ORF: So lief die Bestellung des ORF-Chefs
 
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Thomas Zach, Leiter des ÖVP-Freundeskreises, vor der Bestellung des ORF-Generaldirektors.
Thomas Zach, Leiter des ÖVP-Freundeskreises, vor der Bestellung des ORF-Generaldirektors.

Hearings mit den fünf Kandidaten laufen. Schon davor traten einzelne Stiftungsräte vor die Journalisten.

Update 15.00 Uhr: Roland Weißmann wurde eben mit 24 von 35 Stimmen zum neuen Generaldirektor des ORF bestellt. Amtsinhaber Alexander Wrabetz kam auf 6 Stimmen, Lisa Totzauer auf 5 Stimmen. Mehr hier. Update 14.30 Uhr: Die Hearings der fünf Kandidaten sind beendet, die Abstimmung läuft. 35 Stiftungsräte bestimmen nun den neuen Generaldirektor des ORF.


Update 14.15 Uhr: Im Vorfeld der Bestellung des neuen ORF-Generaldirektors durch den Stiftungsrat hat FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker die ÖVP scharf kritisiert. "Die Türkisen kapern den ORF und nehmen ihn für sich in Anspruch", sagte er am Rande einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des blauen Fraktionsberichts zum Ibiza-U-Ausschuss: "Wir werden nicht müde, vor dem tiefen Staat zu warnen, den sich die ÖVP zurecht zimmert."

Update 13:35 Uhr: Derzeit laufen die Hearings in der finalen Phase. Eine Einschätzung von HORIZONT-Chefredakteur Jürgen Hofer zur Wahl und ihren Auswirkungen sehen Sie hier bei Puls 24
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 Update 13.10 Uhr: Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) stellt das gesetzlich vorgesehene Anhörungsrecht der Bundesländer bei der Bestellung der ORF-Landesdirektoren zur Debatte. Wie er in einem am Dienstag erschienenen Interview mit den "Salzburger Nachrichten" sagte, könne man - im Gegensatz zur Mitbestimmung bei anderen Führungspositionen - durchaus darüber diskutieren, "ob so eine gesetzliche Regelung überhaupt noch erforderlich und in unserer Zeit opportun ist".

Update 12.30 Uhr: Das finale öffentliche Hearing der Kandidaten, das gestern von ORF III übertragen wurde, fand im Schnitt 20.000 Zuseher bei zwei Prozent Marktanteil. Schon am Freitag trafen Wrabetz & Co beim privaten Newskanal Puls 24 aufeinander. Diese Diskussion verfolgten durchschnittlich 22.000 Seher, die darauf folgende Analyse noch 18.000 Seher. In Summe konnte Puls 24 über alle Plattformen rund 100.000 Seher erreichen.

Update 12.00 Uhr: Personalspekulationen bezüglich des Direktorenteams von Roland Weißmann sehen Ö3-Chef Georg Spatt als neuen Programmdirektor beziehungsweise ORF III-Co-Geschäftsführerin Eva Schindlauer als künftige Finanzchefin des ORF. Beide sollen die Wunschkandidaten der Grünen sein. Die Position des Technischen Direktors (mit starken Digital-Agenden) soll wiederum GIS-Geschäftsführer Harald Kräuter einnehmen. Als Radiodirektion könnte sich dem Vernehmen nach Claudia Lahnsteiner bewerben. Sie ist bislang Chronikchefin im ORF-TV.

Der ORF-Stiftungsrat bestellt am heutigen Dienstag einen neuen ORF-Generaldirektor oder eine neue ORF-Generaldirektorin. Zuletzt zeichnete sich im 35-köpfigen obersten ORF-Gremium eine türkis-grüne Mehrheit für TV-Chefproducer und ORF.at-Geschäftsführer Roland Weißmann ab. Er dürfte deutlich über 20 Stimmen bekommen. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit nötig. Tritt das ein, muss der langjährige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz seine Amtszeit mit 31. Dezember beenden.


