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ORF-Sparzwänge: Film- und Fernsehindustrie kritisiert Parteien

Regieverband ortet "Visionslosigkeit und Mutlosigkeit" bei Parteien - Palfrader, Neuhauser und Co. warnen vor Verlust von 2.000 Arbeitsplätzen - Gesetzliche Regelungen gefordert

Die österreichische Film- und Fernsehindustrie beklagt dramatische Auswirkungen durch die umfassenden Sparzwänge des ORF: 2.000 Arbeitsplätze seien bedroht, 120 zuarbeitende Unternehmen könnten vom Markt verschwinden. Dieses Szenario, das bereits im Juni durch eine Studie von Michael Paul untermauert wurde, nahmen die österreichischen Regie- und Produktionsverbände zum Anlass, die Parteien vor der Nationalratswahl mit vier Fragen zum Themenbereich zu konfrontieren. "Die Antworten waren... interessant", so Schauspieler Robert Palfrader am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Während die ÖVP Diskussionsbereitschaft signalisiert habe, kam von der SPÖ gar keine Rückmeldung. "Und das, wo Bundeskanzler Werner Faymann plakatiert, dass ihm die Arbeitsplätze so wichtig sind", so Palfrader, der auch als "Kaiser" leider keinen Einfluss auf die gesetzlichen Regelungen habe. Genau um eine solche geht es den Interessensvertretern aber: "Es muss eine gesetzliche Verpflichtung im Rundfunkgesetz geben, Gebührengelder des ORF für die unabhängige Film- und Fernsehproduktion festzuschreiben", formulierte "Tatort"-Schauspielerin Adele Neuhauser. 20 Prozent des Gebührenaufkommens werden gefordert, bisher belief sich der Anteil auf 17 Prozent.

"Das ist eine minimalistische Forderung", sagte Regisseur David Schalko ("Braunschlag"), der den ORF "an den Grenzen der öffentlich-rechtlichen Legitimation" und "in der Geiselhaft der Politik" sieht. "Und der Sender gibt das eins zu eins an die Branche weiter." Zusätzlich zu der Festschreibung des Gebührenanteils macht sich die Filmwirtschaft auch für eine gesetzliche Absicherung des Film-/Fernsehabkommens sowie für eine Aufstockung des Fernsehfonds Austria stark. Ersteres belief sich bisher auf acht Millionen Euro und soll künftig mit einem Mindestbudget von zwölf Millionen versehen werden. Der Fonds soll statt mit 13,5 Millionen in Hinkunft mit 20 Millionen Euro dotiert sein.

Wie dramatisch die Situation ist, verdeutlichte zum Schluss der Sprecher des Regieverbands, Markus Schleinzer. "Wegen Visionslosigkeit und Mutlosigkeit ist hier ein ganzer Industriezweig bedroht und wird nachhaltig zerstört." Diesem Vorgang könne man nicht tatenlos zusehen. Da auch die Antworten der anderen Parteien - bis auf die KPÖ - nicht zufriedenstellender ausfielen (Palfrader: "Das erspar ich Ihnen lieber..."), forderte Schleinzer zum Schulterschluss aller österreichischen Filmverbände auf. Eine "Wahlhilfe für Unentschlossene", wie der Titel der Pressekonferenz ankündigte, seien die Antworten nicht gewesen. Nun zähle, dass man die eigene Stimme erhebe und kämpfe.

(APA)
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