immer auf sich warten lasse. Die Unterlagen zu beurteilen und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen, ist die Aufgabe der Arbeitsgruppe. "Auf der Basis der bisher vorgelegten Unterlagen ist das nicht möglich", hieß es im Vorfeld der Sitzung. Einige Mitglieder wollen nun aber auch nicht weiter warten, bis von der Geschäftsführung neue "Berechnungshappen" präsentiert werden. "Ein weiteres Prolongieren wird es nicht geben", so ein Stiftungsrat und Mitglied der Arbeitsgruppe. Auch von Notterminen, wie jenem bereits in den Raum gestellten Sonderstiftungsratstermin am 12. Juli, halte man inzwischen wenig.

Man müsse am Montag Nägel mit Köpfen machen, so der Tenor. Ein mögliches Szenario ist nun, dass die Arbeitsgruppe bei ihrer Sitzung am späten Nachmittag ihre Arbeit niederlegt, mit der Begründung, dass eine Entscheidungsfindung so nicht möglich ist. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz könnte dann freilich trotzdem in der nächsten Stiftungsratssitzung den Antrag auf Umzug an einen neuen Standort stellen, aus heutiger Sicht dürfte es dafür im ORF-Stiftungsrat aber keine Mehrheit geben, berichtet die APA. Mit einer Arbeitsniederlegung der Arbeitsgruppe steht auch eine längere Vertagung der Standortfrage im Raum.

Stiftungsratsvorsitzende kritisiert Stimmungsmache

Für die Vorsitzende des Stiftungsrates, Brigitte Kulovits-Rupp ist die derzeit öffentlich geführte Diskussion über die Standort-Berechnungen nicht nachvollziehbar, wie sie am Montagnachmittag zu HORIZONT online sagte. Eigentlich sei Vertraulichkeit in der Arbeitsgruppe vereinbart. Die Vorgangsweise, Zahlen an die Öffentlichkeit zu spielen, sei kontraproduktiv, sagte sie: "Es ist nicht zielführend, sondern dient nur der Stimmungsmache."

Für einen Standortwechsel des ORF nach St. Marx spricht sich vor allem die Gemeinde Wien mit der Wiener SPÖ im Rücken aus. ORF-Chef Wrabetz hatte in der Vergangenheit ebenfalls Sympathien für einen ORF-Neubau in St. Marx anklingen lassen, bei ersten Berechnungen stellten sich die ehemaligen Schlachthofgründe in Wien-Landstraße jedoch als teuerste Variante heraus. Bei weiteren detaillierteren Kalkulationen war St. Marx dann plötzlich knapp vor einem zentralen Standort am Küniglberg am kostengünstigsten, in einer erst am Wochenende nachgelieferten Bilanzbetrachtung aber wieder deutlich teurer als die Küniglberg-Variante.

(APA ergänzt)
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