Auf dem Weg zum Hearing im Stiftungsrat traten mehrere "Freundeskreisleiter" vor die wartenden Journalisten. "Das Original ist besser als die Kopie", warb SPÖ-"Freundeskreisleiter" Heinz Lederer für den amtierenden Generaldirektor Wrabetz. Er hofft, noch unabhängige Stiftungsräte für Wrabetz gewinnen zu können. Den Ausgang der Wahl sah er als "offen" an, "auch wenn die Auguren sagen, dass es in die eine Richtung geht". Er dankte den Bewerbern für die vielen Einzelgespräche und Präsentationen in der Öffentlichkeit. Dafür müsse man ihnen Lob zollen.

'Feigenblatt-Politik der Grünen'

Lederer äußerte Enttäuschung über die "Feigenblatt-Politik der Grünen", auch wenn sie sich noch nicht offiziell geäußert hätten. Der Generaldirektor habe ein "riesiges Machtpotenzial und ich hoffe, dass man verantwortungsvoll damit umgeht", so Lederer, der sich auch Beinfreiheit für die am 16. September zu wählenden Direktoren wünscht. "Solange es nicht anders im Gesetz verankert ist, ist der Generaldirektor für alles und jeden verantwortlich."

Auch Lothar Lockl, der für die Grün-nahen Stiftungsräte spricht, zeigte sich kurz. Es gebe tolle Konzepte und man warte nun die Sitzung ab, meinte Lockl. Zu einem türkis-grünen Deal wollte sich Lockl nicht äußern. Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen "Freundeskreises" zeigte sich abwartend und verwies auf die im Gesetz vorgeschriebenen Prozesse. Zu einem aufgetauchten Screenshot einer Skype-Videokonferenz der ÖVP-nahen Stiftungsräte, die sowohl Gerald Fleischmann, Medienbeauftragten im Kanzleramt (ÖVP), als auch Weißmann zeigen, wollte er keinen Kommentar abgeben. Zuvor hatte es geheißen, sie wären nie zeitgleich bei einem Treffen der bürgerlichen Stiftungsräte gewesen.

Zur Auswahl stehen neben dem ÖVP-Wunschkandidaten Weißmann und Amtsinhaber Wrabetz auch ORF-1-Channelmanagerin Lisa Totzauer, ORF-Technik-Vizedirektor Thomas Prantner sowie Harald Thoma, Geschäftsführer der Pocketfilm Media Entertainment GmbH. Die Mitglieder des Stiftungsrats wählen in nicht geheimer Abstimmung und werden von Regierung, Parlamentsparteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Zentralbetriebsrat beschickt. Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind sie in parteipolitischen "Freundeskreisen" organisiert.


16 der insgesamt 35 Gremienvertreter gelten als ÖVP-nahe, dazu kommen zwei bis vier weitere türkisnahe unabhängige Stiftungsräte. Die Bürgerlichen werden am Dienstag dem Vernehmen nach geschlossen für Weißmann votieren. Die Grünen, denen drei Stiftungsräte im obersten ORF-Gremium nahe stehen, dürfen sich für die Wahl von Weißmann laut APA-Infos zwei von vier ORF-Direktoren - Programm und Finanzen - auf ihre Fahnen heften. Sie plädieren dabei für unabhängige und erfolgreiche ORF-Persönlichkeiten, wie aus dem Stiftungsrat zu hören war.

Zuerst stehen heute Vormittag die nicht öffentlichen Hearings der fünf Kandidatinnen und Kandidaten im Stiftungsrat auf dem Programm. Im Anschluss - vermutlich zwischen 14 und 15 Uhr - erfolgt dann die offen abgehaltene Wahl. Sollte dabei keine Mehrheit zustande kommen, ist ein zweiter Wahlgang in Form einer Stichwahl nötig. Der frisch gewählte neue Generaldirektor gibt im Anschluss eine Pressekonferenz. Die Ausschreibung für die vom neuen ORF-Generaldirektor vorgeschlagene Geschäftsverteilung erfolgt ebenfalls am Dienstag, die Wahl der Direktoren sowie der neun Landesdirektoren findet am 16. September statt. Die fünfjährige Amtsperiode des neuen ORF-Chefs und seines Teams beginnt am 1. Jänner 2022.

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